TV: ZDF zeigt "Zone of Interest": Wirkt das Grauen ohne Bilder?

Wie lässt sich vom Holocaust erzählen, ohne den Horror im Vernichtungslager zu zeigen? Das oscarprämierte Drama "The Zone of Interest" mit Sandra Hüller wählt dafür einen ganz eigenen Weg.

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Er findet einen ganz eigenen Weg, vom Grauen zu erzählen - indem er es nicht zeigt: Als der Film "The Zone of Interest" vor gut drei Jahren in Cannes seine Weltpremiere feiert und 2024 zum besten internationalen Film bei den Oscars gekürt wird, sorgt er für Furore. Denn das Holocaust-Drama mit Sandra Hüller und Christian Friedel nähert sich äußerst unkonventionell dem Horror im deutschen Vernichtungslager Auschwitz.

Jetzt zeigt das ZDF (Montag, 9. November, 22.15 Uhr) den preisgekrönten Film des britischen Regisseurs Jonathan Glazer als Free-TV-Premiere. Mit dem Beginn der TV-Ausstrahlung kann man ihn zudem vier Wochen lang im Streamingportal des Senders sehen. Der 9. November ist zugleich der Jahrestag der Novemberpogrome gegen die jüdische Bevölkerung im Nationalsozialismus im Jahr 1938.

Ein "brutales Meisterwerk" oder ein "hohler" Film?

"The Zone of Interest" folgt dem Alltag der Familie von KZ-Kommandant Rudolf Höß (Friedel) und dessen Frau Hedwig (Hüller), deren Zuhause sich direkt neben dem Vernichtungslager, in dem Hunderttausende Juden ermordet wurden, befindet. Doch wie lässt sich vom Holocaust erzählen, ohne ihn zu zeigen? Wird der Schrecken dadurch überhaupt spürbar?

Das hat auch manche Kritiker gespalten, die dem Film Verharmlosung von Antisemitismus oder zu viel Täterperspektive vorwarfen. Die "New York Times" schrieb von einem "hohlen, selbstverherrlichenden" Drama. Andere Medien hingegen wie der britische "Guardian" lobten den Film, der lose an den gleichnamigen Roman (auf Deutsch: "Interessengebiet") von Martin Amis aus dem Jahr 2014 angelehnt ist, als "brutales Meisterwerk". Das Magazin "Der Spiegel" zählte ihn zu den zehn besten Filmen des Jahres 2024.

Was den Film so besonders macht

Tatsächlich spielt Glazer mit der Auslassung und den Kontrasten. Dadurch entsteht der Horror auf einer anderen Ebene, der Tonspur. Hedwig und Rudolf Höß haben sich ihr Familienidyll mit gepflegtem Garten, Pool und Gemüsebeet eingerichtet. Gezeigt wird in tagebuchartigen Szenerien und in einer an Reality-TV erinnernden "Big Brother"-Situation der Alltag der Familie.

Mal kommt die Schwiegermutter zu Besuch, mal wird den Kindern eine Gutenachtgeschichte vorgelesen, dann judenfeindlicher Small Talk geführt. Währenddessen sind im Hintergrund immer wieder Geschrei, Hundegebell oder Befehle aus dem Lager als Grundrauschen zu hören. Glazer sagte mal bei einer Filmvorstellung in Berlin: "Es gibt den Film, den man sieht, und den Film, den man hört."

"The Zone of Interest" gewann nicht nur einen Oscar als bester internationaler Film, sondern auch für den besten Ton. Doch nicht nur die ungewöhnlichen Soundeffekte wirken verstörend, sondern auch die Gleichgültigkeit und Bösartigkeit der Familie (à la Hannah Arendts Gedanke der "Banalität des Bösen"). Etwa, wenn Hedwig beim Frühstück einer Bediensteten nebenbei sagt, ihr Ehemann könne ihre Asche über die Felder streuen. Rauchschwaden, die man aus dem Fenster sehen kann, lassen erahnen, welch Grauen sich im Lager selbst abspielt.

Wieso der Film nicht leicht zu schauen ist

All das macht den Horror des Holocausts in einer düsteren Atmosphäre auf eine sehr ungewöhnliche, perfide Weise spürbar. Es ist ein beklemmendes Drama, das nicht leicht zu schauen ist. Zudem ist es mit seinen Auslassungen voraussetzungsreich. Es funktioniert nur, solange das Wissen um die Berichte von Überlebenden und die dokumentarischen Bilder vom Holocaust im Gedächtnis existieren.

Auch die Bildungsstätte Anne Frank weist darauf hin, dass ohne ausreichendes Vorwissen viele Szenen unverständlich blieben. "The Zone of Interest" sei "kein Pflichtprogramm", aber ein innovativer Film mit dem Potenzial, seine Zuschauer zum Nachdenken über Täterschaft und Ignoranz anzuregen.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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