Donald Trump: "Absurd!" Expertin zerlegt Trumps "Arzt"-Ausrede 

Ein Jesus-Bild von Donald Trump sorgt für Aufruhr und verschwindet plötzlich wieder aus dem Netz. Der US-Präsident spricht von einer harmlosen Arzt-Szene, doch Experten sehen etwas völlig anderes. Eine Kunsthistorikerin erkennt darin eine brisante Botschaft.

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Eine Kunsthistorikerin zerlegt Donald Trump. (Foto) Suche
Eine Kunsthistorikerin zerlegt Donald Trump. Bild: picture alliance/dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
  • Donald Trump entfernt umstrittenes Jesus-Bild nach Kritik
  • Experten widersprechen: Kunsthistorikerin nennt seine Erklärung "absurd"
  • Religiöse Symbolik: Darstellung erinnert an biblische Heilungswunder

Ein Bild, das mehr als nur Fragen aufwirft: Ein von Donald Trump veröffentlichtes Jesus-Motiv sorgt für heftige Kritik und verschwindet kurze Zeit später wieder. Was als harmlose Arzt-Szene verkauft wird, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als hoch aufgeladene Inszenierung. Eine Expertin zerlegt nun die offizielle Erklärung und findet brisante religiöse Botschaften.

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Donald Trump versuchte, die Darstellung als harmlose Arzt-Szene abzutun, doch diese Erklärung hält einer fachkundigen Prüfung nicht stand. Die Kunsthistorikerin Teresa Bischoff widerspricht der Rechtfertigung des US-Präsidenten deutlich. "Diese Begründung, er würde sich hier als Arzt oder eben auch als Helfer des Roten Kreuzes darstellen, das ist meiner Meinung nach eigentlich absurd", erklärt sie gegenüber "Focus Online". Die religiöse Aufladung des Werks sei derart offensichtlich, dass jede rein weltliche Deutung schlicht nicht greife.

Wo die Medizin versagt, tritt Trump als Retter auf

Bischoff sieht in dem Bild deutliche Anleihen an neutestamentlichen Erzählungen. "Das ist in gewisser Hinsicht eine biblische Erzählung. Es gibt im Neuen Testament eine Geschichte, in der Jesus einen Aussätzigen heilt", führt die Expertin aus. Die Geste des Handauflegens werde dadurch zu einem sakralen Akt stilisiert.

Besonders aufschlussreich sei die Rolle der Nebenfiguren: Eine Krankenschwester im Bild symbolisiere die moderne Medizin, die scheinbar an ihre Grenzen stoße. "Während die moderne, im Bild durch eine Krankenschwester symbolisiert, scheinbar versagt, tritt Trump als übermenschliche Instanz auf, die dort Erfolg hat, wo die Wissenschaft endet", analysiert Bischoff die Bildkomposition.

Die Kunsthistorikerin entdeckt weitere religiöse Verweise in den Details des Bildes. Auf der linken Seite identifiziert sie eine Frau in klassischer Gebetshaltung, die sie als "Figur der Maria als Fürbitterin" einordnet. "Da wurde ganz tief in der Kiste der christlichen Ikonografie gegraben, um Trump als Heilsbringer zu inszenieren", urteilt Bischoff.

Selbst die Lichtstimmung im Werk erinnert an die leuchtende Glaskugel aus "Salvator Mundi"-Darstellungen, die Christus als Weltenretter zeigen. Im Hintergrund tauchen zudem rätselhafte Gestalten auf, die Bischoff als "Mischung aus ganz unterschiedlichen Hintergründen" beschreibt – von den vier apokalyptischen Reitern bis hin zu martialischen Computerspielfiguren.

Ein Werk ohne klare Epoche

Diese visuelle Kollision verschiedener Einflüsse macht das KI-Bild nach Bischoffs Einschätzung zu einem charakteristischen Produkt unserer Zeit. Die Künstliche Intelligenz vermischt sakrale Elemente mit modernen Versatzstücken und bedient sich dabei aus unterschiedlichen "Schubladen der Kunstgeschichte".

Das Ergebnis sei ein Werk, das keiner bestimmten Epoche zugeordnet werden könne. Stattdessen verschmelzen jahrhundertealte christliche Bildtraditionen mit zeitgenössischer Ästhetik zu einer Inszenierung, die Trump unmissverständlich als Heilsbringer präsentiert – weit entfernt von der harmlosen Arzt-Darstellung, als die er das Bild verkaufen wollte.

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