Metzingen: Großaktionär startet Milliardenpoker um Hugo Boss - und nun?

Hugo Boss im Übernahmekampf: Die Frasers Group bietet Milliarden für den Modekonzern. Wie reagiert der Vorstand auf das Angebot der Briten?

Erstellt von - Uhr

Adobe Stock / Dmitry Nikolaev (Foto) Suche
Adobe Stock / Dmitry Nikolaev Bild: Adobe Stock / Dmitry Nikolaev

Um den Modekonzern Hugo Boss ist ein Übernahmekampf entbrannt: Der Großaktionär Frasers Group versucht im Zuge eines freiwilligen öffentlichen Angebots das Ruder bei den Schwaben zu übernehmen. Die Briten bieten 38 Euro je Anteilsschein. Für viele kommt das überraschend. Droht dem Unternehmen aus Metzingen bei Stuttgart nun ein monatelanger Poker?

Frasers ist ein Einzelhandelskonglomerat, hinter dem der Unternehmer Mike Ashley steckt. Der Gruppe gehört der Sportfachhändler Sports Direct. Darüber hinaus hält sie zahlreiche Beteiligungen - unter anderem am Onlineshop Asos.

Auch in Deutschland sind die Briten keine Unbekannten. So hatten sie Interesse an der Kette Sportscheck, die dann aber nach Italien verkauft wurde. Außerdem wurde im Frühjahr der Einstieg bei Puma bekanntgegeben. An Hugo Boss ist die Gruppe mit gut 26 Prozent direkt beteiligt.

Das Angebot kommt nicht von ungefähr: Hätte Frasers die 30-Prozent-Schwelle überschritten, wäre ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre fällig geworden. Das ist vorgeschrieben. Man habe sich für ein freiwilliges Angebot entschieden, um das Investment in Hugo Boss zu festigen, hieß es.

Das Vorgehen erinnert an das Übernahmeangebot der italienischen Großbank Unicredit für die Commerzbank. Auf Gegenliebe scheint das Angebot der Briten für den Modekonzern bislang aber nicht zu stoßen: Am Tag nach der Offerte wurden die Papiere bis zu 9 Prozent über dem Vortagesniveau gehandelt.

Management von Hugo Boss schweigt

Hugo Boss war über den Vorstoß des Großaktionärs am Mittwoch nach eigenen Angaben nicht informiert worden. Das Management um Chef Daniel Grieder ging daraufhin erst einmal bewusst in Deckung. Nach Veröffentlichung der Angebotsunterlagen werden Vorstand und Aufsichtsrat das Angebot prüfen und eine begründete Stellungnahme abgeben, hieß es von dem Modehändler.

Grieder ist seit rund fünf Jahren im Amt und hat das Unternehmen durch eine radikale Neuausrichtung zur Lifestyle-Marke umgebaut. Er fokussierte sich auf Digitalisierung, starkes Marketing sowie eine verjüngte Zielgruppe. Der Konzern hat weltweit 20.000 Beschäftigte - davon mehr als 4.400 in Deutschland.

Das Verhältnis zwischen Großaktionär und Unternehmensführung war zuletzt angespannt. Frasers hatte Aufsichtsratschef Stephan Sturm im Dezember das Vertrauen entzogen. Streit gab es unter anderem um die Dividendenzahlung. Am Dienstag dieser Woche ruderten die Briten aber zurück. Frasers sei ein langfristig orientierter Investor und stehe weiter zu Aufsichtsratschef Sturm sowie Vorstandschef Grieder, hieß es.

Briten müssten Milliardensumme zahlen

Für die restlichen knapp 74 Prozent der Hugo-Boss-Anteile müsste Frasers rund 2 Milliarden Euro hinblättern. Der gesamte Edelschneider würde so mit rund 2,7 Milliarden Euro bewertet. Einer Mindestschwelle unterliegt das Angebot nicht. Aufsichtsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen.

Der Modekonzern hat aktuell mit der mauen Kauflaune seiner Kundinnen und Kunden zu kämpfen. Für das laufende Jahr erwartet das Management einen währungsbereinigten Umsatzrückgang im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll 300 bis 350 Millionen Euro erreichen. 2025 wurde ein Umsatz von rund 4,3 Milliarden Euro bei einem operativen Ergebnis von 391 Millionen Euro verbucht.

Mehrere Übernahmen in der Vergangenheit

Der Bekleidungshersteller hatte einst auch schon dem Finanzinvestor Permira gehört. Er war 2007 über den Kauf des italienischen Modeunternehmens Valentino zur Hugo-Boss-Mehrheit gekommen. 2009 hatte der Investor den deutschen Hersteller aus dem italienischen Konzern herausgelöst und in die Holding Red & Black eingebracht. Valentino ging 2012 an einen Investor aus dem Golfstaat Katar. 2011 hatte sich Permira dann erstmals von Anteilen an Hugo Boss getrennt. Weitere Anteilsverkäufe erfolgten dann in den Folgejahren.

Weitere aktuelle Meldungen aus dem Ressort "Wirtschaft":

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

/roj/news.de

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.