Hamburger SV News: Zwischen "beschissen" und befreit: HSV-Spektakel bei Hoffenheim

Der Hamburger SV erlebt nach der langen Länderspielpause ein nervenaufreibendes Spiel in Sinsheim. Matchwinner ist Miro Muheim, bei Nicolai Remberg bestätigt sich ein bitterer Verdacht.

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Aktuelle News über den Hamburger SV lesen Sie auf news.de. Bild: picture alliance/dpa | Tim Rehbein

Nicolai Remberg klopfte ein paar Mitspielern des Hamburger SV mit leicht gequältem Lächeln auf die Schulter oder umarmte sie - so gut es an Krücken und auf einem Bein eben ging. Inmitten des Jubels um den 3:2-Last-Minute-Sieg bei der TSG Hoffenheim wog der Ausfall des Kapitäns schwer. "Es sieht absolut beschissen aus, es besteht definitiv der Verdacht auf eine Kreuzbandverletzung", sagte Merlin Polzin nach dem Abpfiff. Der Trainer sollte recht behalten.

Remberg hat sich einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie zugezogen, teilte der HSV nach eingehenden Untersuchungen tags darauf mit. Er müsse operiert werden und werde der Mannschaft mehrere Monate fehlen.

Mit "Rambo" eine Säule verloren

Der wohl langfristige Ausfall des Ex-Kielers trübte den Erfolg der Hanseaten - der 26-Jährige war zuvor in seine Profikarriere noch nie verletzt. Bei einem Zweikampf mit Bambasé Conté verdrehte sich der Spielführer leicht das Knie, rappelte sich später noch einmal auf - doch es ging nicht mehr weiter. "Mit Rambo haben wir eine Säule verloren", klagte Matchwinner Miro Muheim. Torwart Daniel Heuer Fernandes berichtete später aus der Kabine: "Er hat eben ein paar Worte an uns gerichtet, hat gesagt, dass er stolz ist, wie wir reagiert haben."

Kurz zuvor hatte Muheim mit dem Siegtreffer und seinem ersten Bundesliga-Tor in der vierten Minute der Nachspielzeit Jubelstürme bei den rund 10.000 Gästefans ausgelöst. Auch die Profis und Betreuer von der Bank rasten fast alle in Richtung des Schweizers.

"Es ist unglaublich emotional"

"Es war schon sehr, sehr viel dabei, was das HSV-Herz heute beschäftigt hat", sagte Polzin später im Sky-Interview. Am Ende eines nervenaufreibenden Spiels stand jedenfalls der zweite Saisonsieg für Hamburg und der erste auf fremdem Platz. Der eingewechselte Muheim konnte sein Glück kaum fassen: "Es ist unglaublich emotional, vor den mitgereisten Fans ein Spiel in der letzten Minute so zu gewinnen. Das war besonders und hat sehr viel Spaß gemacht."

Auch die beiden anderen Torschützen Yussuf Poulsen (11.) und Terem Moffi (83.) strahlten übers ganze Gesicht. "Man hatte das ganze Spiel über das Gefühl, dass heute etwas in der Luft liegt", sagte Schlussmann Heuer Fernandes. "Das sollte uns Rückenwind für die nächsten Partien geben."

Videobeweis und weitere Aufreger

Vor 25.929 Zuschauern in Sinsheim steckte der HSV die Szene, als Remberg mit bandagiertem Knie noch vor der Pause vom Platz geführt werden musste, weg, das Eigentor von Abwehrchef Sebastiaan Bornauw (45.+6) und das Gegentor zum 1:2 durch Hoffenheims Jung-Nationalspieler Conté (53.). Dazu kamen die Gelb-Rote Karte für TSG-Verteidiger Bernardo und die nach Videobeweis aberkannten Treffer von Otto Stange für den HSV und Conté.

Ein Spektakel jedenfalls, das Polzin so kommentierte: "Wenn man mich fragt, was den Fußball ausmacht, dann sind diese 95, 96 Minuten ein perfektes Beispiel dafür, was die Menschen und auch mich begeistert."

Ilzer "kein Schönwettertrainer"

Derweil versuchten die Hoffenheimer, die nach vier Niederlagen in fünf Spielen auf einen direkten Abstiegsplatz gerutscht sind, ihr Dilemma in Worte zu fassen. Krise? "Krise ist immer ein großes Wort", sagte Trainer Christian Ilzer. "Ich bin da nicht so ein Etikettendenker."

Inmitten der Bundesliga-Misere ist die TSG nun am Donnerstag in der Europa League gegen Besiktas Istanbul gefordert. Dabei hatte man schon den ersten internationalen Auftritt (0:2 bei OFI Kreta) verhauen. Zu viele Profis, die in der starken vergangenen Saison noch glänzten, sind mit sich selbst beschäftigt und auf Formsuche: Andrej Kramaric, der wieder nicht in der Startelf stand, Leon Avdullahu, Wouter Burger, Ozan Kabak und Vladimir Coufal zum Beispiel.

Doch Ilzer wäre nicht Ilzer, wenn ihm die geschmeidigen Worte ausgehen würden. "Ich bin jetzt kein Schönwettertrainer. Ich habe großen Bock, die Mannschaft in dieser etwas schwierigen Phase zu führen", sagte der Österreicher.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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