"Steadfast Dart 26" gestartet: Nato wappnet sich mit Großmanöver an der Ostsee für den Ernstfall ohne USA
Ohne die USA, dafür mit 10.000 Soldaten aus 13 Nationen ist mit "Steadfast Dart 26" die größte Nato-Übung des Jahres an der Ostseeküste gestartet. Das Manöver folgt keinem fiktiven Drehbuch, sondern wird als echte Operation geführt.
Erstellt von Claudia Löwe - Uhr
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- Nato beginnt "Steadfast Dart 26"-Manöver an der Ostsee in Schleswig-Holstein
- Militärische Großübung hat begonnen: Truppenverstärkung mit amphibischer Landeoperation wird geprobt
- Größtes Nato-Manöver des Jahres 2026 mit 10.000 Soldaten aus 13 Nationen
Die größte Nato-Übung des Jahres 2026 hat offiziell begonnen: Am 18. Februar fiel an der Ostseeküste in Schleswig-Holstein der Startschuss für das Manöver "Steadfast Dart 26", für das insgesamt rund 10.000 Soldaten, mehr als 1.500 Fahrzeuge und 17 Schiffe aus 13 Nationen zusammengezogen wurden. Die Verbündeten demonstrieren, wie Truppen aus Südeuropa schnell näher an die Ostflanke des Bündnisses verlegt werden. Allerdings findet das Nato-Manöver ohne direkte Beteiligung der USA statt.
Nato-Manöver "Steadfast Dart 26" an der Ostseeküste gestartet - ohne US-Beteiligung
Im Mittelpunkt von "Steadfast Dart 26" steht die schnelle Verlegung von Truppen aus Südeuropa an die östliche Flanke des Bündnisses. Die Streitkräfte der Allied Reaction Force – der schnellen Eingreiftruppe der Nato – werden dabei aus südeuropäischen Ländern quer durch Europa nach Deutschland transportiert. Die Bundesrepublik fungiert als zentrale Drehscheibe für diese Truppenbewegungen. Bei der amphibischen Anlandung sind nach Nato-Angaben 15 Schiffe mit 2.600 Soldaten im Einsatz. Den Auftakt machten Taucher und Spezialkräfte, anschließend kamen Landungsboote zum Einsatz. Die Übung ist nach Angaben der Bundeswehr defensiv ausgerichtet und dient ausschließlich der Abschreckung möglicher Aggressoren sowie dem Schutz des Bündnisgebiets.
Nato übt amphibische Anlandung - Taucher und Spezialkräfte bei "Steadfast Dart 26" an der Ostsee
Einsatzkräfte der spanischen und türkischen Marine absolvierten die Übung am Truppenübungsplatz Putlos, der etwa 50 Kilometer östlich von Kiel liegt, wie unter anderem bei der "Zeit" zu lesen ist. Taucher machten den Anfang und stiegen aus dem Wasser auf den schneebedeckten Strand, um den Küstenabschnitt zu sichern. Kurz darauf kamen Spezialkräfte auf Schnellbooten an. Am Himmel dröhnten Kampfflugzeuge hoch über der Küste, die - dem Szenario folgend - gegnerische Ziele bekämpften. Kampfschrauber kreisten über dem Strand, um den ersten Kräften am Boden Luftunterstützung zu geben. Es folgten gepanzerte amphibische Angriffsfahrzeuge des türkischen Typs Zaha. Die Schwimmpanzer schoben eine Bugwelle vor sich her und rollten unter Getöse auf den Strand. Anwesende Offiziere beschrieben die Komplexität im Zusammenspiel von Landstreitkräften, Marine und Luftwaffe als herausfordernd.
Das Kommando über die Operation führt der deutsche Nato-General Ingo Gerhartz, der im niederländischen Brunssum das Allied Joint Force Command leitet. Dieses operative Hauptquartier ist für die Verteidigung Mitteleuropas verantwortlich – vom Atlantik bis zur östlichen Bündnisgrenze. Die größten Truppenkontingente stellen südeuropäische Länder wie die Türkei, Spanien, Italien und Griechenland. Mit der Verlegung der Allied Reaction Force zeige die Nato, "dass wir in einer möglichen Krise sehr schnell einem möglichen Gegner aufzeigen können, wo die roten Linien liegen", sagte Nato-General Ingo Gerhartz.
Diese Rolle spielt die Bundeswehr bei der Nato-Übung "Steadfast Dart 26"
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Rund 7.300 Soldaten der Nato-Partner sind im Rahmen der Übung dabei. Die Bundesrepublik übernimmt dabei als Gastland umfangreiche Unterstützungsaufgaben für die Allied Reaction Force. Die Bundeswehr stellt Unterkünfte und Verpflegung für die ausländischen Streitkräfte bereit. Zum Leistungsumfang gehören außerdem die Betankung von Fahrzeugen und Flugzeugen sowie der Transport von Material. Insgesamt werden etwa 1.500 Fahrzeuge erwartet – von Lastwagen bis hin zu Panzerhaubitzen. Darüber hinaus richtet die Bundeswehr Lager- und Abstellflächen für Waffensysteme und Munition ein. Auch Instandhaltungskapazitäten sowie Bewachung und Absicherung inklusive Drohnenabwehr zählen zu den deutschen Aufgaben. An der Unterstützung sind sowohl militärische als auch zivile Bundeswehrangehörige beteiligt.
Schnelle Eingreiftruppe der Nato innerhalb von zehn Tagen einsatzbereit
Die Allied Reaction Force wurde 2024 als Nachfolgerin der Nato Response Force aufgestellt. Der schnell verlegbare Einsatzverband umfasst 40.000 Soldaten, die bereits nach zehn Tagen einsatzbereit sind. Insgesamt sieht das neue Nato-Streitkräftemodell bis zu 800.000 Soldaten vor, die innerhalb von sechs Monaten mit bis zu 200.000 Fahrzeugen im gesamten Operationsraum zum Einsatz kommen können.
Eine Besonderheit von "Steadfast Dart 26": Der Übung liegt kein fiktives Szenario zugrunde. Das Manöver wird als echte Operation geplant und geführt. Damit soll die eigene Einsatzbereitschaft erhöht und potenzielle Aggressoren abgeschreckt werden. Bei "Steadfast Dart 26" handelt es sich um die zweite große Verlegeübung der ARF. Im vergangenen Jahr übten rund 10.000 Soldaten aus neun Nationen bereits eine Verlegung an die südöstliche Nato-Flanke nach Rumänien, Bulgarien und Griechenland.
Die nach Deutschland verlegten Truppen gehen nun in weitere Übungen. Auf dem Truppenübungsplatz Bergen in der Lüneburger Heide werden der Kampf zu Lande und die dafür nötigen Waffensysteme demonstriert. Ukrainer werden auch den Kampf mit und die Bekämpfung von Drohnen vorführen. Von den Fronterfahrungen der Ukrainer soll die Bundeswehr künftig verstärkt profitieren. Die Regierungen in Berlin und Kiew haben mit einem Abkommen den Weg dafür geebnet, ukrainische Ausbilder in der Bundeswehr einzusetzen. Geplant ist, vor allem an den Truppenschulen des Heeres die Erfahrungen ukrainischer Soldaten in die Ausbildung einfließen zu lassen.
Verteidigungsminister Pistorius bei Nato-Manöver als Beobachter dabei
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) verfolgte die amphibische Landeoperation als Beobachter. Er wollte sich im Anschluss gemeinsam mit Nato-General Gerhartz zu der Übung äußern.
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loc/news.de/dpa/stg
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