Alice Weidel: AfD-Chefin wegen trügerischer Zahl zu Einbürgerungen auf dem Prüfstand
Im ZDF-Sommerinterview warf Alice Weidel mit einer Zahl zur Einbürgerung von arbeitslosen Geflüchteten um sich. Ein Fakten-Check zeigt aber: Die Statistik stimmt nicht mit der Aussage der AfD-Chefin überein.
Erstellt von Sabrina Böhme - Uhr
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- ZDF-Sommerinterview: Alice Weidels Aussage im Faktencheck
- Zahl der AfD-Chefin zur Einbürgerung von Flüchtlingen ist falsch
- Statistik deckt sich nicht mit Äußerung von Weidel
AfD-Chefin Alice Weidel trat im ZDF-Sommerinterview gewohnt offensiv auf – und präsentierte dabei eine Zahl, die dramatisch klingt, aber so nicht stimmt. "Wissen Sie eigentlich, wie viele Arbeitslose letztes Jahr eingebürgert wurden? Es sind 306.000", erklärte Weidel im Gespräch mit Journalist Wulff Schmiese, als sie die deutsche Migrationspolitik attackierte. Darauf wies zuerst das ZDF hin. Ein Faktencheck.
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Alice Weidel im ZDF-Sommerinterview - falsche Zahl der AfD-Chefin überführt
Die von Weidel genannte Zahl geht mutmaßlich auf einen Bericht von "Nius" vom Juli 2026 zurück. Das Portal bezog sich auf eine Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit, die der AfD-Abgeordnete René Springer beauftragte. Darin wurden 307.601 arbeitslose deutsche Staatsbürger mit eigener Migrationshintergrund erfasst – allerdings als Bestandsgröße zu einem einzigen Stichtag im Dezember 2025. Es handelt sich also um eine Momentaufnahme: Wie viele eingebürgerte Personen waren an diesem bestimmten Tag ohne Beschäftigung gemeldet?
Weidels Aussage hält Statistik zu Einbürgerungen von Flüchtlingen nicht stand
Wann die jeweilige Einbürgerung stattfand, sagt die Statistik überhaupt nicht aus. Unter den Erfassten können Menschen sein, die erst kürzlich den deutschen Pass erhielten, ebenso wie solche, deren Einbürgerung bereits Jahrzehnte zurückliegt. Ebenso wenig lässt sich daraus ablesen, ob die Betroffenen zum Zeitpunkt ihrer Einbürgerung bereits erwerbslos waren – oder erst danach ihren Arbeitsplatz verloren haben. Die Daten geben darüber schlicht keine Auskunft.
Im gesamten Jahr 2025 erhielten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 332.500 Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft. Wie viele davon zum Zeitpunkt des Verfahrens ohne Beschäftigung waren, lässt sich aus Weidels Zahl nicht ableiten.
Hinzu kommt: Wer eine Anspruchseinbürgerung beantragt, muss nachweisen, dass der eigene Lebensunterhalt sowie der unterhaltsberechtigter Angehöriger gesichert ist. So formuliert es auch das offizielle Einbürgerungsportal der Bundesregierung. Fehlende Erwerbstätigkeit allein schließt eine Einbürgerung aber nicht zwangsläufig aus – denn Arbeitslosengeld, private Rücklagen oder das Einkommen des Partners können die Voraussetzung ebenfalls erfüllen. Umgekehrt dürfte eine Einbürgerung bei gleichzeitiger Mittellosigkeit und Bürgergeldbezug in den meisten Fällen scheitern oder zumindest erheblich erschwert werden.
Fazit: Weidel-Äußerung ist irreführend
Alice Weidel ging im Sommerinterview über das hinaus, was die Faktenlage hergab, und deutete eine Bestandszahl kurzerhand zur Jahresbilanz um. Aus einer Statistik darüber, wie viele eingebürgerte Deutsche an einem bestimmten Tag ohne Job waren, wurde so die suggestive Botschaft, Deutschland habe massenhaft Erwerbslose eingebürgert. Im Ergebnis ist Weidels Behauptung in ihrem zeitlichen Bezug schlicht nicht korrekt und trügerisch.
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bos/loc/news.de/stg
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