No-Travel-List: In diese Länder sollten Sie 2026 nicht reisen
Das Reisemagazin "Fodor's" warnt Urlauber vor acht beliebten Destinationen, die unter dem Besucheransturm zusammenzubrechen drohen. In welche Länder und Regionen Sie nicht reisen sollten, erfahren Sie hier.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
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- Reisemagazin warnt: Acht beliebte Urlaubsziele stehen auf der No-Travel-List 2026
- Kanarische Inseln, Paris und Schweizer Alpen am Belastungslimit
- Einheimische protestieren – Experten raten Urlaubern zu Zurückhaltung
Das Reisemagazin "Fodor's" hat seine "No-Travel-List" für 2026 veröffentlicht und nennt darin acht Destinationen, die Urlauber überdenken sollten. Auf der Liste stehen unter anderem die Kanarischen Inseln mit Teneriffa und Lanzarote, das Pariser Viertel Montmartre, Isola Sacra in Italien sowie die Jungfrau-Region in der Schweiz.
No-Travel-List 2026: In welche Länder Sie nicht reisen sollten
Die Experten betonen ausdrücklich: Es handelt sich nicht um einen Aufruf zum Boykott. Vielmehr soll die Liste auf Orte aufmerksam machen, "wo der Tourismus unhaltbaren Druck auf Land und lokale Gemeinschaften ausübt". Überfüllte Sehenswürdigkeiten, fragile Ökosysteme und Gemeinden am Limit – diese Probleme betreffen laut Fodor's nahezu jede Destination, die Tourismus über alles andere stellt.
Der Sommer 2025 brach weltweit Besucherrekorde. Gleichzeitig nahmen in beliebten Urlaubsregionen die Spannungen zwischen Einheimischen und Touristen deutlich zu.
Kanarische Inseln am Limit
Die Kanarischen Inseln verzeichneten allein im ersten Halbjahr 2025 rund 7,8 Millionen Besucher – ein neuer Rekord. Im Mai gingen Tausende Menschen auf Teneriffa, Gran Canaria und Lanzarote unter dem Slogan "Canarias tiene un límite" (Die Kanaren haben eine Grenze) auf die Straße.
Der Tourismus erwirtschaftet mehr als ein Drittel des regionalen Bruttoinlandsprodukts und beschäftigt etwa 40 Prozent der Bevölkerung. Doch der Erfolg hat seinen Preis: Wohnraum ist für junge Einheimische kaum noch bezahlbar, seit Ferienwohnungen über Plattformen wie Airbnb die Preise in die Höhe treiben.
"Die Bewohner protestieren, weil sie wirklich die Nase voll haben", erklärt John Dale Beckley, Gründer der Nachhaltigkeitsplattform CanaryGreen.org. Hinzu kommen Wasserknappheit und marode Infrastruktur: Täglich fließen laut Berichten rund 100 Millionen Liter unzureichend geklärtes Abwasser ins Meer, was wiederholt zu Strandsperrungen führt.
Paris, Rom und die Schweizer Alpen unter Druck
Auch abseits der Kanaren kämpfen europäische Destinationen mit den Folgen des Massentourismus. Im Pariser Stadtviertel Montmartre beklagen Anwohner eine zunehmende "Disneyfizierung": Traditionelle Lebensmittelgeschäfte weichen Souvenirläden, Familienwohnungen werden zu Touristencafés umfunktioniert.
In Italien sorgt der kleine Küstenort Isola Sacra nahe Rom für Aufregung. Nur etwa 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, soll dort ein Hafen für die weltweit größten Kreuzfahrtschiffe entstehen. Kritiker warnen vor gravierenden Folgen: Der flache Meeresboden müsste ausgebaggert werden, was die marine Artenvielfalt gefährdet und Küstenerosion verstärkt.
Die Jungfrau-Region in den Schweizer Berner Alpen leidet ebenfalls unter dem Besucheransturm. Die als "Top of Europe" beworbenen Gipfel ziehen immer mehr Touristen an, während die Gletscher schrumpfen und natürliche Ressourcen sowie das Alltagsleben der Bewohner zunehmend belastet werden.
Antarktis ohne Limits, Gletscher vor dem Aus
Neben den europäischen Hotspots stehen vier weitere Destinationen auf der Liste. Die Antarktis empfing in der Saison 2023/2024 rund 120.000 Besucher – eine Zahl, die sich bis 2033 verdoppeln könnte. Verbindliche Obergrenzen für Touristen existieren bislang nicht. "Die Umwelt ist fragil und selten. Deshalb wollen die Menschen dorthin, aber genau deshalb kann sie hohe Besucherzahlen nicht verkraften", warnt Jessica O'Reilly, Anthropologie-Professorin an der Indiana University.
Im Glacier National Park in Montana schmelzen die Gletscher doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Von einst 150 Gletschern sind nur noch 27 übrig – sie könnten bis 2030 verschwunden sein.
Mexiko-Stadt erlebte im Sommer 2025 teils gewaltsame Proteste gegen steigende Mieten und die Verdrängung von Einheimischen durch ausländische Zuzügler. In Mombasa, Kenia, stieg der Kreuzfahrttourismus zuletzt um 164 Prozent.
Experten raten zu Alternativen und Nebensaison
Die Verfasser der Liste empfehlen Reisenden, weniger bekannte Ziele anzusteuern oder außerhalb der Hauptsaison zu verreisen. So lasse sich der Druck auf überlastete Regionen verringern – ohne komplett auf Urlaub verzichten zu müssen.
Dass die Spannungen zwischen Einheimischen und Besuchern längst über Umwelt- und Komfortprobleme hinausgehen, zeigten Protestaktionen im Sommer 2025. Aktivisten stoppten dabei sogar einen Sightseeing-Bus, wie "Focus Online" berichtet. Solche Vorfälle verdeutlichen, dass Massentourismus zunehmend soziale Konflikte auslöst.
Die "No-Travel-List" versteht sich als "sanfter, aber deutlicher Hinweis", bestimmten Orten eine Pause zu gönnen – nicht für immer, sondern vorerst. Fodor's betont: Die Liste soll "sowohl Sehnsucht als auch Zurückhaltung" wecken und Reisende zu einem bewussteren Umgang mit beliebten Destinationen anregen.
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