Timothy Snyder: "Gescheiterte Faschisten!" Experte rechnet mit Trump-Regierung ab
Die Trump-Regierung steht erneut im Fokus harter Kritik. Historiker Timothy Snyder spricht von "faschistischen Elementen", zieht aber eine klare historische Grenze. Sein Urteil: eine gefährliche Mischung aus Ideologie, Geldgier und politischem Chaos.
Von news.de Redakteurin Anika Bube - Uhr
Suche
- Faschismus-Vergleich: Snyder sieht "faschistische Elemente" in der Trump-Regierung
- Zentraler Unterschied: Geldgier statt ideologischer Staatsmacht
- "Gescheiterte Faschisten" ohne echtes Machtkonzept
Der renommierte Historiker Timothy Snyder sieht in der Trump-Regierung durchaus faschistische Züge. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied zu den historischen Vorbildern. Im Interview mit dem "The Daily Beast Podcast" analysiert der Experte für Autoritarismus die aktuelle politische Lage der USA.
Weitere aktuelle Meldungen aus dem Politik-Ressort finden Sie am Ende dieses Artikels.
"Es gibt faschistische Elemente!" Historiker analysiert Trump-Regierung
"Es gibt faschistische Elemente, aber ihnen fehlen auch einige Merkmale", erklärt Snyder. Der zentrale Unterschied: Während historische Faschisten nicht primär auf Geld aus waren, gehe es den Akteuren um Trump vor allem um persönliche Bereicherung. "Sie haben faschistische Momente, aber sie werden abgelenkt von dem Wunsch, unglaublich reich zu sterben." Hinzu kommt laut Snyder eine gezielte Schwächung staatlicher Institutionen. Ein Phänomen, das er als "Supermacht-Suizid" bezeichnet.
Bei aller Kritik an der Geldgier erkennt Snyder durchaus Parallelen zum historischen Faschismus. "Man muss sagen, dass viele schreckliche Dinge damit verbunden sind, wie Aggression und Grausamkeit", betont der Historiker. Er verweist dabei insbesondere auf Verteidigungsminister Pete Hegseth, der laut Snyder nicht an die Verfassung, die Gewaltenteilung oder religiösen Pluralismus glaube. Hegseth vertrete die Ansicht, die USA sollten ein theokratischer Staat sein, und halte es daher für legitim, das Militär gegen amerikanische Mitbürger einzusetzen. Der Historiker sieht hier eine gefährliche Mischung aus Inkompetenz und Böswilligkeit, die sich in einer einzelnen Person vereinen könne.
"Gescheiterte Faschisten!" Der entscheidende Unterschied zwischen Faschismus und Trumpismus
Doch genau hier endet für Snyder die Parallele. Historische Faschisten hätten einen starken Staat gewollt und verstanden, dass sie Kriege gewinnen müssen. "Diese Leute reden gerne vom Gewinnen, aber sie haben nicht das Zeug dazu, darüber nachzudenken, was es tatsächlich bedeutet, einen Krieg zu gewinnen", analysiert der Historiker. Snyder prägt dafür einen neuen Begriff: "gescheiterte Faschisten". Sie wollten, dass jemand anderes die Arbeit des Faschismus für sie erledige. "Sie wollen das Stolzieren und Posieren, aber nicht den anderen Teil." Auch die antistaatliche Ideologie unterscheide sich fundamental: Nazis und Kommunisten wollten den Staat für ihre Zwecke nutzen, nicht zerstören.
[snippet]644277[/snippet]
Hoffnung durch Widerstand gegen Donald Trump
Trotz seiner düsteren Analyse zeigt sich Snyder optimistisch. Die USA befänden sich zwar in einem Zustand des "kompetitiven Autoritarismus" – mit unfairer Medienlandschaft und Einschüchterungsversuchen gegen politische Gegner. Doch demokratische Wahlen seien weiterhin möglich, wie der Sturz von Viktor Orbán in Ungarn beweise. Der Schlüssel liege in der Aktivierung der Zivilgesellschaft: lokale Organisationen, Proteste und ein klarer Fokus auf den Rechtsstaat. "Es fällt nicht einfach, weil man in den Umfragen führt", warnt Snyder. Entscheidend sei, dass Bürger in den kommenden Monaten unbequeme politische Verantwortung übernähmen – und sich weigerten, autoritäre Tendenzen als normal zu akzeptieren.
Weitere Meldungen rund um Donald Trump finden Sie hier:
- "Die USA begehen Selbstmord" – Historiker mit düsterer Trump-Prognose
- Nach Mathe-Blamage - US-Minister verteidigt Trumps Rechenkünste
- "Der Kult schrumpft" – Trumps Macht zerbricht vor aller Augen
- "Er baut kognitiv massiv ab!" Trump-Nichte schlägt Alarm
- Überraschende Trennung von Donald Trump - Ende Mai ist Schluss
bua/ife/news.de/cpt
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.