TV: Mussolini-Enkelin jetzt auch in Dating-Show dabei

Sie begann als Schauspielerin und Sängerin, dann ging sie in die Politik und fiel mit schrillen Tönen auf: Alessandra Mussolini, die Enkelin des "Duce". Sie setzt heute auf eine Karriere im Trash-TV.

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Zu den Klängen von "Mambo Italiano" tänzelt sie im türkisfarbenen Federkleid ins Studio. Auf der Treppe zieht sie sich theatralisch die Stöckelschuhe aus, bevor sie barfuß zu den Studiogästen hinuntergeht. Ein heiterer Auftritt, wie man ihn aus vielen italienischen Unterhaltungsshows kennen mag. Es ist Alessandra Mussolini, die Enkelin des faschistischen Diktators Benito Mussolini (1883-1945), die da sichtlich ihren Auftritt genießt.

Die 63-Jährige wird ab Montag (21. September) "opinionista", also so etwas wie eine Kommentatorin, in der in Italien äußerst populären Dating-Show "Uomini e Donne" (zu Deutsch: "Männer und Frauen"). Bereits vor der Ausstrahlung zeigte der Privatsender Canale 5 jene Szene, in der Mussolini von Showmasterin Maria De Filippi (64) als neue Kommentatorin vorgestellt wird.

Mussolini - ehemalige Schauspielerin, Sängerin, Abgeordnete in beiden italienischen Parlamentskammern und im EU-Parlament sowie streitbarer Dauergast in Talkshows - nimmt künftig neben den langjährigen Kommentatoren Gianni Sperti (53) und Tina Cipollari (60) Platz. In der Show suchen Singles vor laufenden Kameras nach einer Beziehung. Ihre Treffen und Konflikte werden anschließend im Studio diskutiert.

Schon Gewinnerin von "Promi Big Brother"

Die Rolle des "opinionista" ist in italienischen Trash-TV-Shows nicht selten: Als Experten ausgegebene Fernsehpersönlichkeiten werden in die Sendungen gesetzt, um möglichst laut und kontrovers das Geschehen zu kommentieren. Eine Aufgabe, die der Duce-Enkelin wie auf den Leib geschneidert scheint.

Vor wenigen Monaten gewann Mussolini die italienische Version von "Promi Big Brother". Vor ihrer Teilnahme am "Grande Fratello Vip" hatte sie 2020 auch schon bei der TV-Tanzshow "Ballando con le stelle" (in anderen Ländern: "Dancing with the Stars"; oder in Deutschland: "Let's Dance") und 2021 dem italienischen "The Masked Singer" ("Il cantante mascherato") mitgemacht.

Keine Distanzierung von ihrem Großvater

Alessandra Mussolini ist die Tochter von Romano Mussolini, dem jüngsten Sohn des Faschistenführers Benito Mussolini, und dessen erster Frau Maria Scicolone, der Schwester von Filmstar Sophia Loren. In jungen Jahren versuchte sie sich als Schauspielerin und Sängerin ("Love is Love"). 1983 posierte sie für den "Playboy". Auf der Titelseite hieß es neben ihrem freizügigen Foto: "Die Durchsetzungskraft von Opa Benito, der Sex-Appeal von Tante Sophia Loren".

Sie ging später aber in die Politik: Mussolini gehörte zunächst einer neofaschistischen, rechtsextremen Kleinstpartei an, später der Partei Forza Italia des mehrfachen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi (1936-2023). Inzwischen ist sie Mitglied der rechtspopulistischen Lega, die der seit 2022 regierenden Rechtskoalition von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni angehört.

Auch über Italiens Grenzen hinaus ist sie schon mehrfach mit Kontroversen aufgefallen. Sie machte nie einen Hehl daraus, ihren Großvater zu verehren. In einer Talkshow äußerte sie sich 2006 homophob und sagte zu der Transfrau und Ex-Politikerin Vladimir Luxuria: "Lieber Faschistin als Schwuchtel." Schauspiel-Star Jim Carrey nannte sie 2019 in den sozialen Medien einen "Bastard", nachdem dieser ihren Großvater kritisiert hatte.

Seit wenigen Jahren inszeniert sich Mussolini aber als leidenschaftliche Verfechterin der Rechte der LGBTQ-Community - bekannt ist ihr Auftritt in einer Talkshow, in der sie Gay Prides verteidigt und sich gegen deren Kritiker wendet.

Dunkelstes Kapitel italienischer Geschichte

Die faschistische Herrschaft von Benito Mussolini von 1922 über zwei Jahrzehnte gilt als dunkelstes Kapitel der italienischen Geschichte. Der Diktator verbreitete Angst und Schrecken. Oppositionelle, Minderheiten und Juden wurden verfolgt, ausgegrenzt und dann auch in Konzentrationslager verschleppt und umgebracht. Seine Regentschaft diente Adolf Hitler als Vorbild.

Beobachter merken immer wieder an, dass in Italien eine umfassende Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit wie in Deutschland nach dem Nationalsozialismus ausblieb oder allenfalls bruchstückhaft geschah. In Teilen der italienischen Gesellschaft ist diese Epoche zu Folklore oder nostalgisch gefärbter Erinnerung geworden. Faschistische Bauten und Symbole sind vielerorts noch sichtbar.

Das könnte mit erklären, warum Alessandra Mussolinis Auftritte im italienischen Unterhaltungsfernsehen nicht überall als problematisch wahrgenommen werden. Andere kritisieren ihre Beteiligung mit Verweis auf ihre politische Vergangenheit und ihre früheren Äußerungen. Immer wieder wird deshalb davor gewarnt, dass das Stigma des Faschismus weiter verblassen könnte.

Gemischte Reaktionen

Die Reaktionen auf ihre Rolle bei "Uomini e Donne" fielen in den sozialen Medien gemischt aus. "Überglücklich!!! Es wird eine noch spritzigere Staffel", schreibt ein User. Eine andere Userin bezeichnet Mussolinis Teilnahme wiederum als "unbegreifliche Entscheidung". Ein anderer schreibt: "Wir sind wirklich überall auf den Tiefpunkt gesunken." Mussolini selbst kündigte in dem Magazin "Chi" an: "Ich werde mich nicht zurückhalten!"

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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