Wladimir Putin: Russland-Experte sicher - Bereitschaft, Putin aus dem Angst zu jagen, wächst

Muss Wladimir Putin einen Sturz fürchten? Ein Russland-Experte zeigte sich in einem aktuellen Interview überzeugt, dass die Bereitschaft der Russen, den Kremlchef aus dem Angst zu jagen, immer mehr wächst. Der Westen könnte mit einem simplen Trick dazu beitragen, dass es dazu kommt.

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Ein Russland-Experte ist sicher: Die Bereitschaft der Russen wächst, Putin aus dem Amt zu jagen. (Foto) Suche
Ein Russland-Experte ist sicher: Die Bereitschaft der Russen wächst, Putin aus dem Amt zu jagen. Bild: picture alliance:dpa:Pool Sputnik Kremlin | Sergei Bobylev
  • Wladimir Putin muss Sturz fürchten laut Russland-Experte
  • Bereitschaft der Russen wächst, Kremlchef aus dem Amt zu jagen
  • Westen könnte Putins Sturz mit einem simplen Trick beschleunigen

Russlands Wirtschaft steckt aktuell laut dem früheren Kreml-Berater Vladislav Inozemcev in einer paradoxen Situation: Obwohl die Einnahmen aus dem Ölexport steigen, kommt das Wachstum nicht in Gang.

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Im Interview mit der "Welt" erklärte der Ökonom: "Praktisch zum ersten Mal seit Jahren ist es so, dass hereinfließendes Geld zu keinem Wachstum führt, ja nicht einmal zu einem Gefühl, dass Wachstum möglich ist." Denn der Staat ersticke das Geschäftsklima durch massive Regulierung, Steuererhöhungen und Druck auf Unternehmer. Die Folge: Geschäftsleute hätten Angst und der Wunsch auszuwandern sei wieder stark gestiegen.

Ölmilliarden versickern in Putins Kriegskasse und Schulden

Doch wohin fließen die Exporterlöse? Nach Inozemcevs Analyse nutzen die großen Rohstoffkonzerne ihre Einnahmen vor allem zur Begleichung hoher Kredite und zum Ausgleich von Schäden durch ukrainische Drohnenangriffe. Der Staat wiederum finanziere den Krieg und stopfe die Löcher im Haushalt. Denn das Haushaltsdefizit übersteige bereits deutlich den Jahresplan. Die zusätzlichen Einnahmen müssten daher mindestens bis Herbst zum Ausgleich verwendet werden.

Bereitschaft der Russen wächst, Kremlchef Putin aus dem Amt zu jagen

Gleichzeitig schlagen sich die wirtschaftlichen Probleme in der Stimmung nieder. Laut Inozemcev ist Putins Popularität auf den niedrigsten Wert seit 2021 gefallen. "Es wächst die Bereitschaft, Putin aus dem Amt zu jagen und sich hinter einem anderen zu sammeln – auch wenn unklar bleibt, was daraus werden könnte", ist der frühere Kreml-Berater überzeugt. Selbst bisher loyale Unterstützer seien inzwischen unzufrieden. Und dass nicht nur wegen der ökonomischen Lage, sondern auch wegen Einschränkungen wie ständigen Internetunterbrechungen.

Russland-Experte zieht historischen Vergleich - Putin dem Untergang geweiht?

Der frühere Kreml-Berater zieht in diesem Zusammenhang einen historischen Vergleich: Die aktuelle Situation erinnere an die Endphase der Sowjetunion. Damals hätten Menschen mit völlig unterschiedlichen Vorstellungen einen gemeinsamen Feind gehabt. Heute sei es ähnlich: "Den einen ist Putin zu weich im Ukraine-Krieg, die anderen wollen wirtschaftlich mehr Freiheiten, die nächsten fühlen sich beim Spielen im Internet gestört." Eine Revolution hält Inozemcev zwar für unwahrscheinlich, doch die Bereitschaft, Putin abzusetzen, wachse stetig.

Westen könnte Putins Sturz mit einem simplen Trick beschleunigen

Laut Inozemcev könnte der Westen Putins Sturz mit einem simplen Trick beschleunigen, da er über ein mächtiges, aber ungenutztes Instrument verfügt: gezielte Streichungen von der Sanktionsliste. Rund 9.000 Russen stehen derzeit auf westlichen Listen – darunter Gouverneure, Abgeordnete, Generäle und Oligarchen. Inozemcev schlägt vor, ausgewählte Personen wie etwa den Moskauer Bürgermeister Sobjanin von den Sanktionen auszunehmen.

Könnten gelockerte Sanktionen Putins Ende besiegeln?

Die Folgen wären nach seiner Einschätzung dramatisch: "Am selben Abend bekommt Sobjanin Besuch vom Geheimdienst FSB, weil Putin meint, dass Sobjanin und die anderen 99 eine Verschwörung mit dem Westen eingegangen sind." Da keiner der wohlhabenden Mächtigen ins Gefängnis wolle, würde ein Machtkampf mit dem Kreml beginnen. Zusätzlich könnte der Westen Teilen der politischen Elite signalisieren, sie als künftige Staatsführung zu akzeptieren. "Wenn der Westen einen Regime-Change will, muss er Sanktionen aufheben", so Inozemcevs Fazit.

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