Wladimir Putin: Albtraum für die Ukraine? USA-Deal stürzt Land in große Besorgnis
Die Ukraine befürchtet einen ungünstigen Friedensdeal zwischen Wladimir Putin (li.) und Donald Trump (Symbolbild). Bild: dpa/Pool Sputnik Kremlin /AP/Mikhail Klimentyev
Erstellt von Ines Fedder
12.05.2026 11.58
- Waffenruhe nur auf Zeit? Kiew warnt vor gefährlichem Putin-Deal
- Trump drängt auf Frieden – doch Ukraine fürchtet russische Falle
- Sanktionen weg, Krieg später weiter? Sorge vor Geheimabkommen wächst
- Streit um Donbas und AKW Saporischschja blockiert Friedensgespräche
Die Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland stecken fest – und in Kiew wächst die Sorge vor einem einseitigen Abkommen. Washington versucht derzeit, einen vorübergehenden Waffenstillstand zu vermitteln und bietet Moskau im Gegenzug Erleichterungen bei den Sanktionen an. Das berichtet der "Kyiv Independent".
Doch das vorgeschlagene Rahmenwerk enthält aus ukrainischer Sicht einen entscheidenden Mangel: verbindliche Sicherheitsgarantien, die Russland an einer Wiederaufnahme des Krieges hindern würden. "Sie wollen, dass die Ukraine so viel wie möglich akzeptiert oder zumindest nicht im Weg steht", erklärte eine mit den Verhandlungen vertraute Person gegenüber der Zeitung.
Der erneute Vermittlungsversuch folgt auf die dreitägige Waffenruhe vom 9. bis 11. Mai, die US-Präsident Donald Trump überraschend verkündet hatte. Trotz zahlreicher Gesprächsrunden unter amerikanischer Leitung blieb bisher ein Durchbruch aus.
Donbas und Europas größtes Atomkraftwerk als Knackpunkte
Drei zentrale Streitfragen blockieren weiterhin jede Einigung. Der Hauptkonflikt dreht sich um Russlands territoriale Forderungen. Während Kiew argumentiert, dass ein Einfrieren der aktuellen Frontlinie die einzig realistische Grundlage für eine Waffenruhe darstellt, besteht Moskau auf einem Rückzug ukrainischer Truppen aus Teilen des Donbas, die Russland selbst nicht erobern konnte.
Wladimir Putin drängt auf Kontrolle des Atomkraftwerks Saporischschja
Doch der Streit geht über den Donbas hinaus. Ein weiterer kritischer Punkt ist das von Russland besetzte Atomkraftwerk Saporischschja – die größte Nuklearanlage Europas. Die Anlage befindet sich am östlichen Ufer des Dnipro nahe Enerhodar, wodurch die Ukraine keinen physischen Zugang zum umliegenden Gebiet hat. Wladimir Putin besteht darauf, die Kontrolle über das Kraftwerk zu behalten. "Für uns ist das inakzeptabel", erklärte ein ukrainischer Offizieller.
Putin will Sanktionen loswerden – Washington zeigt sich offen
Neben den territorialen Fragen spielt die Aufhebung der westlichen Wirtschaftssanktionen eine zentrale Rolle in den Verhandlungen. Für den Kreml hat dieses Thema höchste Priorität, da die russische Wirtschaft zunehmend unter den langfristigen Beschränkungen leidet.
"Im Allgemeinen sind die Russen um drei Dinge besorgt: den Donbas, die Anerkennung der Gebiete einschließlich des AKW Saporischschja und die Aufhebung der Sanktionen", erläuterte eine mit den Gesprächen vertraute Quelle. "Die Amerikaner sind grundsätzlich bereit, dies zu tun."
Aus Sicht einiger US-Beamter könnte eine Lockerung der Sanktionen als Druckmittel dienen, um Moskau zumindest zu einem vorübergehenden Waffenstillstand zu bewegen. Dieser Ansatz hat in Kiew jedoch tiefe Beunruhigung ausgelöst. Das Weiße Haus lehnte es zweimal ab, sich zu den Inhalten der Gespräche zu äußern.
Kiew fürchtet gefährliche Lücke ohne Sicherheitsgarantien
Die größte Sorge der Ukraine betrifft nicht nur, was Russland durch ein solches Abkommen gewinnen könnte – sondern was Kiew im Gegenzug nicht erhält. Die ukrainische Seite betont wiederholt, dass ein Waffenstillstand ohne durchsetzbare Sicherheitsgarantien Moskau lediglich Zeit verschaffen würde, um aufzurüsten und später erneut anzugreifen.
Ein ukrainischer Offizieller teilte mit, dass Washington bisher keine verbindlichen Zusagen unterzeichnet habe. Stattdessen schlage die US-Seite vor, Garantien erst im Rahmen einer umfassenden Endlösung zu besprechen. Ein amerikanischer Beamter bestätigte, dass Sicherheitsgarantien realistisch erst nach Ende der Kampfhandlungen umgesetzt werden könnten.
Für Kiew entsteht dadurch ein bedrohliches Szenario: Die Kämpfe pausieren, Sanktionen werden gelockert, der internationale Druck lässt nach – und Moskau nimmt die Militäroperationen wieder auf, bevor echte Garantien vereinbart sind. "Wir haben immer noch große Schwierigkeiten, unsere Sicherheitsgarantien richtig zusammenzustellen", räumte ein ukrainischer Vertreter ein.
Ukrainische Offizielle sprechen von "sehr schlechtem Deal"
Vertreter der ukrainischen Regierung äußern offen ihre Unzufriedenheit mit den aktuellen Vorschlägen. Ein Offizieller bezeichnete das entstehende Rahmenwerk als "sehr schlechten Deal", der Moskau effektiv "viel" gebe.
Der Kreml zeigt sich derweil selbstbewusst. Am 7. Mai wies Kreml-Berater Juri Uschakow weitere Dreiergespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA zurück – es sei denn, Kiew stimme zunächst den russischen Territorialforderungen zu. Die Ukraine müsse "nur einen bedeutenden Schritt" unternehmen, dann würden die Kampfhandlungen enden.
Nach Einschätzung ukrainischer Offizieller wird Washington den Druck auf Kiew verstärken, da das Weiße Haus vor den US-Wahlen im November außenpolitische Erfolge sucht. "Die Dinge werden eskalieren, weil sie Wahlen vor sich haben", sagte ein Vertreter.
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