Missbrauchsfälle: "Correctiv"-Bericht weist auf mögliche Vertuschung im Vatikan hin

Das Ausmaß sexueller Gewalt in der katholischen Kirche bleibt schwer zu überblicken. "Correctiv" veröffentlicht nun eine Recherche – sie soll die Verantwortung des Vatikans in dem Kontext zeigen.

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Papst Leo XIV. (r), der US-Amerikaner Robert Prevost, auf dem Balkon des Petersdoms im Vatikan. (Foto) Suche
Papst Leo XIV. (r), der US-Amerikaner Robert Prevost, auf dem Balkon des Petersdoms im Vatikan. Bild: picture alliance/dpa | Oliver Weiken

Ein Bericht der Rechercheplattform "Correctiv" sieht Hinweise auf eine mögliche Vertuschung von Fällen sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche durch den Vatikan. In der Recherche wird auch Joseph Ratzinger, der spätere deutsche Papst Benedikt XVI., erwähnt. "Correctiv" stützt sich in dem Bericht auf 20 gesammelte Briefwechsel zwischen Bischöfen aus aller Welt an den Vatikan, in denen Missbrauchsfälle gemeldet wurden.

Solche Fälle wurden insbesondere nach einer 2001 eingeführten Pflicht der Meldung von sexuellem Missbrauch in den Bistümern in der zuständigen vatikanischen Behörde, der Glaubenskongregation, systematisch aufbewahrt und mit Protokollnummern erfasst – aber der Recherche zufolge streng unter Verschluss gehalten. Demnach handelte der Vatikan bei solchen Fällen erst spät, hob Strafen sogar wieder auf und wahrte stets absolute Geheimhaltung.

Der Glaubenskongregation, heute Dikasterium für die Glaubenslehre und eine der mächtigsten Behörden des Vatikans, stand Ratzinger vor seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt mehr als 20 Jahre – von 1981 bis 2005 – vor. 2005 wurde er zum Pontifex gewählt, 2013 trat er überraschend zurück. Am 31. Dezember 2022 starb der emeritierte Papst im vatikanischen Kloster "Mater Ecclesiae".

Papst Franziskus erwähnte "große weiße Kiste"

Seit längerem wird davon ausgegangen, dass es in den Archiven des Vatikans im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch bestimmte Dokumente gibt, die nicht veröffentlicht werden dürfen. Auch Benedikts Nachfolger Papst Franziskus erwähnte in seiner wenige Monate vor seinem Tod 2025 veröffentlichten Autobiografie eine "große weiße Kiste" mit Dokumenten über verschiedene Skandale der katholischen Kirche, die ihm sein Vorgänger überreicht habe.

Die von "Correctiv" durchgesehenen Dokumente sollen dem Bericht zufolge belegen, dass Missbrauchsfälle in den Archiven des Vatikans geheim gehalten und in einem "bürokratischen System verschwinden" gelassen wurden.

"Correctiv" erhielt nach eigenen Angaben keine Antwort verschiedener Stellen im Vatikan auf Anfragen zu seinen Rechercheergebnissen. Die Deutsche Presse-Agentur hat ebenfalls um eine Stellungnahme gebeten, zunächst aber ebenfalls keine Antwort erhalten.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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