Arbeitsmarkt am Limit: Mehr Arbeitslose, keine Jobs – aber Hauptsache Work-Life-Balance

Kein Aufatmen zum Jahresende: Mehr Arbeitslose, kein wirtschaftlicher Schwung und eine Gesellschaft zwischen Work-Life-Debatte und Realitätscheck. Warum der Arbeitsmarkt feststeckt. Ein Kommentar.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

Arbeitslosenzahlen steigen: Luxusland vor dem Realitätscheck (Foto) Suche
Arbeitslosenzahlen steigen: Luxusland vor dem Realitätscheck Bild: AdobeStock/ Ardan Fuessmann
  • Arbeitslosigkeit steigt trotz Jahresende weiter
  • Andrea Nahles warnt: Keine Berufsgruppe ist sicher
  • KI, Work-Life-Balance und die Frage nach Arbeitsmoral

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Der deutsche Arbeitsmarkt kommt auch zum Abschluss von 2025 nicht zur Ruhe. Statt Erholung gibt es im Dezember noch einmal steigende Zahlen. Aktuell gelten laut "n-tv" 6,2 Prozent der Erwerbspersonen als arbeitslos.

Mehr Arbeitslose trotz Jahreswechsel

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit stieg die Zahl der Arbeitslosen im Dezember um 23.000 auf rund 2,9 Millionen. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 101.000 Menschen mehr ohne Job. Eine Trendwende bleibt aus.

Andrea Nahles: "Kein Rückenwind in Sicht"

BA-Chefin Andrea Nahles beschreibt den Arbeitsmarkt als festgefahren. Seit Monaten fehle der wirtschaftliche Schwung, echte Dynamik sei nicht erkennbar. Zwar könnte die Talsohle erreicht sein, Entspannung bedeute das jedoch noch lange nicht. Besonders bitter: Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit gilt aktuell keine Berufsgruppe mehr als wirklich sicher. Willkommen im Club der Austauschbaren.

Die üblichen Schuldigen, einmal durchgezählt

Und nein, es sind nicht "die bösen Migranten" oder "die Ukrainer", die angeblich dem Staat auf der Tasche liegen. Die Realität ist erstaunlich: Viele von ihnen beziehen Bürgergeld und immer mehr finden Jobs. Das lässt sich nachlesen, sogar bei der "tagesschau". Die Frage ist also weniger, wer arbeitet, sondern wer nicht will und warum dieses Thema reflexhaft mit Ressentiments übertüncht wird.

KI als bequemer Sündenbock

Ja, Künstliche Intelligenz verändert Arbeitsmärkte. Aber sie ist nicht der alleinige Bösewicht. Der eigentliche Elefant im Raum ist eine gesellschaftliche Stimmung, die Arbeit zunehmend als Zumutung begreift. Wir feiern Influencer dafür, dass sie öffentlich über ihre 40-Stunden-Woche klagen, als würden sie täglich in den Minen von Mordor schuften. Erschöpfung wird zur Performance, Faulheit zum Lifestyle-Statement.

Work-Life-Balance oder Dauerflucht?

Natürlich höre ich sie schon, die WhatsApp-Philosophen mit Masterabschluss in Lebensberatung: Das System sei veraltet, der Mensch nicht für Arbeit gemacht, Work-Life-Balance das höchste Gut. Die Frage ist nur: Wie sieht diese Balance konkret aus? Abends stundenlang durch Social Media scrollen, Trash-TV inhalieren und tagsüber erklären, warum 20 Stunden Arbeit bitte mit dem Gehalt eines CEOs vergütet werden sollten? Anspruch trifft auf Realitätsverweigerung.

Wirtschaft sind wir alle

Ja, die Wirtschaft liegt am Boden. Aber Überraschung: Die Wirtschaft, das sind wir. Niemand wird zum Arbeiten gezwungen, aber man darf sich wundern, warum so viele nichts mehr wollen. Der Traum vom Nichtstun als Lebensmodell ist ausgeträumt, ebenso die Vision, dass KI uns kollektiv erlöst. Jetzt stehen wir da und müssen uns eingestehen: Das wird unbequem.

Aufwachen, wenn es zu spät ist

Wenn diese Entwicklung anhält, droht der schleichende Abstieg vom Luxusland zur zweiten Liga. Wer nicht einmal eine 40-Stunden-Woche bewältigen will, sollte sich fragen, wohin das führen soll. Alleinerziehende ausgenommen, die leisten ohnehin Übermenschliches. Aber gesunde Erwachsene? Ganz ehrlich: So faul kann man nicht sein.

Vielleicht wachen einige noch auf. Wahrscheinlich erst dann, wenn andere die Jobs machen, für weniger Geld, während hierzulande noch über Work-Life-Balance, Teilzeitgehälter jenseits der 55.000 Euro und die Schuld der Regierung diskutiert wird. Dunkle Aussichten sind das, aber unrealistisch sind diese Aussichten leider nicht.

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