Geplante Gesundheitsreform: Kassenärzte schlagen Alarm - Millionen Arzttermine bald futsch?
46 Millionen Behandlungen weniger pro Jahr, Aufnahmestopps in Praxen und längere Wartezeiten: Deutschlands Kassenärzte schlagen wegen der geplanten Gesundheitsreform von Ministerin Nina Warken Alarm. Selbst der Koalitionspartner SPD geht auf Konfrontationskurs.
Erstellt von Claudia Löwe - Uhr
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- Bundesgesundheitsministerium plant Mega-Reform - Widerstand bei Kassenärzten
- Millionen Arzttermine auf der Kippe wegen geplanten Sparmaßnahmen
- Kassenärzte-Chef warnt vor drastischen Einschnitten - ambulante Leistungen in Gefahr?
Die geplante Gesundheitsreform von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sorgt für massiven Widerstand bei den Kassenärzten. Eine Studie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) prognostiziert dramatische Folgen: Durch die vorgesehenen Sparmaßnahmen könnten jährlich rund 46 Millionen Behandlungen wegfallen – ein Rückgang um etwa acht Prozent. Im ungünstigsten Szenario rechnen die Mediziner sogar mit bis zu 170 Millionen weniger Behandlungsfällen.
Millionen Arzttermine auf der Kippe wegen geplanten Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem
Für gesetzlich Versicherte würde dies spürbare Konsequenzen haben. Längere Wartezeiten auf Termine, ein eingeschränktes Leistungsangebot und mögliche Aufnahmestopps in Praxen drohen. Die Kassenärzte wehren sich vor allem gegen die geplanten Honorarkürzungen, die Teil des umfassenden Sparpakets der Bundesregierung sind.
Das Bundeskabinett verabschiedete Ende April 2026 ein umfassendes Sparpaket für das Gesundheitswesen. Ziel ist es, die gesetzlichen Krankenkassen bis 2027 um 16,3 Milliarden Euro zu entlasten – damit soll das prognostizierte Defizit von 15,3 Milliarden Euro ausgeglichen werden. Das Gesetz muss noch Bundestag und Bundesrat passieren.
Gesundheitsministerin Warken plant16,3 Milliarden Euro Entlastung für die Krankenkassen
Die Einsparungen treffen verschiedene Bereiche: Neben Kliniken und der Pharmaindustrie sind auch die niedergelassenen Ärzte betroffen. Für die ambulante Versorgung stehen laut KBV künftig 2,7 Milliarden Euro weniger zur Verfügung. Die konkreten Auswirkungen wären erheblich: Hausärzte könnten statt bisher durchschnittlich 984 Patienten pro Quartal nur noch 892 behandeln. Bei Kinderärzten würde die Zahl von 1.189 auf 1.124 Fälle sinken.
Kassenärzte-Chef warnt vor drastischen Einschnitten - das blüht Patientinnen und Patienten
KBV-Vorsitzender Andreas Gassen übt scharfe Kritik an den Reformplänen. "Vor uns liegt ein heckenschnittartiges Spargesetz. Kommt es in der bisher vorliegenden Form, werden die Kassenärztlichen Vereinigungen das ambulante Leistungsangebot reduzieren müssen", erklärte er gegenüber "Bild". Ärzte seien Unternehmer – bei sinkenden Einnahmen müssten Praxen ihr Angebot zwangsläufig einschränken.
Die Situation ist laut KBV bereits jetzt angespannt. Dem Papier zufolge erbringen Fachärztinnen und Fachärzte schon heute mehr als 40 Millionen Behandlungstermine ohne entsprechende Vergütung. Bereits nach dem Kabinettsbeschluss Ende April hatte die Kassenärztliche Bundesvereinigung vor spürbaren Konsequenzen für Patienten gewarnt – mit weniger verfügbaren Terminen und einem reduzierten Leistungsangebot.
SPD sträubt sich gegen Teile des Sparpakets
Auch innerhalb der Regierungskoalition regt sich Widerstand gegen die Reformpläne. SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt fordert einen anderen Ansatz: Es brauche "echte Strukturreformen, die Ausgaben und Versorgungsqualität wieder stärker zusammenbringen", sagte sie dem Portal t-online. Konkret lehnt die SPD mehrere Vorhaben ab – darunter die geplante Erhöhung der Medikamenten-Zuzahlung von derzeit 5 bis 10 Euro auf künftig 7,50 bis 15 Euro pro Packung sowie Einschränkungen bei der beitragsfreien Familienversicherung von Ehepartnern.
Gesundheitsministerin Warken verteidigt ihren Sparkurs dennoch. Die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen seien "schlichtweg nicht mehr finanzierbar", erklärte sie in der "Ärzte-Zeitung". Mit den Maßnahmen wolle sie eine weitere Explosion der Kassenbeiträge verhindern.
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loc/news.de/dpa/stg
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