Wladimir Putin: Russen-Blogger spotten schon - Kadyrow führt Kremlchef im Ukraine-Krieg vor

Tschetscheniens Machthaber Kadyrow verspricht Putin Zehntausende Soldaten für den Ukraine-Krieg – doch nur 0,2 Prozent aller russischen Gefallenen stammen aus seiner Republik. Hinter der Fassade verbirgt sich ein Kalkül.

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Ramsan Kadyrow (rechts) gilt als treuer Gefolgsmann von Wladimir Putin. (Foto) Suche
Ramsan Kadyrow (rechts) gilt als treuer Gefolgsmann von Wladimir Putin. Bild: picture alliance / Alexei Druzhinin/Sputnik/Kremlin Pool Photo/AP/dpa | Alexei Druzhinin
  • Wladimir Putin ausgetrickst von Ramsan Kadyrow
  • Wladimir Putin braucht Ramsan Kadyrow in Tschetschenien
  • Ramsan Kadyrow will altes Moskau-Trauma nicht wecken
  • Ukraine-Krieg aktuell: Kadyrow Truppen "kämpfen" nur im Netz

Ramsan Kadyrow inszeniert sich gern als Wladimir Putins treuester Gefolgsmann. "Wir sind Putins Infanterietruppen", verkündete der tschetschenische Machthaber einst. Offiziell will er den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit 70.880 Soldaten unterstützen. Doch die tatsächlichen Zahlen erzählen eine völlig andere Geschichte.

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Wladimir Putin ausgetrickst von Ramsan Kadyrow

Nach Berechnungen der russischen Plattform "Mediazona", über die "The Economist" berichtete, kamen bis Mitte Juli 2026 lediglich 539 tschetschenische Kämpfer in der Ukraine ums Leben. Das entspricht gerade einmal 0,2 Prozent aller russischen Gefallenen - obwohl Tschetschenen 1,1 Prozent der russischen Gesamtbevölkerung ausmachen. Eine Diskrepanz, die Kadyrows Kriegsrhetorik dem Bericht zufolge als das entlarvt, was sie offenbar ist: vor allem Show für Wladimir Putin.

Wladimir Putin braucht Ramsan Kadyrow in Tschetschenien

Für Wladimir Putin, der zuletzt mit einer Drohung gegen westliche Handelsschiffe auffiel, erfüllt der tschetschenische Machthaber dennoch eine unverzichtbare Funktion - und zwar gleich auf zwei Ebenen. Innenpolitisch zerschlug Kadyrow mit harter Hand die Unabhängigkeitsbewegung in der Kaukasusrepublik und sorgte dafür, dass die regionalen Eliten fest an Moskau gebunden wurden. Im Gegenzug erhielt er weitreichende Macht über seine Teilrepublik, die er seit 2007 als Präsident regiert - international allerdings begleitet von massiver Kritik wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen.

Nach außen liefert Kadyrow dafür zuverlässig das, was der Kreml braucht: lautstarke Kriegsbegeisterung und demonstrative Treue. Hinter den Kulissen jedoch agiert er offenbar mit bemerkenswerter Vorsicht. Ein Insider aus seinem Umfeld bestätigte dem "Economist", dass Kadyrow "die Situation sehr gut" verstehe.

Ramsan Kadyrow will altes Moskau-Trauma nicht wecken

Die Wurzeln dieser kalkulierten Zurückhaltung reichen Jahrzehnte zurück. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kämpfte die mehrheitlich muslimische Republik für ihre Unabhängigkeit von Moskau. Ab 1999 ließ Putin als damaliger Regierungschef die Separatisten militärisch niederwalzen - mit verheerender Brutalität. Kadyrow selbst stand zunächst auf der Seite der Unabhängigkeitsbewegung, bevor er die Fronten wechselte und dafür von Putin mit Macht belohnt wurde.

Laut dem "Economist" sind die Erinnerungen an das russische Vorgehen bei der älteren Generation noch tief verankert. An dieses kollektive Trauma wolle Kadyrow nicht rühren. Tschetschenische Soldaten massenhaft in einen russischen Krieg zu schicken, aus dem sie in Leichensäcken zurückkehren - das könnte alte Wunden aufreißen, die Kadyrows Herrschaft gefährlich werden.

Ukraine-Krieg aktuell: Kadyrows Truppen "kämpfen" nur im Netz

Statt an vorderster Linie zu kämpfen, machen tschetschenische Einheiten offenbar vor allem durch ihre Präsenz in sozialen Netzwerken von sich reden. Russische Militärblogger haben dafür längst einen eigenen Spott-Begriff geprägt: "TikTok-Kämpfer". Laut dem "Economist" fallen Kadyrows Truppen hauptsächlich durch aufwendig produzierte Videos weit abseits der eigentlichen Kampfhandlungen auf.

Dass dahinter System steckt, bestätigte ein tschetschenischer Insider aus dem engsten Umfeld des Machthabers dem britischen Magazin:

  • "Sie scheinen zwar teilzunehmen, haben aber die Anweisung erhalten, es nicht zu übertreiben und auf sich selbst zu achten."

Maximale Sichtbarkeit bei minimalem Risiko - so lässt sich Kadyrows Kriegsstrategie auf eine Formel bringen.

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