Fußball-WM: Klimakiller WM? Warum das Fußballturnier so schmutzig wird
Mehr Teams, mehr Flüge, Sponsoren aus der Ölbranche: Warum Forscher und Umweltverbände die FIFA scharf kritisieren – und was Fans in Mexiko, Kanada und den USA erwartet.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Die Fußball-WM rückt näher - und sie soll gigantisch werden. Nicht nur, weil sie in drei Ländern und mit der größten Teilnehmerzahl in der bisherigen WM-Geschichte ausgetragen wird. Laut einer britischen Studie wird es auch die bisher umweltschädlichste Fußball-Weltmeisterschaft. Und das, obwohl - anders als bei der viel kritisierten WM in Katar - kein einziges Stadion neu gebaut werden muss.
Ein Überblick über diese WM und ihre Klimabilanz:
Wie viel CO2 verursacht diese WM?
Neun Millionen Tonnen CO2 sollen laut Berechnungen der Organisation Scientists for Global Responsibility (SGR) durch die Austragung freigesetzt werden. Zum Vergleich: Bei der WM in Katar wurden laut einem FIFA-Bericht etwa 3,8 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen.
Was erklärt diesen krassen Anstieg?
David Gogishvili forscht an der Universität von Lausanne zu den ökologischen Auswirkungen von Mega-Events - darunter auch Sportveranstaltungen. Er führt die prognostizierten Emissionen vor allem auf drei Faktoren zurück: den Reiseverkehr per Flugzeug, das Wachstum der Spiele und ihre geografische Ausdehnung. Er sagt: "Es besteht ein direkter, messbarer Zusammenhang zwischen der steigenden Anzahl von Spielen und dem Anstieg der Treibhausgasemissionen."
Bisher waren 32 Mannschaften in 64 Spielen gegeneinander angetreten, nun hat die FIFA aufgestockt und lässt 48 Mannschaften in 104 Spielen kicken. Mehr Mannschaften bedeuten mehr Spieler und mehr Fans, die – hauptsächlich mit dem Flugzeug – zwischen den Austragungsländern Mexiko, Kanada und den USA hin und her reisen.
Welche Umweltrisiken gibt es noch?
Die FIFA vernachlässigt bei dieser WM laut der SGR-Studie noch weitere Umweltrisiken. Stadien wie das AT&T Stadium in Dallas gehören schon heute zu den energieintensivsten Sportanlagen der Welt, die bei Spielen in der Hitze aufwendig heruntergekühlt werden müssen. Bei anderen Stadien wiederum könnte sich durch die Besucherströme die Waldbrandgefahr erhöhen - etwa in Kalifornien. Die Weltmeisterschaft finde außerdem zur Hurrikansaison in den USA statt.
Claire Poole von der Organisation Sport Positive, die mehr Nachhaltigkeit in den Sport bringen möchte, ergänzt noch: "Das Turnier findet zu einer Zeit statt, in der Mexiko unter anhaltenden, chronischen Wasserengpässen leidet." Bereits jetzt würden Anwohner in der Umgebung des Stadions in Mexiko Stadt von zunehmenden Wasserausfällen berichten, erklärte Poole. Der WM-Besucherzustrom könne das noch verschärfen.
Was ist mit der FIFA-Klimastrategie?
"Die FIFA ist sich bewusst, dass die Auswirkungen auf das Klima ernst genommen werden müssen und begrüßt eine fundierte Überprüfung", erklärt die FIFA in einer Stellungnahme. Die WM werde in Orten "mit bestehender Stadioninfrastruktur ausgetragen, wodurch der Bedarf an Neubauten und die damit verbundenen Emissionen erheblich reduziert werden. Generell hat sich die FIFA dazu verpflichtet, Nachhaltigkeit in die Ausrichtung des Turniers zu integrieren." Der Fußballverband hat sich mit seiner eigenen Klimastrategie dazu verpflichtet, CO2-Emissionen zu reduzieren und sie bis 2040 auf netto null zu senken.
Wissenschaftler Gogishvili meint, dass die FIFA und ihre Klimaziele nicht mehr ernst genommen werden können. "Es besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen den von der FIFA selbst gemeldeten Zahlen und unabhängigen wissenschaftlichen Bewertungen", sagte er. Zur WM 2022 in Katar hatte die FIFA sogar behauptet, diese sei klimaneutral. Eine Falschbehauptung, wegen der sie von der Schweizer Lauterkeitskommission wegen irreführender Werbung verurteilt wurde. Seit diesem Urteil halte sich die FIFA nach Gogishvilis Eindruck eher zurück und positioniere sich öffentlich einfach kaum noch zum Thema Umwelt.
Betreibt FIFA bei dieser WM Greenwashing?
Weder Gogishvili noch Poole denken, dass die FIFA bei dieser WM gezielt Greenwashing betreibe. Unternehmen oder Verbände betreiben laut der Deutschen Umwelthilfe Greenwashing, wenn sie sich oder ihre Vorhaben als umweltfreundlich darstellen, ohne dies belegen zu können - oft würden dabei auch Dinge verschwiegen oder falsch dargestellt.
Gogishvili gibt aber zu bedenken: "Eine Partnerschaft mit großen Produzenten fossiler Brennstoffe wie Aramco ist nachweislich unvereinbar mit einem 1,5-Grad-Klimapfad. Die Nutzung einer globalen Sportplattform zur Imagepflege stark umweltbelastender Industrien stellt institutionelles Greenwashing dar." Laut der SGR-Studie könnte alleine das Sponsoring von Aramco, dem staatliche Ölunternehmen Saudi-Arabiens, rund 30 Millionen Tonnen CO2 induzieren.
Wie werden so große Sportereignisse klimafreundlicher?
Wenn Sportveranstaltungen nachhaltiger seien sollen, müssen sich laut Gogishvili folgende Punkte ändern: Die Austragungsländer sollten eine entsprechende Infrastruktur haben und auf nachhaltige Verkehrsmittel zurückgreifen können. Die Stadien sollten bereits bestehen und man sollte versuchen, den Umfang solcher Mega-Sportveranstaltungen zu reduzieren. Poole würde es außerdem gutheißen, wenn der "Ticketvergabe an lokale Fans Vorrang eingeräumt wird, um Emissionen durch Langstrecken- oder internationale Flüge zu reduzieren."
Was tut die FIFA?
Der Weltverband betreibe laut Gogishvili hauptsächlich Emissionsreduzierung, indem sie in Projekte zum CO2-Ausgleich investiere. Den CO2-Ausstoß der Weltmeisterschaften gebe es somit trotzdem. Die FIFA erklärte etwa zu dieser WM, sie investiere in Projekte, die für die Umwelt und zur Aufforstung in ganz Nordamerika eine Million Bäume pflanzen sollen.
Gogishvili glaubt nicht, dass sich die FIFA in Zukunft einschränken wird. Zur WM 2030 gibt es schon Überlegungen, ob sie mit 64 teilnehmenden Mannschaften ausgetragen werden soll – dass sie auf drei Kontinenten stattfindet, steht bereits fest. Mit ihrem aktuellen Kurs betrachte die FIFA "den Sport als Mittel zum kontinuierlichen finanziellen Zugewinn", meint Gogishvili zu dieser Entwicklung.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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