TV-News: 50 Jahre Satiresendung "Extra 3" - Witzig und entlarvend
1976 hat das Deutsche Fernsehen eine Satiresendung ins Programm aufgenommen, die vor allem eins wollte: Absurde Geschichten aus dem Alltag erzählen. Später dann kam die Politik ins Spiel – zum Glück.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Das muss man erstmal schaffen. Seit 50 Jahren macht die NDR-Sendung "Extra 3" erfolgreich satirische Berichterstattung im Fernsehen. Als die Sendung am 21. September 1976 zum ersten Mal im Norddeutschen Rundfunk (NDR) lief, hatte selbst Mitgründer und Erstmoderator Dieter Kronzucker nicht unbedingt an den langjährigen Erfolg gedacht. ""Extra 3" wird das Jahr 1976 nicht überleben" soll er kurz nach der ersten Sendung gesagt haben. Und irrte gewaltig.
Nun feiert das erste deutsche Satiremagazin 50-Jähriges und gehört längst zu den prägenden Satire-Formaten der ARD. Seit 2014 läuft sie donnerstags, 22.50 Uhr, im Ersten nach den "Tagesthemen". Meist schauen ein bis zwei Millionen Menschen die 45-Minuten-Sendung. Viele weitere streamen sie in der ARD-Mediathek.
Das Team von "Extra 3" findet seit vielen Jahren immer wieder zielsicher Absurditäten aus Politik und Gesellschaft, spießt sie mit spitzem und pointierten Humor geschickt auf - präsentiert es in einem Mix aus scharfer Polit-Satire, Livemusik, Studio-Sketchen und satirischen Filmen.
Preisgekrönte Moderation zum "Stadtbild"
Der Erfolg gibt den Machern nach wie vor recht. Im Januar heimste Satiriker Ehring den Deutschen Kabarettpreis ein und vor wenigen Tagen gab es für die witzige, kluge, einordnende und scharfsinnige "Stadtbild"-Moderation rund um Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vom Oktober 2025 den Deutschen Fernsehpreis für das beste Buch.
Christian Ehring ist seit 15 Jahren Moderator der Sendung, der zwölfte seit 1976. "Eine gute Satiresendung ist überraschend. Sie legt den Finger in die Wunde, ohne die Menschen, die man da kritisiert, verächtlich zu machen und im Prinzip ein Brandbeschleuniger für Politikverdrossenheit zu werden", sagt Ehring der Deutschen Presse-Agentur.
Dabei gibt es für das Team, zu dem auch viele bekannte Gesichter gehören, im Grunde kaum thematische Tabus – aber eine feine Grenze, findet Ehring: "Satire darf alles, aber Satire darf nicht lügen. Also einfach mal ein ganz blödes Beispiel: Ein Gag wie "Die Pisa-Studie hat gezeigt, ein Drittel der Schülerinnen und Schüler kann nicht mehr richtig rechnen. Zum Glück nur ein Drittel und nicht ein Viertel." Dann ist das eine Pointe, die natürlich Quatsch ist, aber das Setup "ein Drittel kann nicht mehr richtig rechnen" sollte stimmen. Wenn man da lügt oder da was Falsches erzählt, dann kann man das auch nicht mehr mit Satire rechtfertigen."
Dank Social Media und YouTube erfolgreich auch bei den Jüngeren
In den Anfängen der Sendung ging es vor allem um Witziges, Albernes und Quatsch aus dem Alltag – bis die aktuelle Politik mehr in den Fokus rückte. Weniger Gaga, mehr journalistische Elemente und insgesamt sortierter. Etwas, das der Sendung durchaus gut getan hat und auch besser zum neuen gesellschaftlichen Anspruch passt, dass guter Humor nicht auf Äußerlichkeiten abzielen sollte.
Nicht selten muss sich nun aber das Team den Vorwurf anhören, einseitig zu sein. Das kontert Ehring gelassen: "Ich sage, da ist was dran, denn der Vorwurf kommt von allen Seiten und dann muss es ja wohl stimmen."
Seit einigen Jahren erreicht "Extra 3" auch - neben dem analogen Publikum - viele jüngere Leute. "Mit unserer Social-Media-Reichweite sind wir zum Glück sehr, sehr stark. Das ist neben der Einschaltquote und Mediatheksabrufen natürlich unglaublich wichtig und gewissermaßen eine Lebensversicherung für eine Sendung."
Mit Blick auf die Wahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD 44 Prozent der Stimmen geholt hat, ist Ehring auch selbstkritisch. Er findet, dass sich die Medien in dem Zusammenhang noch mehr hinterfragen müssen. Es habe nicht funktioniert, die AfD durch Aufklärung zu entzaubern. "Ich habe natürlich auch kein Patentrezept. Vielleicht waren wir in den Anfangsjahren der AfD zu forsch mit der Markierung von AfD-Wählenden als rechtsradikal. Das sorgt natürlich eher für Reaktanz als dafür, dass sich die Angesprochenen kritisch hinterfragen."
Themen für die Sendung werde es auf jeden Fall weiterhin genug geben, sagt Ehring und lacht. "Wir sind ja gewissermaßen auch Krisengewinner. Wenn es insgesamt brenzliger wird, dann ist es für uns eher eine gute Zeit. So schlimm ich das als Staatsbürger finde."
Leserpost vs. Youtube-Kommentar - Ton ist rauer geworden
Was hat sich eigentlich in den vergangenen Jahren am meisten verändert? Dass der Ton rauer geworden ist, spüre das Team deutlich, sagt Ehring dazu. "Früher gab es Leserpost, da hat sich jemand an seine Adler Triumph gesetzt und einen wütenden Brief geschrieben. Das ist ja schon mal auch eine Hürde." Mittlerweile wird eben auf Youtube und in den Sozialen Medien kommentiert. "Da wird alles wortwörtlich genommen, abgeklopft auf irgendwelche Zwischentöne. Es wird auch viel absichtlich falsch verstanden." Auch Drohungen gegen das Team seien nicht selten. Zum Teil werde das auch zur Anzeige gebracht.
Oder das Team macht einfach ein Lied daraus, wie für die Jubiläumssendung zum 50. Geburtstag, die am Donnerstagabend (22.50 Uhr) im Ersten läuft. Bei der Geburtstagsshow feiern neben dem aktuellen "Extra 3"-Ensemble auch prominente Gäste aus Satire und Comedy mit. Neben Oliver Welke sind das Katrin Bauerfeind, Collien Fernandes, Maxi Schafroth, Michael Mittermeier, Florentine Osche, Max Giermann, Sarah Bosetti, Riccardo Simonetti und Oliver Kalkofe. Besonders unterhaltsam ist dabei die Kabbelei von Ehring mit dem "heute show"-Moderator Welke.
Und wer noch tiefer in die vergangenen fünf Jahrzehnte der Satire-Sendung eintauchen will: Direkt im Anschluss an die Jubiläumsshow läuft im Ersten eine Dokumentation zu 50 Jahre "Extra 3", satirisch präsentiert von Freddy Radeke und Jakob Leube.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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