Fernsehen: Benko, der Milliardärsflüsterer
René Benko überzeugte Investoren davon, Milliarden in sein Immobilienimperium zu stecken – selbst als die Risiken schon sichtbar wurden. Eine ARD-Tragikomödie fragt jetzt, wie ihm das gelang.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Der Aufstieg und Fall des Ex-Milliardärs René Benko und seines Immobilienimperiums Signa beschäftigen seit Jahren Staatsanwaltschaften und Gerichte. Mehr als 1.100 Firmen gehörten zum Firmengeflecht des Tirolers, als es im Herbst 2023 zusammenbrach. Allein die österreichische Justiz ermittelt in mehr als einem Dutzend Strängen vor allem zum Verdacht des schweren Betrugs und der Untreue. Auch deutsche und italienische Behörden ermitteln.
Der Geschäftsmann verkörperte so etwas wie die Austria-Variante des amerikanischen Traums: Geboren und aufgewachsen in Innsbruck als Sohn einer Erzieherin und eines Gemeindebediensteten arbeitete sich Benko hoch zum milliardenschweren Immobilienunternehmer mit engen Beziehungen zur High Society.
"Benko - Size Does Matter"
Der tiefe Fall des inzwischen verhafteten Ex-Milliardärs bietet reichlich Stoff für Filmemacher wie Hannah und Raymond Ley. Ihr Dokudrama, die Tragikomödie "Benko - Size Does Matter" (jetzt in der ARD-Mediathek; Ausstrahlung 2.11. um 20.15 Uhr im Ersten), fragt vor allem danach, wie er es schaffte, Geschäftsleute, Bankenbosse und Politiker von seinen Projekten und vor allem von sich selbst zu überzeugen - und Milliarden zu investieren, selbst dann noch, als die bilanziellen Risse und finanziellen Risiken längst sichtbar waren.
Der NDR und die ARD schreiben zur Sicherheit zu dem Film: "Der österreichische Schauspieler und Kabarettist Thomas Stipsits sieht René Benko nicht besonders ähnlich – und genau darum geht es. Der Film will nicht das Leben von Benko imitieren, Stipsits und der Film übersetzen Benko."
Stipsits spielt Benko als einen Getriebenen, der es mit Energie und Charme versteht, andere mitzureißen. Als jemanden, der nicht nur im Kreis von Milliardären - die anfangs mit Verachtung auf den aufstrebenden Innsbrucker aus einfachen Verhältnissen herabblicken - sondern auch bei den besorgten Beschäftigten der Kaufhausgruppe Galeria die richtigen Worte findet.
"Stillstand ist tot"
"Stillstand ist tot", sagt Stipsits Benko immer wieder. An diesem Motto richten die Filmemacher auch das Tempo des 90-minütigen Spielfilms aus. Es dominieren schnelle Schnitte, häufige Szenenwechsel und kurze Dialoge.
Der Film folgt keinem chronologischen Ablauf, sondern springt wild hin und her - zwischen den beteiligten Personen, Zeiten, Orten. Nicht immer fällt es leicht, den Überblick zu behalten. Wer sich erhofft, die komplexe Signa-Struktur oder die genauen Gründe des Absturzes zu verstehen, dürfte enttäuscht werden. Hier setzen die Leys viel Wissen voraus.
Stattdessen geht es vor allem um die teils prominenten Menschen, die Benko ihr Vertrauen und vor allem ihre Milliarden zukommen lassen und am Ende viele Millionen verlieren. Benko versteht es, jedem von ihnen das Gefühl zu geben, bei etwas ganz Besonderem dabei zu sein.
Ringen mit dem inneren Ich
Ein zentrales Element ist Benkos Ringen mit seinem inneren Ich, dargestellt von Heino Ferch. Mal ist er Antreiber, mal Teufelchen auf der Schulter, mal Kritiker. Er steht vor allem für Benkos innere Zerrissenheit.
"Ich bin sein Schatten. Er wächst, ich wachse mit. Es ist wie eine Idee, die man nicht zurückholen kann. Ich bin René. Ein Teil von ihm, der nie zur Ruhe kommt", sagt das innere Ich in die Kamera. Die Szenen, in denen Benko mit Ferch um die nächsten Schritte, die richtigen Worte ringt, erinnern eher an ein Theaterstück. Sie gehören zu den starken Momenten des Films.
Enge Kontakte zur Politik
Auch in die Politik hatte Benko enge Kontakte, pflegte etwa eine Art Freundschaft zum früheren österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Authentizität verleiht der Film diesen Beziehungen, indem auf Leinwänden im Hintergrund der Szenen stets Bilder und Sequenzen des echten Benkos, des echten Kurz oder des echten Olaf Scholz laufen. In denen freut sich etwa der frühere Hamburger Erste Bürgermeister und spätere Bundeskanzler über Benkos Pläne zum nach wie vor unvollendeten Elbtower.
Zur Dynamik des Films tragen auch die schnellen Dialoge bei. In die Tiefe gehen sie selten, sondern bestehen oftmals aus einer Aneinanderreihung von knackigen Kalendersprüchen für größenwahnsinnige Geschäftsleute. "Du darfst kein Mitleid haben, so was lähmt Dich", raunt Benko in der Eingangsszene seinem Sohn zu, als dieser durch das Fernrohr eines Jagdgewehrs ein Reh ins Visier nimmt. "Das ist ganz normal in der Natur. Der Schwächste verliert."
"Wenn Du nicht groß denkst, kriegst Du keine großen Partner", sagt Benko an anderer Stelle. "Wer bist Du wirklich?", fragt ihn in einer Szene seine zukünftige Frau Nathalie (Patricia Aulitzky) - "Jemand, der ganz nach oben möchte."
Immobilienimperium bricht irgendwann zusammen
Trotz solcher Phrasen zeichnet der Film ein nachvollziehbares Bild von Benkos Charisma und Auftreten, das er für jeden Geldgeber anpasst. "Benko konnte immer alles gut erklären. 6 Prozent Rendite jedes Jahr. Das ist in Nullzinsphasen schon viel. Der Junge hat's verstanden", sagt einer von ihnen im Film über den Innsbrucker. Auch das dürfte erklären, warum Banken ihm noch großzügige Kredite gewährten, als das Signa-Schiff schon stark Schlagseite hatte.
Das Immobilienimperium bricht infolge der Zinswende und der stark gestiegenen Bau- und Energiekosten schließlich zusammen. Ikonische Kaufhäuser wie das Berliner KaDeWe oder das Oberpollinger in München gehörten dazu. Auch das legendäre Chrysler-Building in Manhattan nannte Benko sein Eigen. Verloren hat er am Ende alles - auch seine Villa in Innsbruck.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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