Neu im Kino: Mafioso jagt Ku-Klux-Klan: Mark Wahlberg in "By Any Means"

Ein Mafia-Killer und ein FBI-Agent jagen den Ku-Klux-Klan. Mark Wahlberg spricht im dpa-Interview über Eskapismus, künstlerische Freiheiten und darüber, wann Gewalt im Kino befriedigend ist.

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Die Welt der Stars im Blick: Aktuelle Promi-Nachrichten lesen Sie auf news.de (Symbolbild). Bild: Adobe Stock / Robert Daly/KOTO

Ist Gewalt gerechtfertigt, nur weil sie die Richtigen trifft? Heiligt der Zweck alle Mittel? Im echten Leben würden die meisten wohl Nein sagen. Im Kino sieht das oft anders aus, das zeigen Abrechnungsfilme wie "John Wick", "Nobody" oder "The Equalizer". Wenn die Schurken gewaltsam zur Rechenschaft gezogen werden, fiebert das Publikum mit. Die Frage nach der Moral - nebensächlich.

So ähnlich ist es auch im Thriller "By Any Means". Mark Wahlberg spielt den Mafia-Killer und FBI-Informanten Greg Scarpa, der gemeinsam mit dem FBI-Agenten Wayne Strider (Yahya Abdul-Mateen II) Mitglieder des rassistischen Ku-Klux-Klans jagt - und dabei zu brutalen Methoden greift. Der Film von Regisseur Elegance Bratton ("The Inspection") basiert lose auf wahren Begebenheiten.

Wahlberg: Die Leute wissen, dass es ein Film ist

"Die Leute empfinden Genugtuung, wenn sie sehen, wie wir für diese Art von Gerechtigkeit sorgen", sagt Wahlberg im Interview der Deutschen Presse-Agentur auf die Frage, wann Gewalt im Kino befriedigend ist und wann sie zum Selbstzweck wird. "Und sie wissen ja, dass es ein Film ist. Aber manchmal braucht man eben etwas Eskapismus, man muss Grenzen ein wenig ausreizen und sich im Film ein paar Freiheiten nehmen dürfen. Wichtig ist nur, dass die Leute den Unterschied kennen."

Bei einer Testvorführung habe er eine Zuschauerin beobachtet, die Gewalt im Film zunächst entschieden ablehnte, dann aber plötzlich selbst danach verlangte, erzählt der Schauspieler. "Erst hieß es: "Bloß keine Gewalt!"", so Wahlberg. "Und dann: "Schneid ihm sein verdammtes Du-weißt-schon-was ab!" Sie ist völlig durchgedreht."

Das liegt auch daran, dass der Film Rassismus mit schonungsloser Deutlichkeit zeigt: hasserfüllte Beleidigungen, Drohungen, Brandanschläge. Die Täter sind so abstoßend gezeichnet, dass man ihnen kein Mitleid entgegenbringt, wenn sie zu Opfern werden. Und womöglich ertappt man sich irgendwann selbst dabei, die nächste Abrechnung regelrecht herbeizusehnen - wie Wahlbergs Sitznachbarin.

Ein Mafia-Killer im Dienst des FBI

Mississippi, 1966: Der Bürgerrechtler Vernon Dahmer (Giancarlo Esposito, "Breaking Bad") hilft Schwarzen, sich als Wähler registrieren zu lassen. Zwar soll ein neues Gesetz seit 1965 verhindern, dass Schwarze von Wahlen ausgeschlossen werden. Doch in Mississippi gibt es weiterhin eine Wahlsteuer, die sich viele nicht leisten können. Dahmer bietet an, die Steuer für sie zu bezahlen. Kurz darauf stirbt er nach einem Brandanschlag des Ku-Klux-Klans.

Die Ermittlungen stocken, Zeugen schweigen aus Angst. FBI-Agent Strider, der mit seiner Frau (Nicole Beharie) aus Chicago in seine Heimat zurückgekehrt ist, glaubt an Recht und Gesetz. Seine Vorgesetzten (David Strathairn und Josh Lucas) weisen ihm einen ungewöhnlichen Partner zu: Scarpa. Er soll die Täter mit Methoden zum Reden bringen, die dem FBI selbst verboten sind. Strider will den Fall eigentlich nach Vorschrift lösen, aber damit stößt er schnell an Grenzen, die für Scarpa nicht gelten.

Dahmer und Scarpa gab es wirklich. Der Mafioso aus der Colombo-Familie - Spitzname "Grim Reaper" (Sensenmann) - soll nach Aussagen von Zeugen in dem Fall für das FBI tätig gewesen sein. Offiziell bestätigt hat die Behörde das nie. Strider dagegen ist eine erfundene Figur, die laut Studio auf mehreren realen Personen beruht.

Besuch der Familie Dahmer am Set

Emmy-Preisträger Abdul-Mateen II ("Watchmen") spielt den Agenten, der sich selbst von örtlichen Polizisten rassistische Beleidigungen anhören muss. "Wenn man die Geschichte dieses Landes kennt, gab es nichts darin, was mich wirklich überrascht hätte", sagt der 40-Jährige im dpa-Interview. Trauer habe er aber empfunden, als Angehörige des echten Dahmer die Dreharbeiten besuchten. "Es hat mich umgehauen, wie viel Freude, Frieden und Ruhe sie ausstrahlten - wie sie eine solche Tragödie, den Tod ihres Vaters, überleben konnten. Das hat mich daran erinnert, wie wichtig es war, diese Geschichte zu erzählen."

Dahmers Tochter Bettie hatte mit den Filmemachern zusammengearbeitet. Doch nicht alle Angehörigen stehen hinter dem Film. Dahmers Sohn Dennis, der beim Tod seines Vaters zwölf Jahre alt war, kritisiert die Handlung als "größtenteils Fiktion". Er wirft den Machern vor, einen weißen Retter in den Mittelpunkt zu stellen und seinem Vater nicht gerecht zu werden. Gemeinsam mit Dahmers Witwe Ellie (101) forderte er einen Hinweis zu Beginn des Films, dass die Geschichte fiktionalisiert sei. Die Studios lehnten das nach Angaben der Familie ab.

Ein Killer als Held?

Tatsächlich steht Scarpa im Mittelpunkt der Geschichte. "Ich habe ihn nicht wirklich als Helden gesehen", sagt Wahlberg (55) über seine Rolle. "Aber er wusste, dass man sich manchmal nicht an die Regeln halten kann - und man mit jemandem, der Schlimmes tut, nur fertig wird, wenn man selbst noch ein wenig schlimmer ist."

Menschlich gemacht hat die Figur für ihn eine Begegnung: "Ich habe Zeit mit seinen Kindern verbracht und gemerkt, dass er trotzdem ein Familienmensch war." Für die Rolle trug Wahlberg eine Nasenprothese.

Brutal, unterhaltsam, unbequem

Baseballschläger, Pistolenhiebe, Folter und die Androhung sexueller Gewalt - das ist drastisch, auf groteske und durchaus fragwürdige Weise aber auch unterhaltsam. Die Rassismus-Szenen sind dagegen schwer zu ertragen. "By Any Means" ist ein solider Thriller, der den Süden der 60er Jahre atmosphärisch und schonungslos abbildet und dabei ebenso kurzweilig wie unbequem ist.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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