Gesundheitsministerium schlägt Alarm: Antibiotika-Engpass - diese Sonderregeln gelten ab sofort

Dass einige Medikamente nicht immer auf Lager sind, ist normal. Doch nun droht ein akuter Notstand bei der Versorgung mit Antibiotika. Ab sofort gelten Sonderregeln für den Verkauf bestimmter Arzneimittel.

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Bestimmte Antibiotika sind derzeit von kritischen Lieferengpässen betroffen. (Foto) Suche
Bestimmte Antibiotika sind derzeit von kritischen Lieferengpässen betroffen. Bild: picture alliance/dpa | Monika Skolimowska
  • Das Bundesgesundheitsministerium hat einen Engpass verkündet
  • Der Notstand betrifft das AntibiotikumBenzylpenicillin-Benzathin
  • Ab sofort gelten daher Sonderregeln für den Import des Medikaments

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Gesundheitsexperten sind besorgt: Das Bundesgesundheitsministerium hat nun offiziell einen Engpass bei Antibiotika festgestellt. Betroffen sind davon Injektions-Präparate mit dem Wirkstoff Benzylpenicillin-Benzathin. Aufgrund des Notstands gelten ab sofort Sonderregeln für die betroffenen Medikamente. Was Sie dabei beachten müssen.

Unverzichtbar bei Syphilis und Streptokokken-Infektionen

Bei den betroffenen Medikamenten handelt es sich um sogenannte Depot-Penicilline. Diese Antibiotika kommen vor allem bei der Langzeitbehandlung von Streptokokken-Infektionen zum Einsatz, um rheumatische Herzentzündungen zu verhindern. Auch bei der Behandlung von Syphilis gilt eine einmalige Injektion als Standardtherapie.

Zwar existieren für beide Anwendungsgebiete alternative Behandlungsmöglichkeiten. Diese sind nach Angaben des Ministeriums jedoch häufig weniger wirksam als die Depot-Penicilline. Besonders bei Patienten mit erhöhtem Rückfallrisiko oder in der Vorbeugung seien die betroffenen Präparate daher nicht zu ersetzen. Das einzige in Deutschland zugelassene Medikament mit diesem Wirkstoff wird gespritzt und ist für die genannten Patientengruppen von entscheidender Bedeutung.

Diese Regeln gelten jetzt für Antibiotika

Wie unter anderem das "Deutsche Ärzteblatt" berichtet, dürfen Apotheken und Kliniken nun zeitlich befristet von den üblichen Zulassungsvorgaben abweichen. Konkret bedeutet das: Importierte Arzneimittel aus dem Ausland können künftig auch ohne deutsche Kennzeichnung eingesetzt werden. Wie eine Ministeriumssprecherin erklärte, sind damit "jetzt die Voraussetzungen eines Versorgungsmangels eingetreten." Die noch vorhandenen Bestände würden in absehbarer Zeit vollständig aufgebraucht sein. Durch die gelockerten Importregelungen will das Ministerium die Versorgung auf einem stabilen Niveau halten.

Produktionsprobleme als Ursache der Knappheit

Bereits seit dem vergangenen Sommer lagen dem Ministerium Informationen vor, dass das einzige in Deutschland zugelassene Präparat ab Anfang 2026 nicht mehr verfügbar sein könnte. Schuld an den Engpässen sind dabei Probleme in der Produktion, die zu Verzögerungen führten. Der bereits vorsorglich angelegte Überbrückungsbestand wurde nach heutigem Stand bereits beinahe vollständig aufgebraucht.

Das Bundesgesundheitsministerium wertet die rechtzeitige Bekanntmachung als Beleg für ein funktionierendes Frühwarnsystem. Durch frühzeitige und transparente Informationen aller Beteiligten könne eine kontinuierliche Versorgung sichergestellt werden, hieß es aus dem Ministerium.

Mehrere Antibiotika-Wirkstoffe bereits von Mangel betroffen

Die Knappheit bei dem Medikament ist kein Einzelfall. Wie das "Deutsche Ärzteblatt" erklärt, wurden neben Benzylpenicillin-Benzathin auch Versorgungsmängel beivier weiteren Antibiotika-Wirkstoffen festgestellt:

  • Cefuroxim
  • Clindamycin
  • Cotrimoxazol und Erythromycin befinden sich beide bereits in einer kritischen Liefersituation

Derartige Versorgungsmängel treten allerdings selten auf. Seit 2015 kam es nach amtlichen Angaben weniger als 20 Mal zu einer solchen Feststellung. Ein Versorgungsmangel unterscheidet sich dabei von gewöhnlichen Lieferengpässen, bei denen in der Regel noch wirkstoffgleiche Alternativen verfügbar sind.

Trotz der aktuellen Probleme bei einzelnen Wirkstoffen bewertet das Ministerium die Gesamtlage positiv. Die Arzneimittelversorgung in Deutschland sei derzeit überwiegend stabil. Insbesondere bei Kindermedikamenten wie Fiebersenkern habe sich die Situation deutlich verbessert.

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