Nirmal Purja ist tot: Ein Jahr nach Dahlmeier-Tod – Netflix-Bergsteiger am Broad Peak gestorben

Nirmal Purja wollte als erster Mensch alle 14 Achttausender zweimal ohne Flaschensauerstoff bezwingen. Am letzten fehlenden Gipfel riss eine Lawine ihn und neun weitere Expeditionsmitglieder in den Tod. Das Unglück am Broad Peak ereignete sich fast genau ein Jahr nach dem tödlichen Unfall der deutschen Bergführerin Laura Dahlmeier in derselben Region.

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Extrembergsteiger Nirmal Purja ist am Broad Peak gestorben. (Foto) Suche
Extrembergsteiger Nirmal Purja ist am Broad Peak gestorben. Bild: Nirmal Purja/PA Wire/dpa/dpa
  • Bergsteiger-Legende Nirmal Purja stirbt mit neun weiteren Expeditionsmitgliedern bei Lawinenunglück am Broad Peak
  • Der "Nims Dai" genannte Extremalpinist schrieb Geschichte: 14 Achttausender in nur sieben Monaten
  • Nach dem Tod von Laura Dahlmeier erinnert die Tragödie erneut an die tödlichen Gefahren im Karakorum-Gebirge

Der Rekordbergsteiger Nirmal Purja ist tot. Der nepalesischstämmige Extremalpinist mit britischem Pass kam am Donnerstag zusammen mit allen neun weiteren Mitgliedern seiner Expedition bei einem verheerenden Lawinenunglück am Broad Peak ums Leben. Der rund 8.050 Meter hohe Berg zählt zu den gefährlichsten Gipfeln im pakistanischen Karakorum-Gebirge.

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Bergsteiger-Legende Nirmal Purja tot: Lawine reißt Rekord-Alpinisten in den Tod

Der Alpine Club Pakistan (ACP) bestätigte das Unglück gegenüber der Deutschen Presse-Agentur am Samstagabend. Am Donnerstagmorgen war nach einem massiven Lawinenabgang jeglicher Kontakt zu der zehnköpfigen Gruppe abgerissen. Daraufhin wurde eine groß angelegte Rettungsaktion in Gang gesetzt. "Mit tiefer Trauer und unermesslichem Kummer bestätigen wir den tragischen Tod von Nirmal Purja", teilte sein Unternehmen in einer Erklärung auf Instagram mit. Purja war weltweit als "Nims Dai" bekannt und galt als einer der herausragendsten Höhenbergsteiger seiner Generation.

Er hat den Mount Everest und die dreizehn anderen Achttausender der Welt in sieben Monaten bestiegen. (Foto) Suche
Er hat den Mount Everest und die dreizehn anderen Achttausender der Welt in sieben Monaten bestiegen. Bild: Prakash Mathema/AFP/dpa/dpa

Purja schrieb Bergsteiger-Geschichte, als er 2019 sämtliche 14 Achttausender der Welt in nur sieben Monaten bezwang – eine Leistung, die zuvor als undenkbar galt. Seine damalige Mission taufte er trotzig "Project Possible". "Als ich von dem Projekt erzählte, haben die Leute gelacht", erinnerte er sich gegenüber der dpa. "Sie sagten, das wäre nicht möglich." Im August 2023 wurde sein Rekord von einem norwegisch-nepalesischen Team gebrochen.

Die Netflix-Dokumentation "14 Peaks: Nothing is Impossible" machte seine Extremtouren einem Millionenpublikum zugänglich. Zudem verfasste er eine Autobiografie, die zum Bestseller avancierte. Laut BBC entdeckte Purja seine Leidenschaft für die Berge während seiner Zeit als Elitesoldat bei der britischen Marine. Königin Elizabeth II. zeichnete ihn 2018 persönlich aus.

Sein letztes großes Vorhaben: Am Montag hatte Purja auf der Plattform X erklärt, dass ihm nach der Besteigung des Gasherbrum II nur noch der Broad Peak fehle, um als erster Mensch alle Achttausender zweimal ohne zusätzlichen Sauerstoff bewältigt zu haben.

Weltweite Bestürzung über den Tod von Nirmal Purja

Nepals Premierminister Balendra Shah reagierte erschüttert auf die Nachricht. "Der tragische Tod von sechs Nepalesen und vier weiteren ausländischen Bergsteigern, darunter Weltrekordhalter Nirmal Purja, im pakistanischen Karakorum-Gebirge, schockiert uns", schrieb er auf Facebook. Sechs der zehn Opfer stammten aus Nepal.

Auch Bergsteigerlegende Reinhold Messner fand bewegende Worte für den Verstorbenen. "Was bleibt, ist nicht nur die Trauer über seinen Tod, sondern auch die Erinnerung an ein Leben, das er in vollen Zügen gelebt hat", würdigte er Purja auf Instagram. Es sei ein Privileg gewesen, den Ausnahmebergsteiger persönlich gekannt zu haben.

Die Anteilnahme verdeutlicht, welchen Stellenwert Purja in der internationalen Bergsteiger-Gemeinschaft genoss – vom politischen Establishment seines Heimatlandes bis hin zu den größten Legenden des Alpinismus.

Zehn Tote aus sechs Nationen bei Lawinenunglück am Broad Peak

Unter den Opfern befinden sich laut ACP neben den sechs nepalesischen Bergsteigern auch ein pakistanischer Alpinist, ein Kletterer aus China, eine US-amerikanische Bergsteigerin sowie eine Alpinistin aus dem Oman. Die Expedition unter Purjas Leitung war damit international besetzt.

Nach dem Lawinenabgang am Donnerstagmorgen brach sämtliche Kommunikation mit der Gruppe ab. Die pakistanischen Behörden leiteten umgehend eine umfangreiche Rettungsmission ein. Der Broad Peak gilt als zwölfthöchster Gipfel der Erde und befindet sich an der pakistanisch-chinesischen Grenze.

Die Region im Norden Pakistans ist ein Anziehungspunkt für Expeditionen aus aller Welt. Bereits in der Vergangenheit forderte der anspruchsvolle Achttausender wiederholt Menschenleben.

Das Karakorum-Gebirge im pakistanischen Teil: Mehrere Gipfel locken Alpinisten aus aller Welt in die Region, um den oft gefährlichen Aufstieg zu wagen. (Foto) Suche
Das Karakorum-Gebirge im pakistanischen Teil: Mehrere Gipfel locken Alpinisten aus aller Welt in die Region, um den oft gefährlichen Aufstieg zu wagen. Bild: Olivier Matthys/EPA/dpa/dpa

Tragische Parallele zum Tod von Laura Dahlmeier

Beinahe auf den Tag genau ein Jahr zuvor hatte sich in unmittelbarer Nähe eine weitere Tragödie ereignet. Am 28. Juli 2025 verlor die deutsche Bergführerin Laura Dahlmeier am Laila Peak ihr Leben. Die 31-Jährige wurde beim Abstieg auf rund 5.700 Metern Höhe von herabstürzenden Gesteinsbrocken am Kopf getroffen und starb vermutlich auf der Stelle. Ihre Seilpartnerin überlebte.

Obwohl sofort Rettungsmaßnahmen anliefen, machten anhaltender Steinschlag und widrige Wetterverhältnisse ein Vordringen zu der Verunglückten unmöglich. Die Bergung wurde schließlich abgebrochen – Dahlmeier hatte schriftlich verfügt, dass in einer solchen Situation niemand für sie sein Leben aufs Spiel setzen solle. Ihr Leichnam blieb am Berg und fand dort seine letzte Ruhestätte.

Klimawandel macht die Berge unberechenbarer

Beide Unglücke werfen ein Schlaglicht auf die zunehmenden Gefahren im Karakorum-Gebirge. Der pakistanische Bergsteigerexperte Irfanullah Baig warnt, dass der Klimawandel das Risiko am Broad Peak und in der gesamten Region drastisch erhöht hat. Lawinen, extreme Wetterlagen und Steinschlag nähmen spürbar zu.

"Die Temperaturen in den Ortschaften am Fuß der Berge steigen auf 40 Grad. Damit gibt es keine stabile Schneedecke mehr und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Schneeschmelze jederzeit Lawinen auslöst", erläutert Baig. Die Erwärmung destabilisiere die Hochgebirgslandschaft grundlegend.

Zwar habe es am Broad Peak auch früher immer wieder tödliche Zwischenfälle gegeben, so der Experte. Doch die veränderten klimatischen Bedingungen machten Expeditionen an den höchsten Gipfeln der Welt mittlerweile noch unkalkulierbarer als ohnehin schon.

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/news.de/dpa/stg

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