Massentourismus: Inselparadies Bali will Kontoauszüge von Urlaubern sehen

Die verträumte indonesische Urlaubsinsel Bali kämpft gegen den Massentourismus an: Urlauber aus dem Ausland sollen ab diesem Jahr ihre Kontoauszüge vorlegen. Was die Maßnahme genau bezwecken soll, erfahren Sie hier.

Erstellt von - Uhr

Das Urlaubsparadies will den Massentourismus in Zukunft deutlich beschränken. (Foto) Suche
Das Urlaubsparadies will den Massentourismus in Zukunft deutlich beschränken. Bild: picture alliance/dpa | Carola Frentzen
  • Balis Gouverneur will neue Regelungen für ausländische Urlauber einführen
  • Ab diesem Jahr sollen nur noch finanziell bessergestellte Reisende auf die Insel dürfen
  • Die konkrete Umsetzung der Regelungen ist aktuell noch völlig offen

Mehr interessante Infos rund um die Themen Urlaub und Reisen finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Haben Sie schon mal ihre letzten drei Gehaltsabrechnungen in Venedig vorgezeigt? Oder eine Schufa-Auskunft auf Sylt vorlegen müssen? Was nach purem Irrsinn klingt, wird tatsächlich Wirklichkeit. Die indonesische Ferieninsel Bali will mit deutlich strengeren Einreisebestimmungen für ausländische Touristen den Massentourismus eindämmen und stattdessen für "Qualitätstourismus" sorgen. Wie genau die Regelungen aussehen sollen und was Touristen beachten müssen.

Gouverneur will Besucher nach Finanzkraft filtern

Die Provinzregierung möchte mit den neuen Vorschriften sicherstellen, dass Urlauber ihren Aufenthalt vollständig selbst finanzieren können. Wie unter anderem die "Bild" berichtet, erklärte Koster: "Es ist wichtig festzulegen, welche ausländischen Touristen einreisen dürfen und welche nicht, damit die Besucher keine Probleme verursachen, sondern einen positiven Beitrag zum Tourismussektor leisten".

Wer nur über ein Budget für eine Woche verfüge, solle entsprechend auch nur sieben Tage bleiben dürfen. Einen festen Mindestbetrag auf dem Konto hat die Regierung bislang nicht festgelegt. Stattdessen wollen die Behörden prüfen, ob die verfügbaren finanziellen Mittel zum angegebenen Reiseplan passen. Der Gouverneur betont seit Längerem, dass Bali vor allem Gäste anziehen soll, die Respekt für die lokale Kultur und religiöse Traditionen mitbringen.

Trauminsel kämpft mit den Schattenseiten des Booms

Die Hintergründe der geplanten Verschärfung liegen in den massiven Problemen durch den Massentourismus. Im Jahr 2025 besuchten laut Statistiken rund 7,1 Millionen internationale Gäste die "Insel der Götter" - bei einer Einwohnerzahl von nur etwas mehr als vier Millionen Menschen.

Die Folgen sind vielerorts spürbar: Verkehrsstaus gehören zum Alltag, die Müllmengen wachsen stetig und in der Trockenzeit wird das Wasser knapp. Für viele langjährige Bali-Liebhaber hat sich das einstige Paradies längst zum Problemfall entwickelt.

Hinzu kommen wiederholt Vorfälle mit respektlosen Touristen. Immer wieder sorgen Bilder für Empörung: Urlauber, die leicht bekleidet in Tempeln posieren, betrunken Roller fahren oder sich in Partyhochburgen wie Kuta mit hochprozentigen Mixgetränken betrinken. Auch Fälle von Visaüberschreitungen, illegaler Arbeit und unbezahlten Rechnungen beschäftigen die Behörden regelmäßig.

Branche warnt vor Verunsicherung und Datenschutzproblemen

Die geplanten Einreiseregeln stoßen in der Tourismuswirtschaft auf erhebliche Skepsis. Vertreter der Hotel- und Gastronomiebranche auf Bali zeigen sich wenig begeistert von den Plänen. Der Hotel- und Restaurantverband PHRI Bali mahnt zur Zurückhaltung, wie "Business Insider" berichtet. Öffentliche Debatten über die derzeit noch unfertigen Regelungen könnten Unsicherheit auf internationalen Märkten auslösen und von konkurrierenden Reisezielen ausgenutzt werden.

Kontoauszüge allein sagen allerdings wenig über die tatsächliche Zahlungsfähigkeit aus. Geld kann auf mehreren Konten verteilt oder kurzfristig verfügbar sein. Zusätzlich stehen auch Fragen zum Datenschutz und zur Privatsphäre im Raum. Die Offenlegung persönlicher Finanzdaten gegenüber ausländischen Behörden ist für viele Reisende ein sensibles Thema - und könnte entsprechend Touristen in Zukunft abschrecken.

Umsetzung für neue Urlauber-Regelungen noch völlig offen

Wann und wie die neuen Bestimmungen in Kraft treten könnten, bleibt derzeit unklar. Noch ist nicht entschieden, ob die Finanznachweise am Flughafen von Denpasar kontrolliert oder bereits in den Visa-Prozess vor der Abreise integriert werden sollen.

Der frühere Vize-Tourismusminister Sapta Nirwandar hält letztere Variante für praktikabler: "Wenn die Touristen einmal auf der Insel angekommen sind, wäre die Überprüfung der Bankdaten am Flughafen schwierig", sagte er.

Die Provinzregierung will den Entwurf demnächst dem Regionalparlament vorlegen. Bei Zustimmung könnte die Umsetzung noch in diesem Jahr erfolgen. Für Reisende bedeutet das vorerst: Vor der Buchung eines Bali-Urlaubs sollten die aktuellen Einreisebestimmungen geprüft werden.

Hier können Sie mehr zu Themen wie Urlaub, Reisen und Co. nachlesen:

/bua/news.de/stg

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.