München: Wadlbeißer" mit weichem Herz - Erwin Huber wird 80

Parteisoldat - so nannte er sich, so nannten sie ihn. Erwin Huber hat die CSU und Bayern jahrzehntelang mitgeprägt, bis auf ein Intermezzo als Parteichef aber aus der zweiten Reihe. Nun wird er 80.

Erstellt von - Uhr

Die Türme der Münchner Frauenkirche. Aktuelle Nachrichten aus und über München hier auf news.de. (Foto) Suche
Die Türme der Münchner Frauenkirche. Aktuelle Nachrichten aus und über München hier auf news.de. Bild: Adobe Stock / igorp1976

Er war der Vorsitzende mit der bisher kürzesten Amtszeit in der Geschichte der CSU - und hat die Partei und die Politik in Bayern doch über Jahrzehnte hinweg mitgeprägt: Erwin Huber war CSU-Generalsekretär, Staatskanzleichef, Finanzminister, Wirtschaftsminister, ein gutes Jahr lang CSU-Vorsitzender und am Ende 40 Jahre Landtagsabgeordneter. Erst 2018, mit 72 Jahren, schied er aus dem Parlament aus - und ging doch nicht in Rente: Bis dieses Jahr blieb er Kreistagsabgeordneter. Und studierte in München noch Philosophie. Nächsten Sonntag (26. Juli) wird der Niederbayer 80 Jahre alt.

Huber, von dem es immer hieß, er könne ohne Politik nicht leben, räumt ein: "Ich glaube schon, dass Politik Suchtelemente hat." Wenn man Ämter loslassen müsse, gebe es Verlustängste, die man bewältigen müsse. "Aber ich habe auch diesen Kampf bestanden." Geholfen habe die Familie, geholfen hätten seine zwei Kinder und fünf Enkel. "Ich bin jetzt völlig mit mir im Reinen. Ich schaue auch mit Stolz und Zufriedenheit auf meine politische Arbeit zurück."

Generalsekretär und "Wadlbeißer"

Über Jahrzehnte hinweg war Huber einer der klügsten Köpfe der CSU. Mit seinem analytischen Scharfsinn, seinem politischen Gespür und seinem Detailwissen konnten es nicht viele in der Partei aufnehmen.

Unter Franz Josef Strauß und dann Theo Waigel wurde Huber CSU-Generalsekretär. "Wadlbeißer" wurde er genannt, weil er die politischen Gegner so hart anging. Das Generalsekretärs-Amt habe ihn lange verfolgt, sagt Huber heute: das Schwarz-weiß-Malen statt Differenzieren, das Harte und Kämpferische, das auf dem Posten nötig sei - obwohl dies nicht seinem Wesenskern entspreche. "Ich bin ein braver Mensch", sagt Huber. "Auch wenn das ein bisschen selbst lobend klingt: Im Grunde habe ich ein weiches Herz."

1994 machte Edmund Stoiber ihn zum Staatskanzleichef - der Beginn einer langen Karriere im Kabinett. "Ich habe meine politischen Ämter eigentlich immer als Dienst verstanden, nicht als Macht", sagt Huber. Und: Er habe sich immer voll auf das Amt konzentriert, das er hatte, ohne auf das nächste zu schielen. "Vielleicht war das auch ein Mangel, dass ich zu wenig machtbewusst war."

Fast ewige Nummer zwei

Huber, der sich aus kleinen Verhältnissen hatte hocharbeiten müssen, war und blieb fast durchgängig ein Mann der zweiten Reihe. Er war der gewiefte Stratege und fleißige Arbeiter im Hintergrund, die ewige Nummer zwei hinter Edmund Stoiber. Nummer eins konnte und wollte er nicht werden - der gelernte Finanzbeamte und Volkswirt hatte seine Erfüllung als Finanzminister gefunden.

Bis das Jahr 2007 kam. Als Stoibers Karriere als Ministerpräsident und Parteichef im Sturm zu Ende ging, teilten Huber und der damalige Innenminister Günther Beckstein die Ämter unter sich auf. Jener Parteitag im Herbst 2007, auf dem Huber zum neuen CSU-Chef gewählt wurde, war im Rückblick der wohl größte Erfolg seiner politischen Karriere. In einer Kampfabstimmung setzte sich der Niederbayer damals gegen Horst Seehofer durch - die beiden sollten später quasi in einer ewigen Intimfeindschaft miteinander verbunden bleiben.

Vielleicht hätte er damals ins Bundeskabinett wechseln sollen, statt unter Beckstein Finanzminister zu werden, sagt Huber heute. Aber er habe damals das Gefühl gehabt, dass die verwundete Partei einen "Sanitäter" in München brauche - doch damit habe er das Amt des CSU-Vorsitzenden letztlich kleiner gemacht. "So gesehen habe ich damals eine falsche Entscheidung getroffen." Und was ihn noch schmerzt: die Beerdigung des Transrapid im Jahr 2008.

"In Freud und Schmerz so ziemlich alles mitgemacht"

Wie nahe Erfolg und Niederlage beieinander liegen können, musste Huber auch bereits ein Jahr später erfahren: Nach der CSU-Pleite bei der Landtagswahl 2008 und dem Verlust der absoluten Mehrheit musste Huber den Parteivorsitz schon wieder abgeben - ausgerechnet an Seehofer. Und weil parallel eine Krise um die bayerische Landesbank tobte, war Huber auch seinen Posten als Finanzminister los. "In der Politik gibt es immer Höhen und Tiefen, und ich habe in Freud und Schmerz so ziemlich alles mitgemacht", sagte Huber einmal.

Doch das war nicht das Ende von Hubers politischer Karriere. Der Niederbayer, der sich selbst gerne als Parteisoldaten bezeichnete und den auch andere so nannten, trat zurück ins Glied und arbeitete weiter: als Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses. "Resignation kenne ich nicht", sagt Huber heute. "Jeder Fall tut weh. Jeder Sturz hinterlässt Blessuren, blaue Flecken oder auch Brüche - die aber wieder heilen." Und nach der großen Trommel "habe ich dann halt auf der kleineren weitergeschlagen".

Huber bei den Grünen

Unerschrocken war Huber weiterhin, wenn es um eigene Wortmeldungen ging. Auch vor Dissens mit seinen Nachfolgern Seehofer und Markus Söder schreckte er nie zurück. Er stand und steht zu seinen Positionen und Überzeugungen.

Für Schlagzeilen sorgte Huber, als er vergangenes Jahr als Gast auf einer Klausur der Landtags-Grünen auftrat. Warum? Weil er das beständige Grünen-Bashing von Söder & Co. für falsch gehalten habe. Und weil er während seines Philosophie-Studiums Kontakt hatte zu Klimaschützern, auch einem Mitglied der Letzten Generation. Und da müsse er an seinen jüngsten Enkel denken. "Wenn der so alt ist wie ich, schreibt man das Jahr 2100", sagt Huber. "Ich möchte eigentlich, dass der unter vernünftigen klimatischen Bedingungen leben kann."

Klar, dass Söder Hubers-Auftritt kritisch kommentierte. Huber ist es egal. Er berichtet stattdessen von viel Zuspruch, von der CSU-Basis und aus anderen Parteien. Und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass er auch weiter sagen wird, was er denkt - ob es dem Parteivorsitzenden nun in den Kram passt oder nicht.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

Weitere aktuelle News im Ressort "Politik":

/roj/news.de

Themen:

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.