TV: Hollywood-Regisseur mischt Schweizer "Tatort" auf
Drei Pizzen, eine Leiche und eine Fahrradkurierin ohne Papiere: Was geschah in der Penthouse-Nacht? Der neue Zürich-"Tatort" bringt Hollywood-Spannung ins Fernsehen.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Eigentlich will die Fahrradkurierin Moya in Zürich nur ein paar bestellte Pizzas ausliefern. In der Penthouse-Wohnung scheint eine Party in Gang zu sein, sie übergibt die Bestellung schnell und geht. Der jungen Frau sind Angst und Misstrauen ins Gesicht geschrieben. Kein Wunder, sie ist aus Äthiopien in die Schweiz geflohen, hat keine Aufenthaltsgenehmigung und arbeitet illegal unter dem Namen einer Freundin.
Im Schweizer "Tatort: Könige der Nacht" geht es am Sonntag (3.5.) um 20.15 Uhr um Ausbeutung, Unmenschlichkeit und Migration. Es ist der letzte Sonntagskrimi vor der Sommerpause, die bis September dauern wird. Das Ermittlerinnenduo Tessa Ott (Carol Schuler) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) tritt zum 11. Mal an.
Als die Fahrradkurierin beim Hinausgehen aus dem Gebäude Wachleute sieht, versteckt sie sich hinter einer Tür. "Nicht auffallen", hat die Freundin ihr eingeschärft. Die Tür fällt zu, auf der Suche nach einem Ausgang sieht sie plötzlich zwei Personen, die offenbar eine Leiche in einem Sack entsorgen. Sie flieht, entkommt nur knapp, verliert den Ausweis ihrer Freundin und geht verstört nach Hause. Zur Polizei zu gehen, das ist für sie keine Option.
Toter Sexarbeiter
Die Leiche wird am nächsten Tag im Wasser gefunden. Es ist der junge Mann, dem Moya die Pizza übergeben hatte. Es handelt sich um den drogenabhängigen Sexarbeiter Ruven. Als Ott und Grandjean sich in seiner Wohnung umsehen, überraschen sie dort zwei entlassene Häftlinge, die nach einer Kamera suchen. Wollten die drei einen von Ruvens Kunden, einen Richter, erpressen, genau den Richter, der einen von ihnen einmal verknackt hatte?
Die verzweifelte Geflüchtete
Wenig später wird die Freundin der Fahrradkurierin in einen Hinterhalt gelockt und tot gefahren. Ott und Grandjean ermitteln nun in einem zweiten Mordfall. Sie stellen bald einen Zusammenhang zwischen den Fällen her und spüren Moya auf. Sie wird brillant gespielt von Nambitha Ben-Mazwi, die mit einem Blick tausend Emotionen transportieren kann.
Wie verlässlich ist sie aber als Zeugin? Als sie in einer Gegenüberstellung aus einer Reihe von Leuten die identifizieren soll, die sie in der Nacht gesehen hat, pickt sie ausgerechnet Justus Reynier (Basil Eidenbenz) heraus, der gerade als IT-Spezialist im Polizeipräsidium angefangen hat und am Fall mitarbeitet.
Grandjean und Ott sind inzwischen dem Penthouse-Besitzer auf der Spur. Was ging in der Mordnacht in seiner Wohnung ab?
Der Thriller-Regisseur
Der Fall wird sehr bizarr, und das spielt dem Schweizer Hollywood-Regisseur und Produzenten Claudio Fäh bei seinem "Tatort"-Debüt in die Hände. Er ist vor allem für Action- und Katastrophenfilme bekannt, etwa "Sniper: Homeland Security". Auch hier hat er die Chance, in die Thriller-Trickkiste zu packen: Er arbeitet mit einem langen Messer, viel Blut und einem irren Manipulator.
Beklemmend, wie er für Zuschauerinnen und Zuschauer Todesangst inszeniert: Sekundenlang sieht man am Bildschirm nur schemenhaft eine Plastiktüte, ganz so, als würde sie dem Zuschauer - wie einem Mordopfer - aufs Gesicht gedrückt. Der Sound tut sein Übriges.
Die Gewissenskonflikte der Kommissarinnen
Da bleibt nicht so viel Platz für das Spannungsverhältnis zwischen den Kommissarinnen, die eine aus gehobenem Hause, die andere aus schwierigen Verhältnissen. Das ist schon oft Konfliktstoff gewesen, bleibt aber diesmal im Hintergrund.
Dafür geraten die beiden nun gemeinsam in Gewissenskonflikte, als klar wird, dass Staatsanwältin Anita Wegenast (Rachel Braunschweig) darauf besteht, die Geflüchtete Moya, der sie Schutz zugesagt hatten, in ein Abschiebezentrum zu bringen. Schauspielerin Carol Schuler sagt über ihre Figur, die Ermittlerin Tessa Ott: "Sie versucht, auch als Polizistin stets Mensch zu bleiben."
Aber ihre Menschlichkeit wird hier auf die Probe gestellt. Einerseits das Gesetz, wonach Menschen, die sich illegal in der Schweiz aufhalten, abgeschoben werden, andererseits Moya, deren Konfliktsituation sie nachvollziehen können. Die Gesetzeshüterinnen lösen dieses Dilemma auf unkonventionelle Weise.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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