Vreden: Von Flamingo bis Seeadler - Wo kann ich seltene Vögel sehen?
Viele Menschen suchen ein Naturerlebnis. Biologische Stationen bieten in ihren Schutzgebieten nicht nur Routen und Beobachtungshütten.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Zwillbrocker Venn statt Everglades: Wer wilde Flamingos mit ihren rosafarbenen Federn in der freien Natur beobachten will, muss nicht bis nach Florida fliegen. Ein Ausflug in das westliche Münsterland reicht. Auch in anderen Regionen von Nordrhein-Westfalen können seltene Wildvögel in Augenschein genommen werden. Dabei gilt es allerdings einiges zu beachten.
ZWILLBROCKER VENN bei Vreden
Dutzende Flamingos brüten neben Tausenden Lachmöwen auf einer Insel. Die exotisch anmutenden Tiere halten den Kopf meist unter die Oberflache, wenn sie im Wasser stehen. Mit ihren Schnäbeln filtern sie Kleinlebewesen heraus.
Gleich drei Flamingo-Arten sind zur Balz- und Brutzeit anzutreffen. Den Herbst und Winter verbringen sie in der Regel im Rheindelta in den Niederlanden, wie der Vize-Geschäftsführer der Biologischen Station, Nikolai Eversmann, erklärt.
Erst seit 1983 brüten Flamingos regelmäßig im Zwillbrocker Venn. "Also wo sie letzten Endes herkommen, ist ein Stück weit unbekannt.", sagt Eversmann. Man gehe davon aus, dass sie aus Vogelparks oder Privathaltungen entwischt sind.
Erik Ottema, der mit seiner Kamera auch gerade in der Beobachtungshütte steht, glaubt nicht an diese Theorie. Der Flamingo-Spotter beobachtet seit 2017 intensiv die Tiere und führt Tagebuch über das Geschehen. Er glaubt vielmehr an die Fähigkeiten der Flamingos, große Distanzen überwinden zu können.
BISLICHER INSEL bei Xanten
Die Seeadler sind hier der Star. Die Greifvögel mit einer Spannweite von bis zu 2,5 Metern leben ganzjährig auf der früheren Insel. Die Chancen, sie zu sehen, sind aktuell relativ gut. Zwei Jungtiere bräuchten richtig viel Futter, die Eltern hätten damit mächtig zu tun, schildert die Leiterin des RVR-Naturforums Bislicher Insel, Ilka Weidig. Der Nachwuchs drehe schon erste Flugrunden.
Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis die Jungtiere das Nest verlassen. Sie kämen dann aber zum Schlafen zurück. "Man kann den Horst nicht übersehen", meint Weidig. Er befinde sich auf einer toten Pappel ohne Laub. Sie verweist auch auf die Löfflerkolonie. Die Vögel mit ihrem weißen Gefieder sind nicht ganz so groß wie Graureiher. Der lange Schnabel hat ein löffelartige Verbreiterung.
KRIEKENBECKER SEEN bei Nettetal
Der Seidensänger "begrüßt" zuweilen die Gäste bereits bei ihrer Ankunft mit seinem lauten Gesang. Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet ist das erste Männchen vermutlich aus Richtung Westen kommend hier im Jahr 2022 angekommen, wie der Leiter der Biologischen Station, Manuel Püttmanns, erklärt. Der Teichrohrsänger ist ein weiterer kleiner Singvogel, der hier lebt.
Zu den zahlreichen Wasservögeln gehört der Haubentaucher mit seiner schwarzen aufstellbaren Federhaube am Kopf und seinem rot-schwarzen Backenbart. Er baut Schwimmnester und beginnt erst relativ spät im Mai und Juni zu brüten, wenn der Seerosengürtel auf den Seen groß geworden ist, wie Biologin Stefani Pleines in einem Film der Biologischen Station erzählt.
WEITERE BEISPIELE IN NRW
Die Rieselfelder Münster, der Versmolder Bruch (Kreis Gütersloh), die Rietberger Emsniederung (Kreis Güstersloh), das Enger Bruch (Kreis Herford), das Naturschutzgebiet Hetter-Millinger Bruch (Kreis Kleve), das Große Torfmoor (Kreis Minden-Lübbecke) und die Dreiborner Hochfläche (Kreis Euskirchen) sind weitere Gebiete, die für ihre Vogelvielfalt bekannt sind.
TIPPS VON BESUCHERN FÜR BESUCHER
"Das Fernglas nicht vergessen!", lautet der Tipp eines Paares am Zwillbrocker Venn. Die Flamingos sind meist mehrere Hundert Meter entfernt. Getränke und Proviant mitnehmen, lautet eine andere Empfehlung.
TIPPS DER PROFIS
"Morgens ist eigentlich immer das beste Zeitfenster und dann ist es natürlich auch nicht so voll", sagt Eversmann. Weidig ergänzt: Mittags und am frühen Nachmittag passiere nicht so viel bei den Vögeln. "In der großen Sommerhitze sitzen die auch nur im Schatten und halten ihren Schnabel", verdeutlicht sie.
Geduld mitbringen. Beobachtungshütten böten eine gute Aussicht und auch Infos. "Dann gelingt es einem schon mit ein bisschen Geduld, ganz tolle Beobachtungen zu machen", sagt Nabu-Vogelexperte Christian Chwallek. Apps und digitale Bestimmungsbücher könnten bei der Vogelbeobachtung helfen.
Führungen buchen. "Da sieht man viel mehr", sagt Klaus Nottmeyer, Vorstand der Biologischen Station Ravensberg im Kreis Herford. Häufig sei ein Spektiv auf solchen Touren im Einsatz. So könnten die Vögel in ihrer ganzen Schönheit betrachtet werden. Außerdem gebe es bei den Touren Erläuterungen, was das Besondere gerade ist. "Da erleben die Menschen viele Aha-Momente."
WAS IST ZU BEACHTEN?
Auf ausgewiesenen Wegen bleiben und Abstand zu Wildtieren halten. Wenn sich etwa ein Rotschenkel in der Nähe die Seele aus der Kehle schreie, dann mache der Vogel das nicht, weil er auf das Foto wolle, erklärt Chwallek. "Der ist gestresst. Der will die Jungen warnen und den Fotografen vertreiben."
Kann das Naturschutzgebiet auch per Rad erkundet werden wie im Fall der Bislicher Insel oder nur zu Fuß? Hunde sollen an der Leine gehalten werden. Abfall und leere Flaschen wieder mitnehmen, lautet ein Appell an Besucher.
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