04.02.2021, 20.39 Uhr

Maren Kroymann ganz privat: Endlich wieder im TV! So blickt die Satirikerin auf ihre lange Karriere zurück

Satire ist im deutschen Fernsehen überwiegend Männersache. Umso erfreulicher, dass nun endlich wieder eine Frau zeigen darf, was sie kann. Maren Kroymann braucht sich da nicht zu verstecken.

Maren Kroymann kehrt mit einer Satireshow zurück ins Fernsehen. Bild: picture alliance / Patrick Seeger/dpa

Als "Nachtschwester Kroymann" brachte sie zwischen 1993 und 1997 so manchen Zuschauer zu Bett. Das ist nun schon fast 20 Jahre her, und da wird es allerhöchste Zeit für eine Art von Neuauflage: Mit dem schlichten Titel "Kroymann" kehrte Maren Kroymann mit einer eigenen Satiresendung im Ersten auf den Bildschirm zurück.

Maren Kroymann nimmt die Frauenrolle aufs Korn

Darin schlüpft die Schauspielerin, Musikerin und Humoristin Maren Kroymann in ganz verschiedene Frauenrollen. Sie ist zu sehen als ältestes Mitglied einer Frauenrechtlerinnen-Bewegung, die zum Kochen und Putzen eingeteilt werden soll und als Frau im reifen Alter in einem Bewerbungsgespräch mit Burghart Klaußner. Maren Kroymann schlüpft in die Rolle einer berühmten Schauspielerin, die Schauspielstudentinnen im Kurs von Cordula Stratmann etwas mitgeben soll.

Einfach Kroymann: Kabarettistin wieder im TV

Eine weitere Rolle von Humoristin Maren Kroymann ist die einer mittelalten Patientin bei einer besonderen Therapeutin (Annette Frier), die Maren Kroymann "allein schon vom Alter her für ideal hält für das Stammpublikum der ARD". Sie tritt außerdem als Erika Steinbach auf und in vielen anderen satirischen Sketchen über die Absurdität des Alltags des Autorenteams - darunter Sebastian Colley und Hans Zippert - unter der Regie von Felix Stienz und Philipp Käßbohrer.

Politische Satire ist ihre heimliche Vorliebe

Maren Kroymann bringt in ihren Sketchen gerne politische Seitenhiebe unter und singt auch. Auf die Frage, warum sie gerade jetzt wieder Kabarett macht, sagte: "Ach, das hätte ich gerne schon viel früher. An mir lag das nicht, denn "Nachtschwester Kroymann" hätte ich liebend gerne weitergemacht. Aber es sollte damals nicht sein." Und dann sind bei "Kroymann" Kolleginnen wie Cordula Stratmann, Annette Frier dabei - und Burghart Klaußner. "Wir alle haben das jetzt einfach mal zusammen gemacht - ohne dass es dabei groß um irgendwelche Erwartungen ging.

Maren Kroymann kann auf lange Karriere zurückblicken

Ihre Rollenliste ist trotz des damaligen Ausbootens nach dem Outing lang. So spielte sie gemeinsam mit Hape Kerkeling in "Kein Pardon" und "Horst Schlämmer - Isch kandidiere" mit. Auch in verschiedenen Folgen des "Tatort" sah man Maren Kroymann. Acht Jahre lang war sie eine der Hauptakteure in der RTL-Serie "Mein Leben & Ich". Auch zahlreiche Hörspiele und Hörbücher hat sie gelesen. In ihrer langen Karriere hat Maren Kroymann auch drei CDs veröffentlicht.

Nach Outing bekam Maren Kroymann keine Rollen

"Geplant ist zunächst eine Sendung, aber in einer tieferen Stufe meines Bewusstseins ist sicher noch Platz für weitere." Das wollen wir doch mal schwer hoffen - gerade im Fall von Maren Kroymann, die auch über sich selber lachen kann. Dabei hätte ihr genau das schon des Öfteren im Halse stecken bleiben können, als nach ihrem Outing als Lesbe vor etwa 20 Jahren gute Rollenangebote abnahmen und die Kabarettshow abgesetzt wurde. Schon längst hat sie wieder sehr gut zu tun, und in der Gesellschaft wie in den Fernsehsendern hat sich einiges geändert.

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Coming-out im "SZ Magazin": Maren Kroymann unterzeichnet Manifest mit Schauspielkollegen

Sie outen sich als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans: Mit einem gemeinsamen Manifest im Magazin der "Süddeutschen Zeitung" (05.02.2021) wollen 185 Schauspielerinnen und Schauspieler eine öffentliche Debatte anstoßen. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem Maren Kroymann, Godehard Giese, Jonathan Berlin, Mark Waschke, Karin Hanczewski, Ulrich Matthes, Jaecki Schwarz und Mavie Hörbiger.

"Bisher konnten wir in unserem Beruf mit unserem Privatleben nicht offen umgehen, ohne dabei berufliche Konsequenzen zu fürchten", heißt es in dem Beitrag. Zu oft sei ihnen geraten worden, die eigene sexuelle Orientierung geheim zu halten. "Das ist jetzt vorbei." Diversität sei in Deutschland längst gesellschaftlich gelebte Realität, schreiben die Künstler. Diese Vielfalt soll durch die Film- und Fernsehbranche abgebildet werden. Das Publikum sei bereit dafür.

Im Interview fordern sechs der 185 Unterzeichner ihre Branche und die Gesellschaft auf, Diversität noch stärker sichtbar zu machen. Sie kritisieren die Männer- und Frauenbilder, die im Fernsehen und im Kino vermittelt werden. Lesbische Schauspielerinnen fürchteten, aus "dem Pool der für Männer begehrenswerten Frauen oder Frauenrollen" herauszufallen und nicht mehr besetzt zu werden, sagt Karin Hanczewski.

Den Künstlern geht es darum, als Minderheit sichtbar zu sein. In der Familie oder im Freundeskreis hätten sie ein Coming-out hinter sich, sagt Godehard Giese. "Aber wir sind mit unserer sexuellen Identität in der Öffentlichkeit nicht sichtbar. Es wird immer angenommen, man gehöre zur Norm." Sein Kollege Jonathan Berlin bezeichnet es als "Akt der Selbstliebe", sich zu outen. Als Jugendlichem hätten ihm Vorbilder gefehlt, "um damit freier umgehen zu können".

Karin Hanczewski kritisiert, dass ihr in ihrem Beruf gesagt worden sei, sie solle sich nicht outen. Auch sie spricht von "Befreiung" und fügt an: "Ich hatte immer den utopischen Wunsch, dass es, wenn ich mich mal oute, eine politisch-gesellschaftliche Relevanz hat. Als Einzelperson müsste ich schon wahnsinnig bekannt sein, damit das irgendwas verändert." In der Gruppe könnten sie aber etwas verändern.

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koj/sam/news.de/dpa

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