TV-News: Von Leverkusen nach LA: Uta Briesewitz mit Spielfilmdebüt
In Hollywood hat die gebürtige Leverkusenerin längst als Kamerafrau und Regisseurin gehypter Serien Erfolg. Jetzt bringt Uta Briesewitz ihren ersten Spielfilm ins Kino und packt brisanten Stoff an.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Als Content-Moderatorin hat Daisy den Job, verstörende Inhalte aus Online-Plattformen zu räumen. "Gottverdammt" flucht die Mittzwanzigerin in einer Szene des Dramas "American Sweatshop", als sie im Tech-Büro auf den Computerbildschirm starrt - "eine Enthauptung gleich beim ersten Ticket". Mit einem Mausklick löscht sie das Video.
US-Schauspielerin Lili Reinhart (29, "Riverdale", "Hustlers") brilliert in der Rolle der sogenannten Cleanerin, die in dem brutalen Arbeitsalltag immer mehr abstumpft. Doch ein besonders schockierendes Video rüttelt sie auf. Als sie bei ihrer Chefin (Christiane Paul) und der Polizei abblitzt, macht sie sich selbst auf die Suche nach den Tätern.
Schwerer Stoff für ersten Spielfilm
"American Sweatshop" ist das Spielfilm-Regiedebüt von Uta Briesewitz, in Leverkusen geboren, lange in Los Angeles wohnhaft und als Kamerafrau und Regisseurin von Serien (u.a. "Severance" oder "Stranger Things") erfolgreich. Für ihren ersten Spielfilm hat sie sich keinen leichten Stoff ausgesucht.
"Ich wusste nichts von diesem Beruf und war schlagartig davon fasziniert und auch sehr bedrückt und sehr bewegt", erzählt Briesewitz der Deutschen Presse-Agentur. "Ich bin Kamerafrau und Regisseurin und ich arbeite mit Bildern. Und mir dann vorzustellen, an diesen Arbeitsplätzen müssen sich Leute stundenlang das Schlimmste angucken, was das Internet und was die Menschheit zu bieten hat". Viele würden dadurch depressiv oder sogar selbstmordgefährdet werden.
Thriller und Psychodrama
Der Film ist eine gelungene Mischung aus Thriller und Psychodrama. Sie habe kein Interesse daran gehabt, Daisy "als blutrünstige Vigilantin, die sich eine Waffe kauft und à la Hollywood auf einmal alle abknallt" darzustellen, erzählt die Regisseurin. "Ich wollte es realistisch halten, dass man sich damit besser identifizieren kann."
Höhenflug in Hollywood
Briesewitz hat ihr Handwerk in Deutschland und Hollywood von der Pike auf gelernt. Erst ein Praktikum als Kamerafrau bei einer Kölner TV-Produktionsfirma, nach dem Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin dann in den 90er Jahren der Umzug nach Kalifornien - ins Kamerafach am renommierten American Film Institute in Los Angeles.
US-Regisseur Brad Anderson ("Der Maschinist") heuert die Deutsche für seinen Horrorfilm "Session 9" (2001) an. Wenig später erhält sie den Zuschlag für die gefeierte HBO-Krimiserie "The Wire". Das sei "ein Himmelsgeschenk" für ihre Karriere gewesen, aber auch harte Arbeit mit langen Drehtagen. "Meine rechte Schulter ist wirklich leicht verformt von dieser Kameraarbeit, sie hat immer noch eine Delle", erzählt Briesewitz. Sie habe sich aber nicht beschwert. "Wir Frauen mussten viel härter mit uns selbst sein, viel disziplinierter, denn sonst würden wir gesagt bekommen, seht ihr, ihr seid nicht dafür gebaut oder ihr könnt es nicht".
Regie bei Hit-Serien
Längst beweist sich Briesewitz auch als Regisseurin. Ihr TV-Debüt gab die zweifache Mutter 2010 mit der Comedy-Serie "Hung – Um Längen besser". Sohn Aidan (18) und Tochter Effi (17) waren damals Kleinkinder. Ihr amerikanischer Ehemann, ein Drehbuchautor, habe als "hingebungsvoller Vater" zugepackt. Seitdem inszenierte sie Folgen für Hit-Serien wie "Orange Is the New Black", "Westworld", "Severance" oder "Stranger Things". Derzeit ist sie bei der zweiten Staffel der Thriller-Serie "Aus Mangel an Beweisen" und bei der Krankenhausserie "The Pitt" im Einsatz.
Mit Blick auf ihren Werdegang denke sie manchmal - "du bist mit 27 alleine nach LA gegangen, bist du denn verrückt?", sagt sie mit einem Augenzwinkern. Jetzt würde sie als Regisseurin mit ihrem Golfcart über das Gelände von Warner Brothers fahren und sich daran erinnern, wie sie damals als Touristin eine Studio-Tour machte. "Ich muss mich immer noch kneifen, dass ich nun hier arbeite und Teil dieser Traumfabrik bin."
Dreharbeiten in der Heimat
Für ihr Spielfilmdebüt "American Sweatshop" kehrte die Regisseurin allerdings in ihre Heimat zurück. Der in Florida spielende Film wurde komplett in Deutschland gedreht, mit Hilfe der Kölner Produzentin Anita Elsani, deutscher Filmförderung und Talenten wie die Berliner Schauspielerin Christiane Paul und Kameramann Jörg Widmer ("Ein verborgenes Leben").
Eine Eingangshalle bei den Kölner MMC-Studios wurde zu dem Tech-Büro, in dem Daisy und die anderen Content-Cleaner arbeiten. Künstliche Palmen und ein Plastik-Alligator in einem Teich schufen eine überzeugend echte Florida-Kulisse. Den Alligator "als perfekte Metapher" für die Gefahren der digitalen Schattenwelt, die direkt vor einem liegen, wollte Briesewitz unbedingt im Skript einbauen.
Der Titel "American Sweatshop" spielt auf Ausbeuterbetriebe an - "die man sich irgendwo weit weg vorstellt, in Thailand oder Indien, dunkel, muffig und mit unmöglichen Arbeitsbedingungen", meint die Filmemacherin. In den USA würden diese Arbeitsplätze dagegen häufig wie eine "hippe Start-up-Company" erscheinen, in denen die meist jungen Content-Moderatoren schlimme Dinge zu sehen bekommen.
Keine echten Gewalt-Videos
Dem Kinopublikum erspart Briesewitz echte Gewaltszenen. "Das wäre vollkommen verantwortungslos gewesen, hätten wir wirklich echte Snuff-Filme oder Ähnliches auf die große Leinwand getan und die Zuschauer mit Bildern traumatisiert, die sie dann nicht mehr aus dem Kopf bekommen", sagt die Regisseurin.
Stattdessen richtet sie die Kamera weg vom Monitor auf die Menschen, die hingucken müssen. In den Augen von Daisy spiegeln sich verstörende Bilder, Entsetzen steht in den Gesichtern. Das reicht für fesselnde Thrillereffekte völlig aus, auch wenn die Videoschnipsel im Film "vollkommen harmlos" sind, wie Briesewitz versichert. Ein blutender Finger stamme etwa von einem Halloween-Kostüm-Video ihrer Tochter.
Pläne für eine Komödie
Es gibt schon ein Drehbuch für das nächste Spielfilmprojekt - "witzigerweise ist es eine Komödie um Polyamorie", erzählt Briesewitz. Doch noch müsse sie die Finanzierung und das Casting stemmen. "Wenn mich jemand fragen würde, worauf ich in meiner Karriere am meisten stolz bin, dann würde ich ganz ehrlich sagen, dass ich es geschafft habe, mich als Regisseurin durchzusetzen, während einer Zeit, wo es nicht populär war, Frauen anzuheuern."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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