TV: Die Rückkehr der Techno-Parade nach Berlin

Techno ist sein Leben. Die Loveparade von Dr. Motte machte Berlin zum Magnet der Szene. Dann das Aus. Inzwischen tanzen die Raver wieder in der Hauptstadt. Ein ARD-Film dokumentiert den Weg dahin.

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"Ich möchte gerne die Geschichte der Loveparade weitererzählen", sagt Dr. Motte. "Um ein Zeichen zu setzen nach der Katastrophe von Duisburg. Um zu zeigen, dass wir ehrliche Absichten haben. Gute Absichten haben für die Kultur. Um den Spirit der Loveparade wieder zurück nach Berlin zu bringen." Während Loveparade-Gründer Dr. Motte dies sagt, zeigt ihn die Aufnahme am Hauptstadtflughafen BER im Telefonat mit seiner Partnerin Ellen Dosch-Roeingh.

Private Einblicke wie diese werden in der ARD-Dokumentation "Love ist stronger. Von Loveparade zu Rave The Planet" (Streamingstart am 31. Juli) teils zum ersten Mal gezeigt.

Der Film von Britta Mischer zeichnet den Weg zu dem neuen Technospektakel nach. Über mehrere Jahre hinweg begleitet er Dr. Motte, mit bürgerlichem Namen Matthias Roeingh, und Ellen Dosch-Roeingh, Mitbegründerin und Gesellschafterin der gemeinnützigen Organisation Rave The Planet.

"In einer Zeit multipler Krisen möchte ich mit "Love is Stronger" Hoffnung machen, dass Versöhnung möglich ist, und zeigen, wie Techno seit Jahrzehnten mit wundersamer Kraft Grenzen überwindet und Menschen verbindet", erklärt Regisseurin Mischer ihre Motivation.

In ihrem Film zeigt sie interne Diskussionen, organisatorische Hürden und persönlichen Entscheidungen, die notwendig waren, um einen Neuanfang der Technoparade in Berlin zu stemmen. Immer wieder geht es um die Fragen: Kann das kulturelle Erbe der Loveparade neu gedacht werden, ohne ihre Fehler zu wiederholen? Handelt es sich um eine politische Demonstration oder nur um Technoparty?

Die Doku zeichnet dafür immer wieder in Rückblenden die Anfänge der Loveparade nach. Sie wurde als politische Demonstration von einem Team rund um Dr. Motte und seiner damaligen Partnerin, der Künstlerin Danielle de Picciotto, ins Leben gerufen. 1989 zog sie erstmals unter dem Motto "Friede, Freude, Eierkuchen" über den Ku'damm.

Magnet für Hunderttausende

Schnell entwickelte sich die Technoparade zum Magneten für Hunderttausende und einem Großereignis, das internationale Strahlkraft entfaltete. Mit dem Wachstum begann zugleich der Niedergang: Steigende Kosten und wachsender Druck führten zur Kommerzialisierung der Veranstaltung. 2005 wurde die Marke verkauft. Dr. Motte zog sich zurück, die Parade zog nach Nordrhein-Westfalen.

2010 endete die völlig überfüllte Loveparade anderer Organisatoren in Duisburg in einer Katastrophe. 21 Menschen im Alter von 17 bis 38 Jahren starben, rund 650 Besucher wurden verletzt.

Erbe von Katastrophe mittragen

Auch Bilder davon werden immer wieder in dem Film gezeigt. An einer Stelle besucht Dr. Motte den Gedenkort in Duisburg und zündet eine Kerze an. Er sagt: "Ich fühle mich wirklich teilschuldig" Von Ellen Dosch-Roeingh ist zu hören: "Wir müssen das Erbe von 2010, von dem Unglück von Duisburg, leider mittragen."

Teils private Archivaufnahmen geben persönliche Einblicke in eine Bewegung zwischen Vergangenheit und Gegenwart - und auf Dr. Motte. Der inzwischen 66-Jährige, der 1999 den Medienpreis Bambi für sein Engagement für die Loveparade bekam, gibt dabei zu: "Ich verliebe mich immer in Powerfrauen." Die Dokumentation zeigt, dass sein Projekt kaum ohne diese denkbar wären.

"Einen Mutti-Moment"

"Ich hatte nicht dieses Ziel, diese Parade zu machen. Ich hatte dann aber so einen Mutti-Moment", sagt Ellen Dosch-Roeingh mit Blick auf die Katastrophe von Duisburg, die Dr. Motte bis heute beschäftigt. Darum habe sie schließlich gesagt: "Das kannst Du gerne machen - aber nur mit mir."

Am 9. Juli 2022 um 13.55 ist es so weit: Nach einem gemeinsamen Countdown wummern die Bässe und das neue Technospektakel "Rave The Planet" am Ku'damm. Sichtlich gerührt ruft Dr. Motte an seinem 62. Geburtstag der jubelnden und tanzenden Masse zu: "Endlich findet die Rave the Planet Parade in der Tradition der Loveparade in Berlin statt."

Am 15. August wieder Technospektakel

Am 15. August startet das Technospektakel zum fünften Mal in der Stadt. Auf der Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule werden dann wieder Zehntausende Menschen erwartet - dort, wo vor 20 Jahren Bilder der letzten Loveparade in der Hauptstadt entstanden. Und nicht weit entfernt von dem Tatort, an dem nur drei Wochen zuvor ein islamistisch motivierter Attentäter am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) eine Frau getötet und 31 Menschen zum Teil schwer verletzt hatte.

Die Technoparade findet trotzdem statt wie geplant. "Wir haben uns viele Gedanken gemacht", sagte Dr. Motte am Mittwoch nach dem Anschlag in der RBB-"Abendschau". Doch nach Gesprächen mit der Polizei habe man entschieden, es gebe "aus behördlicher Sicht und aus unserer Sicht keinen Grund, diese Demonstration nicht durchzuführen", so Ellen Dosch-Roeingh.

Die ARD-Dokumentation "Love is Stronger" ist ab 31. Juli in der ARD-Mediathek verfügbar. Sie wird am 12. August um 22.15 Uhr im RBB-Fernsehen ausgestrahlt.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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