Donald Trump : Der große Widerspruch der US-Politik
Der Ölpreis explodiert und plötzlich wird aus geopolitischer Härte pragmatische Energiepolitik. Donald Trump lockert Sanktionen gegen russisches Öl, um die Märkte zu beruhigen. In Moskau sorgt die Entscheidung für Genugtuung und in Europa für scharfe Kritik. Ein Kommentar.
Von news.de Redakteurin Anika Bube - Uhr
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- Sanktionslockerung: Die USA erlauben vorübergehend den Verkauf von russischem Öl, das bereits auf Tankern geladen ist.
- Ölpreis-Schock: Der Krieg mit Iran hat den Preis auf rund 100 Dollar pro Barrel getrieben.
- Politischer Streit: Kanzler Friedrich Merz kritisiert Washington – der Westen wirkt plötzlich uneinig.
Wenn die Energiepreise explodieren, geraten politische Prinzipien schnell ins Wanken. Genau das zeigt jetzt eine Entscheidung von US-Präsident Donald Trump. Seine Regierung hat Sanktionen gegen russisches Öl vorübergehend gelockert. Öl, das sich bereits auf Tankern befindet, darf vorerst verkauft werden. Offiziell eine technische Maßnahme. Die Begründung aus Washington: Der Krieg mit dem Iran treibt die Energiepreise massiv nach oben. Der Markt müsse stabilisiert werden. Der Ölpreis liegt inzwischen bei rund 100 Dollar pro Barrel – ein dramatischer Anstieg innerhalb weniger Wochen. Doch politisch sendet die Entscheidung eine deutlich größere Botschaft.
Kreml reagiert zufrieden auf Trump-Entscheidung
In Moskau wurde die Nachricht mit sichtlicher Zufriedenheit aufgenommen. Kremlvertreter erklärten offen, die USA würden damit "das Offensichtliche" anerkennen: Ohne russisches Öl lasse sich der Weltmarkt kaum stabil halten. Für Wladimir Putin ist das ein propagandistischer Erfolg. Denn die westlichen Sanktionen sollten ursprünglich genau das verhindern: Russlands Einnahmen aus dem Energiesektor reduzieren, um den Krieg gegen die Ukraine wirtschaftlich zu schwächen. Jede Lockerung – selbst eine kurzfristige – sendet deshalb ein widersprüchliches Signal. Russland kann kurzfristig zusätzliche Einnahmen erzielen. Und politisch entsteht ein noch größerer Effekt: Der Westen wirkt uneinig.
Friedrich Merz kritisiert USA – Streit unter G7-Staaten
Besonders in Europa sorgt die Entscheidung für Kritik. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Lockerung als "das falsche Signal". Sechs der sieben Staaten der Gruppe der Sieben hätten sich dagegen ausgesprochen, sagte Merz. Washington stehe damit faktisch allein. Sein Argument: Es gebe derzeit zwar ein Preisproblem – aber kein echtes Versorgungsproblem. Mit anderen Worten: Die Entscheidung sei weniger energiepolitisch notwendig als politisch bequem.
Kritiker vermuten hinter der Maßnahme eine klare Priorität: Stabilität an den Energiemärkten. Steigende Ölpreise treiben nicht nur die Benzinkosten nach oben – sie können auch Börsen und Wirtschaft unter Druck setzen. Beobachter warnen deshalb bereits: Ausgerechnet Russland könnte indirekt zum Profiteur des Konflikts zwischen den USA und Iran werden. Die geopolitische Lage wirkt paradox. Russland steht strategisch näher an Iran als an den USA. Trotzdem wird russisches Öl nun zum Notfallinstrument, um den Weltmarkt zu beruhigen.
Risiko für die Glaubwürdigkeit der Sanktionen
Die Ausnahme ist zwar zeitlich begrenzt. Doch geopolitisch zählt nicht nur die Dauer – sondern das Signal. Wenn Sanktionen in Krisenmomenten gelockert werden, verlieren sie langfristig an Glaubwürdigkeit. Gerade gegenüber Moskau. Der Westen wollte zeigen, dass ein Angriffskrieg wirtschaftliche Konsequenzen hat. Jetzt entsteht der Eindruck: Diese Konsequenzen gelten nur so lange, wie der Ölpreis nicht zu stark steigt. Realpolitik mag kurzfristig die Preise an den Tankstellen drücken. Strategisch könnte sie jedoch genau das stärken, was sie eigentlich schwächen sollte: Russlands Rolle als unverzichtbarer Energielieferant.
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