Fußball-WM: Advocaat: "Deutschland noch immer ein großes Fußballland"

Deutschland trifft zum WM-Auftakt auf Fußballzwerg Curaçao. Beim ersten Gegner sitzt ein Trainer-Veteran auf der Bank, der auch schon in der Bundesliga tätig war.

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Der Spielball für die Fußball-WM 2026 ("adidas Trionda"). (Foto) Suche
Der Spielball für die Fußball-WM 2026 ("adidas Trionda"). Bild: picture alliance/dpa/KEYSTONE | Claudio Thoma

Dick Advocaat war schon zweimal bei einer Fußball-WM dabei. Doch die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko ist auch für den Trainer-Oldie eine besondere. Schließlich ist der 78-Jährige mit Curaçao klarer Außenseiter. Auch und besonders im ersten Spiel gegen Deutschland.

Frage: Herr Advocaat, Sie haben das kleine Curaçao erstmals zur WM geführt. Was ist das Geheimnis des Erfolges?

Antwort: Ganz klar der Teamspirit. Der ist überragend. Wir haben seitdem ich hier bin einen ganz schön großen Weg zurückgelegt. Als ich angefangen habe, wollte die Hälfte der Mannschaft gar nicht spielen. Da dachten viele noch, dass sie in die niederländische Nationalmannschaft kommen würden. Unsere Möglichkeiten sind sehr beschränkt. Das macht es so besonders, dass wir bei der WM dabei sind.

Frage: Mit welchem Ziel fahren Sie in die USA?

Antwort: Wir wollen es jedem Gegner so schwer wie möglich machen. Und wir sind sicherlich nicht chancenlos. Es steckt sehr viel Ehrgeiz in dem Team. Und wenn du den hast, kannst du auch einiges erreichen. Natürlich gibt es große Unterschiede zu den Gegnern, was die Qualität angeht. Aber wir wollen uns so teuer wie möglich verkaufen. Jeder kann überraschen. Warum nicht Curacao? Und eine Überraschung kann schon reichen, um weiterzukommen.

Frage: Sie sprechen es an: Der Modus ermöglicht es auch vielen Gruppendritten, in die erste K.o.-Runde zu kommen. Ist das auch für Curacao realistisch?

"Ich habe noch immer großen Respekt vor Deutschland"

Antwort: Du musst auf jeden Fall daran glauben, dass du es schaffen kannst. Wenn du dreimal Remis spielst, kann das schon reichen. Aber natürlich haben wir es mit drei Top-Gegnern zu tun. Dass es gleich zu Beginn gegen Deutschland geht, ist doch fantastisch.

Frage: Ist das wirklich gut, dass es ihr Team gleich mit Deutschland zu tun bekommt?

Antwort: Ja, warum nicht? Da wissen wir gleich, wo wir stehen. Du musst ohnehin gegen sie spielen und da kannst du besser gleich am Anfang gegen sie spielen.

Frage: Wie schätzen Sie die deutsche Mannschaft ein?

Antwort: Deutschland ist natürlich klarer Favorit in der Gruppe. Sie sind noch immer ein großes Fußballland. Ich habe noch immer großen Respekt vor Deutschland. Die Bundesliga ist eine tolle Liga mit tollen Stadien.

"Ich bekomme noch heute eine Weihnachtskarte von der Borussia"

Frage: Sie haben in der Vergangenheit ja eine Weile in der Bundesliga bei Borussia Mönchengladbach gearbeitet. Welche Erinnerungen haben Sie noch an die Zeit?

Antwort: Zu der Zeit war in Gladbach gerade das neue Stadion fertig geworden. Das bedeutete, dass das ganze Geld in diesem Stadion steckte. Ich habe den Verantwortlichen gesagt, dass wir investieren müssen und dass ich nicht der Mann bin, der dauerhaft nur gegen den Abstieg spielt. Horst Köppel hat mich dann damals abgelöst, ein ganz toller Kerl. Ich bekomme noch heute eine Weihnachtskarte von der Borussia. Auch wenn es eine kurze Zeit war, war es ein tolles Erlebnis.

Frage: Kommen wir noch einmal zurück zur deutschen Mannschaft. Manuel Neuer steht wieder im Tor. Kam das für Sie auch überraschend?

Antwort: Manuel Neuer ist ein großartiger Sportler. Auch mit 40 Jahren sieht er noch fantastisch aus. Für einen Torwart spielt das Alter nicht so eine große Rolle. Er hat auch schon einiges mitgemacht, hatte schon einige Verletzungen. Aber er ist immer noch ein Weltklasse-Torwart, das hat er zuletzt in der Champions League gegen Real Madrid wieder bewiesen.

Neuer? "Kann total verstehen, dass er ihn zurückgeholt hat"

Frage: Können Sie verstehen, dass es in Deutschland trotzdem Diskussionen um Neuers Rückkehr gegeben hat?

Antwort: Nein. Julian Nagelsmann kennt Manuel Neuer ja aus seiner Bayern-Zeit, zudem hat er auch gesehen, welche Leistungen er immer noch bringt. Ich kann total verstehen, dass er ihn zurückgeholt hat.

Frage: Sie persönlich haben keine einfache Zeit hinter sich. Wegen der Krankheit ihrer Tochter konnten Sie beim entscheidenden Spiel gegen Jamaika nicht dabei sein. Wie schwer war es, den Riesenerfolg ihrer Mannschaft nur vor dem Computer in den Niederlanden zu verfolgen?

Antwort: Das war verdammt schwer. Es war das größte Spiel in der Fußball-Geschichte von Curaçao. Aber die Familie geht vor. Und die Jungs wussten ja, was ich von ihnen will. Wir hatten kurz zuvor ja noch gegen Bermuda gespielt.

Frage: Nach der Qualifikation sind Sie erst zurückgetreten, ihr Landsmann Fred Rutten hat übernommen. Jetzt sind Sie wieder da. Wie haben Sie die letzten Wochen erlebt?

Antwort: Es gab viele Gerüchte und Spekulationen. Ich kann die Kritik nicht verstehen. Richtig ist, dass der Verband mich gefragt hat, ob ich zurückkommen will. Ich habe nicht den Verband gefragt. Wie es mit Fred Rutten genau gelaufen ist, kann ich nicht sagen. Aber wenn dann die Entscheidung gefallen ist und sie mich fragen, ob ich wieder übernehmen will - warum soll ich dann nein sagen?

Frage: Hatten sie denn noch einmal Kontakt mit Fred Rutten?

Antwort: Nach der Entscheidung? Nein, nicht mehr. Wir hatten Kontakt, als wir die Übergabe gemacht haben. Aber jetzt nicht mehr.

WM 1994: "Es war schrecklich"

Frage: 1994 war die WM schon einmal in den USA, sie waren damals als Bondscoach der Niederlande dabei. Auch damals waren die Hitze und die langen Reisen ein Thema. Ist eine WM in den USA eine der schwersten überhaupt?

Antwort: Vom Wetter her auf jeden Fall. Ich kann mich noch an die WM 1994 erinnern, damals haben wir um 12.00 Uhr Ortszeit in Orlando gespielt. Es war schrecklich. Einer unserer Spieler musste zur Pause runter und erst einmal unter eine Sauerstoffmaske.

Frage: Kann die Hitze denn ein Vorteil für Curaçao sein?

Antwort: Nein, weil alle unsere Spieler in Europa und nicht in Curaçao spielen. Von daher sind sie die Hitze auch nicht gewohnt.

Frage: Sie sind mit 78 Jahren der älteste Trainer der WM. Bedeutet Ihnen das etwas?

Antwort: Nein, das macht nichts mit mir. Man ist so alt, wie man sich fühlt. Und ich fühle mich gut. Ich habe Glück mit meiner Gesundheit und wenn man noch Spaß hat, dann ist das keine große Sache. Ich laufe nicht durch die Gegend und sage jedem, dass ich 78 bin.

Frage: Letzte Frage: Wer wird Weltmeister, wenn nicht Curaçao?

Antwort: Spanien, Frankreich, Deutschland und die Niederlande sind meine Favoriten.

Frage: Müssen Sie die Niederlande als ehemaliger Bondscoach nennen?

Antwort: Nein, weil ich ja keinen Druck aufbauen will. Aber wenn sie fit sind, haben sie immer noch eine sehr gute Mannschaft. So wie Deutschland.

Zur Person: Dick Advocaat (78) ist ein Fußball-Weltenbummler. Auch in Deutschland war der Niederländer schon einmal tätig. Die WM in den USA, Kanada und Mexiko ist bereits seine dritte als Nationaltrainer. 1994 war er mit seinem Heimatland dabei, 2006 trainierte er Südkorea. Nun ist er mit dem großen Außenseiter Curaçao dabei.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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