Fernsehen: Mubi: Vom Nischen-Streamer zum Global Player im Filmgeschäft

Streamingdienste gelten gemeinhin als Feinde des Kinos. Ein Streamer-Chef, der das Kino liebt und sogar fördern will, scheint also kaum denkbar. Gibt es aber trotzdem.

Erstellt von - Uhr

Aktuelle Nachrichten rund ums Thema Fernsehen lesen Sie auf news.de (Symbolbild). (Foto) Suche
Aktuelle Nachrichten rund ums Thema Fernsehen lesen Sie auf news.de (Symbolbild). Bild: Adobe Stock / ronstik

"Efe Çakarel von Mubi", rief Demi Moore aus, als sie 2025 einen der wichtigsten Preise der US-Filmindustrie für ihre Rolle im Bodyhorrorfilm "The Substance" gewann: den Actor Award - früherer Name SAG Award (nach der Gewerkschaft Screen Actors Guild). Moore lobte überschwänglich Herrn Çakarel von Mubi, der - Zitat - "eine solche Liebe zum Kino in sich trägt und mir sowie diesem Film eine unerschütterliche Stütze war".

Was ist Mubi? Es handelt sich um einen Streaming-Dienst (verfügbar in 190 Ländern und seit 2013 in Deutschland), eine Produktionsfirma und einen Filmverleih für "visionäre Filme". Der Anbieter habe sich in den letzten Jahren "zu einem echten Hollywood-Player entwickelt", schreibt die "New York Times".

Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in London, 15 Büros weltweit und beschäftigt mehr als 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so die Selbstbeschreibung. In Deutschland hat Mubi Büros in Berlin und Köln.

Streaming-Abo und Kino-Eintrittskarte in einem

Das Abo "Mubi Go", das sich an Großstädter richtet, kostet 19,99 Euro im Monat. Die Kunden, ganz clubmäßig "Mitglieder" genannt, bekommen neben dem Zugang zum Streamingdienst jede Woche ein Ticket, um Filme im Kino zu erleben. Aktuell ist dieses "Mubi Go" in mehr als 45 Kinos anwendbar, und zwar in Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart.

Wie viele Abonnenten Mubi in Deutschland hat, dazu werden keine Zahlen herausgegeben. Seit Anfang 2022 gehört zum Mubi-Imperium auch die Vertriebs- und Produktionsfirma The Match Factory.

Mubi wurde 2007 gegründet (ursprünglich mit dem Namen The Auteurs) - eben von Efe Çakarel, einem Filmliebhaber und Unternehmer, geboren am 7. April 1976 in Izmir in der Türkei. In früheren Berichten über Mubi stand Gründer Çakarel - Ingenieurabschluss des Massachusetts Institute of Technology (MIT), MBA-Abschluss der Stanford University - öfter im Mittelpunkt. Heute sagt der 50-Jährige Presse-Anfragen freundlich ab.

So lässt der frühere Investmentbanker der Deutschen Presse-Agentur im Juli 2026 antworten, er werde die an ihn gerichteten persönlichen Fragen nicht beantworten. Das unternehmerische Ziel bestehe darin, den Fokus zunehmend auf Mubi als Marke zu legen und klarer von ihm als Einzelperson abzugrenzen.

Eine Erzählung über den Unternehmer lautet, er sei vor bald 20 Jahren in einem Café in Tokio frustriert gewesen, dass er nirgends Wong Kar-Wais Meisterwerk "In the Mood for Love" als Video-on-Demand schauen konnte, obwohl Japan schon über schnelles Internet verfügte. Die Filmrechtefrage ließ den Cineasten nicht los. Er gründete sein Filmunternehmen noch 2007 – im selben Jahr, in dem auch Netflix mit dem Streaming von Filmen und Fernsehserien begann.

Doch Çakarels Ziel bestand von Anfang an darin, auch das Erlebnis des Kinobesuchs zu unterstützen. Vom Konzept, bei dem den Abonnenten täglich ein neuer Film präsentiert wurde und jeder Titel nur 30 Tage auf der Plattform verfügbar blieb, hat man sich inzwischen verabschiedet. Doch die Idee, nur anspruchsvolle Filme anzubieten, wird hochgehalten.

Die "New York Times" zitierte Çakarel 2025, wie er zunächst vorgegangen sei: "Ich ging zu einem großen Studio und sagte: "Das sind die 32 Titel, die ich gerne hätte." Sie entgegneten dann: "Nein, so läuft dieses Geschäft nicht. Wenn Sie diese Titel haben wollen, müssen Sie auch jene Titel nehmen."" Er sei buchstäblich rausgeschmissen worden.

Mubi-Filme sind oft erfolgreich bei Festivals

Doch Beharrlichkeit zahlte sich offensichtlich aus. Anbieter wie Sony, Paramount, später auch Universal Pictures erklärten sich im Laufe der Zeit bereit, ihm und Mubi künstlerisch wertvolle Filme zur Verfügung zu stellen.

Heute werden neue Mubi-Filme, die es immer mehr gibt - neben vielen Klassikern auf der Plattform - oft von der Kritik gefeiert. Bei wichtigen Festivals und Filmpreisen heimsen sie Nominierungen und Auszeichnungen ein.

Beispiele sind etwa "Aftersun" von Charlotte Wells mit Paul Mescal in der Hauptrolle oder "Priscilla" von Sofia Coppola mit Jacob Elordi als Elvis Presley; auch "Queer" von Luca Guadagnino mit Daniel Craig als Alter Ego des schwulen US-Schriftstellers William S. Burroughs oder der hochpolitische Iran-Spielfilm "Ein einfacher Unfall" von Jafar Panahi wären zu nennen.

Kommende Filme mit Stars wie Sandra Hüller und Gillian Anderson

Zu Mubis kommenden Produktionen gehören Werke wie "Vaterland" von Paweł Pawlikowski mit Sandra Hüller als Thomas Manns Tochter Erika Mann oder "A Long Winter" vom "All of Us Strangers"-Regisseur Andrew Haigh. Außerdem beispielsweise: "Let Love In" von Felix Van Groeningen oder "Teenage Sex and Death at Camp Miasma" von Jane Schoenbrun mit Gillian Anderson, der 2026 in Cannes die Queer Palm gewann.

Mubi unterscheidet zwischen "Produktionen" und "Releases", also zwischen Filmen, die das Unternehmen selbst produziert, und solchen, die es erwirbt. Im ersten Fall investiert Mubi in die Herstellung eines Films und arbeitet von Beginn an mit den Filmschaffenden zusammen. Bei erworbenen Filmen sichert sich Mubi exklusive Rechte an Filmen, die schon fertig sind oder sich noch in einer Produktionsphase befinden, manchmal gar, wenn noch das Drehbuch entsteht.

Unabhängig davon, auf welche Weise ein Film zu Mubi gelangt, kann der Film zunächst ins Kino kommen. "Nach einer angemessenen Auswertungszeit" wird er dann auf der Streaming-Plattform von Mubi veröffentlicht.

Beim nachdenklichen Präsidentenfilm "La Grazia" von Oscar-Preisträger Paolo Sorrentino ("La Grande Bellezza - Die große Schönheit") war es im Frühjahr zum Beispiel so, dass der Film mit Toni Servillo am 19. März in den deutschen Kinos startete und schon am 8. Mai zum Streamen verfügbar wurde.

Alternativ zum Kinostart kann ein Film bei Mubi übrigens auch ausschließlich als Stream erscheinen. Jede Veröffentlichung werde "sorgfältig und durchdacht geplant", heißt es von der für Mubi zuständigen Kommunikationsagentur.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

Weitere aktuelle News im Ressort "TV":

/roj/news.de

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.