Tourismus News: Fünf Jahre Segelabenteuer ohne Erfahrung
Ein Kinofilm über 40.000 Seemeilen, Pannen, Panik, Paradies: Freunde aus Bayern berichten, wie sie ohne Erfahrung um die Welt segelten. Und warum sie trotzdem jedem so ein Abenteuer empfehlen würden.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
Suche
Nach der Schule die Welt erkunden - für viele junge Menschen ein Traum. Doch der Trip von vier Freunden aus dem oberbayerischen Bad Tölz ist eher ungewöhnlich. Ohne große Segel-Kenntnisse sind sie mit einem Boot zu einer Weltumrundung über die Ozeane aufgebrochen. Das Abenteuer führte fünf Jahre lang durch Höhen und Tiefen, inklusive Technik-Tücken.
Mitfiebern kann man im Kino in der spannenden und emotional erzählten Doku "Segeljungs - Mit null Ahnung um die Welt". Tim Hund und Vincent Goymann, genannt Vince, haben der dpa von ihrem Abenteuer berichtet.
Die Spontanidee
"Wir wollten um die Welt reisen und haben nach einem Fortbewegungsmittel gesucht", sagt Tim. Das Boot erschien perfekt - hatten sie so das eigene Bett immer dabei. Ihre Familien sahen die Pläne der Jungs, die alle um die 20 waren, skeptisch. "Die dachten nicht, dass es klappt", erzählt der 28-Jährige. "Und als sie gemerkt haben, wir sind kurz vor dem Bootskauf, wir wollen das wirklich machen, gab es ein Krisengespräch." Doch ein erfahrener Segler bestärkte sie und so stachen sie im September 2018 von der Ostseeinsel Fehmarn aus in See.
Finanziert wurde das Vorhaben auch mit Hilfe von Youtube und Instagram, wo ihre Follower mit regelmäßigen Posts an der Reise teilhaben konnten. 20 Terabyte Film kamen so zusammen, die Grundlage für den Kinofilm.
Jähes Ende
Über den Ärmelkanal nach Spanien und Marokko, dann über den Atlantik und den Pazifik zurück ins Mittelmeer - so hatten es die vier geplant. Doch schon in Panama war Schluss, nach gut einem Jahr. Motorschaden. Sie segelten zurück nach Marseille und richteten ein neues Schiff her, um im Oktober erneut zu starten. Michael Bischof und Tom Schwarz stiegen allerdings vor der erneuten Atlantiküberquerung aus. So mussten sich Vince und Tim zu zweit Aufgaben wie die Nachtwache teilen. "Das war auf jeden Fall schon härter", sagt der 25-jährige Vince.
Krisen und Lebensangst
Auch sonst hatte der Trip seine Tiefpunkte, etwa die Corona-Pandemie, als Tim und Vince in Panama festsaßen. Sie durchlitten Technik-Pannen, heftige Stürme oder Gewitter mit riesigen Blitzen mitten auf dem Ozean. "Wir hatten schon ein paar Mal Angst um unser Leben", sagt Tim rückblickend. Einer der schlimmsten Momente: als er und Vince von einem Boot verfolgt wurden. Waren das Piraten? "Man war so auf Volladrenalin - wenn da jetzt gleich wer rüberspringt auf unser Boot, dann müssen wir kämpfen", schildert der 28-Jährige seine Gefühle.
Wenn der Frust sich staut
Ein intensives Leben auf wenigen Quadratmetern Boot mit wenig Privatsphäre. Die Folge: ein heftiger Streit zwischen Vince und Tim. Viele Kleinigkeiten hätten sich angestaut und irgendwann entladen. Da half nur Abstand. Also checkten sie in zwei verschiedenen Hostels ein. "Das hat voll gutgetan. Jeder hat Leute kennengelernt, mit denen wir dann Weihnachten und Neujahr verbracht haben. Danach hat sich das dann auch wieder gelöst", sagt Vince über ihre Krise.
"Good Life" mit Delfinen und Haien
Doch insgesamt war es ein "good life", wie Tim schwärmt. Traumstrände mit Palmen und weißem Sand, Lagerfeuer bei Sonnenuntergang, selbst gefangene Fische grillen, in atemberaubenden Unterwasserwelten tauchen und mitten auf dem Meer vom Boot ins Wasser springen - ein Paradies. Gute Laune, die im Film bestens rüberkommt, trotz Rückschlägen wie einer Fußverletzung von Tim, die dieser übrigens mit einer chirurgischen Nadel selbst nähte.
Die schönsten Erlebnisse? "Für mich waren es hauptsächlich Begegnungen mit maritimen Lebewesen", sagt Tim. Sie sahen Blauwale, Orcas und Mantarochen, tauchten mit Delfinen, Seelöwen und Haien. Dazu endlose Weite und Ruhe: "Eine Insel mitten im Pazifik, kein Internet, kein anderer Mensch, und jeden Tag zwei, drei Tauchgänge", schwärmt Vince. Dann wieder irgendwo ankommen, "mal wieder eine Nacht durchschlafen, ein Bierchen trinken".
Rückkehr in den Alltag - Freude oder Frust?
Während Tom und Michael nur ein Jahr mitsegelten, waren Tim und Vince 5 Jahre unterwegs, inklusive längerer Pausen etwa in Mexiko. Am 21. August 2023 liefen sie im französischen Mittelmeerhafen Port-Saint-Louis-du-Rhone ein - nach mehr als 40.000 Seemeilen über Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean, Rotes Meer und Mittelmeer. Eine Zeit, in der sie erwachsen wurden und in der sie immer wieder dachten: "Boah, wie geil ist das gerade".
Und dann wieder deutscher Alltag? Für Tim kein Problem. "Da war am Ende die Luft raus bei uns beiden", gesteht er. "Es war richtig anstrengend, immer weiterzureisen, immer neue Leute kennenzulernen, den Leuten Tschüss zu sagen und keine Kontinuität zu haben." Vince pflichtet ihm bei: "Ich finde es richtig nice, eine Homebase zu haben". Ein Zuhause: "da ist mein Bett, da muss ich mir keine Sorgen machen, da steht alles auf dem festen Boden".
Vince studiert in Innsbruck, Tim bastelt in Hamburg an einem Segelboot. "Ich möchte an einem Eisberg ankern, irgendwo bei Spitzbergen", natürlich am liebsten wieder mit Vince.
Tipps für Nachahmer
Würden sie so ein Abenteuer anderen empfehlen? "Auf jeden Fall", sagt Tim. Er rät zu "ein bisschen mehr Segelerfahrung", aber man sollte sich auch "was trauen". "Man muss nicht immer alles vorher wissen, um es dann gut machen zu können."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
Weitere aktuelle News im Ressort "Medien":
- Festspiele: Salzburger Festspiel-Intendant Hinterhäuser geht nach Streit
- Film: Scharfsinniger Feingeist - Alexander Kluge ist tot
- Eilmeldung: Filmemacher und Autor Alexander Kluge ist tot
- Dresden: Kriegsverlust: Cranach-Gemälde kehrt nach Dresden zurück
kns/roj/news.de
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.