Erneuter Angriff auf Atomkraftwerk Buschehr: Experten warnen vor "großer nuklearer Katastrophe"
Ein weiterer Angriff auf das iranische Atomkraftwerk Buschehr lässt die Alarmglocken schrillen: Zwar blieb die Kernanlage nach ersten Angaben intakt, doch Experten und Diplomaten warnen eindringlich vor einem Szenario mit katastrophalen Folgen.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
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- Das iranische Atomkraftwerk Buschehr wurde erneut aus der Luft angegriffen
- Die IAEA meldet keine erhöhte Strahlung, warnt aber mit ungewöhnlich deutlichen Worten
- Ein schwerer Treffer könnte Trinkwasser, Umwelt und Millionen Menschen in der Region gefährden
Die Sorge vor einer nuklearen Katastrophe im Nahen Osten wird immer größer. Am Samstagmorgen wurde das iranische Atomkraftwerk Buschehr erneut aus der Luft angegriffen – bereits zum vierten Mal seit Beginn des Konflikts am 28. Februar. Der Angriff erfolgte nach iranischen Angaben um 8.30 Uhr Ortszeit. Dabei kam ein Sicherheitsmann ums Leben. Noch ist der ganz große Super-GAU offenbar ausgeblieben. Doch der neue Treffer zeigt, wie gefährlich die Lage inzwischen geworden ist: Wenn ein Atomkraftwerk zum Ziel wird, kann schon ein einziger schwerer Einschlag eine ganze Region ins Verderben stürzen.
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Iran-AKW Buschehr erneut getroffen – Experten fürchten nukleare Katastrophe
Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim wurde bei dem Angriff ein Nebengebäude der Anlage beschädigt. Die Kerninfrastruktur des Kraftwerks sei nach ersten Untersuchungen jedoch intakt geblieben. Auch der Betrieb der Anlage soll demnach nicht beeinträchtigt worden sein. Das Kraftwerk Buschehr liegt rund 750 Kilometer südlich von Teheran direkt am Persischen Golf und genau diese Lage macht den Vorfall so brisant. Denn hier geht es nicht nur um einen militärischen Schlag. Es geht um eine Anlage, deren Beschädigung weit über Iran hinaus Folgen haben könnte.
IAEA warnt nach Angriff auf Buschehr Atomkraftwerke "niemals" angreifen
Zwar gab die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zunächst Entwarnung: Nach dem Angriff seien keine erhöhten Strahlenwerte gemessen worden. Doch in Wien schrillten trotzdem die Alarmglocken. IAEA-Generaldirektor Rafael Mariano Grossi reagierte mit ungewöhnlich klaren Worten. Er äußerte "tiefe Besorgnis" über den Angriff und stellte unmissverständlich klar, dass Atomkraftwerke "niemals angegriffen werden dürfen". Diese Warnung kommt nicht ohne Grund. Denn in der Anlage befinden sich erhebliche Mengen radioaktiven Materials. Kommt es dort zu schweren Schäden, könnte das nach Einschätzung von Experten langanhaltende und grenzüberschreitende Folgen haben – mit einem Risiko, das weit über einen "normalen" Militärschlag hinausgeht.
Droht ein nuklearer Super-GAU? Warum Experten jetzt Alarm schlagen
Noch ist kein nuklearer Ernstfall eingetreten. Doch genau das macht die Lage so heikel: Es braucht womöglich nur einen weiteren schweren Treffer. Experten warnen seit Jahren davor, dass Angriffe auf sensible Atomanlagen zu einem Szenario führen könnten, das militärisch nicht mehr kontrollierbar ist. Denn anders als bei klassischen Infrastrukturzielen endet die Gefahr bei einem Atomkraftwerk nicht mit dem Einschlag. Wenn radioaktives Material freigesetzt wird, drohen langfristige Verseuchung, Gesundheitsgefahren für Millionen Menschen, massive Umweltschäden und womöglich ein regionaler Ausnahmezustand. Buschehr ist damit nicht nur ein militärisches Ziel – sondern ein potenzieller Kipppunkt für die gesamte Region.
Russland warnt vor "realem Risiko" einer schweren Atomkatastrophe
Auch aus Moskau kommen inzwischen deutliche Warnungen. Der russische Diplomat Michail Uljanow kritisierte die Reaktion der IAEA als nicht ausreichend. Die Antwort der Behörde werde der Schwere der Lage nicht gerecht, so sein Vorwurf. Besonders brisant: Uljanow erinnerte an einen früheren Vorfall im vergangenen Monat. Damals soll ein Geschoss nur 200 Meter von einem aktiven Reaktor entfernt eingeschlagen sein. Seine Warnung fiel entsprechend drastisch aus: "Ein weiterer Angriff kann nicht ausgeschlossen werden". Und weiter: "Dies birgt ein reales Risiko einer schweren nuklearen Katastrophe." Das ist eine Formulierung, die in einem ohnehin angespannten Kriegsumfeld kaum drastischer sein könnte.
Besonders explosiv ist auch die geografische Lage des Kraftwerks. Denn Buschehr liegt direkt an der Küste des Persischen Golfs. Sollte es dort zu einer Freisetzung radioaktiver Stoffe kommen, könnte nicht nur das direkte Umfeld betroffen sein. Dann stünde womöglich auch das Meerwasser auf dem Spiel. Und genau das wäre für die Region ein Albtraum. Denn zahlreiche Staaten am Golf sind in hohem Maß auf Entsalzungsanlagen angewiesen, um ihre Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen. Würde kontaminiertes Meerwasser in diese Systeme gelangen, hätte das potenziell dramatische Folgen für die Wassersicherheit ganzer Staaten.
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