Annalena Baerbock offen wie nie: Sexismus, Hass und Familie - Baerbock zieht schonungslose Bilanz
Ein Jahr nach ihrem Wechsel an die Spitze der UN-Generalversammlung blickt Annalena Baerbock auf ihre Zeit als Außenministerin zurück – und spricht offen über Hass, Sexismus und die persönlichen Folgen für ihre Familie. Besonders ein Satz über ihre Töchter dürfte viele überraschen.
Erstellt von Sarah Baumann-Rüster - Uhr
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- Annalena Baerbock schildert massive sexistische Anfeindungen während ihrer Zeit als Außenministerin
- Die Grünen-Politikerin berichtet, dass die Hasskampagnen sie zeitweise an ihre persönlichen Grenzen brachten
- Nach dem Ende ihrer Ministerinnenzeit genießt sie vor allem die neu gewonnene Zeit mit ihren Töchtern
Knapp ein Jahr nach ihrem Wechsel an die Spitze der UN-Generalversammlung zieht Annalena Baerbock Bilanz über ihre Zeit als deutsche Außenministerin – und rechnet dabei mit dem Sexismus in der politischen Arena ab. In einem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" beschreibt die 45-jährige Grünen-Politikerin eine Dynamik, die Frauen in exponierten Positionen besonders hart treffe.
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Annalena Baerbock rechnet mit Sexismus in der Politik ab
"Bei Frauen jedoch kommt, egal ob Sport oder Spitzenpolitik, je sichtbarer man wird, immer noch eine zusätzliche Angriffslinie dazu", so Baerbock. "Dann ist plötzlich die Stimme zu hoch oder die High Heels." In sozialen Netzwerken werde das Ganze dann noch mit Begriffen wie "Nutte" oder "F*tze" garniert. Derartige Beschimpfungen, stellt sie nüchtern fest, blieben Kollegen wie Robert Habeck oder Friedrich Merz schlicht erspart.
Schmähkampagnen brachten Baerbock zeitweise an ihre persönlichen Grenzen
Gegen sachliche Kritik hat die frühere Leistungssportlerin nach eigener Aussage nichts einzuwenden – Selbstreflexion sei für sie sogar unverzichtbar. Doch die systematischen Schmähkampagnen hätten sie zeitweise an ihre Grenzen gebracht. "Es gab Momente, wo ich dachte: Wie lange kann ich das vor allem meinen Kindern noch zumuten?", räumt Baerbock ein.
In ihrer nach eigenen Worten schlimmsten Phase habe ihr eine andere Frau einen entscheidenden Ratschlag gegeben: "Das Ziel ist, Sie kaputtzuschießen. Bleiben Sie jetzt einfach stehen. Aber Sie schaffen das nur, wenn Sie für ein paar Tage gar nichts lesen und Ihre Handys abgeben", schildert die frühere Außenministerin.Das Wissen, dass solche Attacken gezielt junge Frauen vom politischen Engagement abschrecken sollen, habe bei ihr paradoxerweise "zu immer mehr innerer Freiheit geführt". Ihr Antrieb sei es nun gerade, den nachfolgenden Frauen den Weg zu ebnen.
Familie statt Ministeramt: Baerbocks bewegendes Fazit
Besonders die Auswirkungen auf ihre Familie beschäftigen Baerbock bis heute. Gemeinsam mit ihren beiden Töchtern im Teenageralter lebt sie derzeit in den USA. Für Kinder sei es alles andere als angenehm, eine Mutter im permanenten medialen Rampenlicht zu haben, erklärt sie.
Dem Zerbrechen der Ampel-Koalition kann die Grünen-Politikerin deshalb zumindest eine positive Seite abgewinnen: "Ich habe meinen absolut geliebten Job verloren, aber meine Töchter wiedergewonnen." Ein Satz, der die ganze Zerrissenheit zwischen politischer Leidenschaft und familiärem Preis auf den Punkt bringt. Das Ende ihrer Ministerinnenzeit war demnach beruflich ein Verlust – menschlich aber offenbar ein Gewinn.
Wie geht es für Annalena Baerbock nach der UN weiter?
Wohin es Baerbock nach dem Ende ihrer UN-Tätigkeit im Herbst verschlägt, lässt sie bewusst offen. Sie wolle ein "neues Lebenskapitel aufschlagen", verriet sie der "Süddeutschen Zeitung" – ob dieses in Berlin oder New York spielt, behielt sie jedoch für sich.
Klar ist: Die Politikerin will weitermachen, und zwar auf ihre eigene Art. "Wenn eh schon alles über einen geschrieben ist, dann mache ich es jetzt erst recht auf meine Art", so Baerbock. Dabei treibt sie vor allem ein Motiv an: Sie wolle den Weg bereiten für die Generation junger Frauen, die nach ihr in die Politik drängen wird.
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sba/news.de/stg
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