Arbeitszeit-Reform geplant: Merz-Regierung will 8-Stunden-Tag kippen - das droht Arbeitnehmern

Die Bundesregierung will den klassischen 8-Stunden-Tag aufweichen. Statt täglicher Grenzen soll künftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gelten – kombiniert mit steuerfreien Überstunden und weniger Bürokratie für Betriebe.

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Die Merz-Regierung will den Acht-Stunden-Tag kippen. (Foto) Suche
Die Merz-Regierung will den Acht-Stunden-Tag kippen. Bild: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka
  • Regierung plant Wochenarbeitszeit statt 8-Stunden-Tag
  • Überstunden-Zuschläge sollen steuerfrei werden
  • Reform gilt nicht nur für Tourismus, sondern für alle Branchen

Das Bundeskabinett verabschiedet am Mittwoch (28.01.2026) eine neue nationale Tourismusstrategie, die grundlegende Veränderungen im deutschen Arbeitsrecht mit sich bringt. Kernpunkt der Reform: Der klassische Acht-Stunden-Tag soll durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzt werden. Wie "Bild" berichtet, will die Regierung damit "die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit schaffen". Die Neuregelung zielt auf eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ab. Obwohl die Änderungen ursprünglich für die Tourismusbranche konzipiert wurden, sollen sie künftig für sämtliche Wirtschaftsbereiche gelten.

8-Stunden-Tag bald Geschichte: Mehr Spielraum für Arbeitnehmer und Betriebe?

Das geltende Arbeitszeitgesetz schreibt vor, dass die tägliche Arbeitszeit von acht Stunden nur in Ausnahmefällen auf zehn Stunden ausgedehnt werden darf. Voraussetzung ist dabei, dass innerhalb eines halben Jahres der Durchschnitt von acht Stunden pro Werktag nicht überschritten wird. Mit der geplanten Umstellung auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit würden diese starren Grenzen fallen. Eltern hätten beispielsweise die Möglichkeit, an einzelnen Tagen länger zu arbeiten und dafür an anderen Tagen komplett freizunehmen. Besonders das Gastgewerbe und die Tourismusbranche mit ihren typischen Saison-, Wochenend- und Nachtschichten würden von dieser Lockerung profitieren.

Steuerfreie Überstunden als Arbeitsanreiz

Neben der flexibleren Arbeitszeitgestaltung plant die Bundesregierung auch finanzielle Anreize für Mehrarbeit. Laut dem Strategiepapier sollen Überstundenzuschläge künftig von der Steuer befreit werden. Zusätzlich will der Bund einmalige Prämien steuerlich begünstigen, wenn Teilzeitbeschäftigte ihre Arbeitszeit ausweiten. Christoph Ploß, Tourismuskoordinator der Bundesregierung, kündigte an, dass die Flexibilisierung der Arbeitszeiten "noch in diesem Jahr" beschlossen werden soll. "Davon werden nicht nur mittelständische Unternehmen profitieren, sondern auch Millionen Arbeitnehmer in Deutschland", betont der CDU-Politiker.

Weniger Bürokratie für Unternehmen

Die Tourismusstrategie sieht auch Entlastungen für die Branche vor. So sollen die Beiträge zum Reisesicherungsfonds sinken, der Urlauber bei Pleiten von Reiseveranstaltern absichert. Der Fonds sei mittlerweile gut gefüllt, niedrigere Kosten könnten sich positiv auf die Reisepreise auswirken. Darüber hinaus sollen sogenannte Praxis-Checks unnötige Vorschriften und Berichtspflichten in Betrieben identifizieren. Gerade kleine Unternehmen würden durch bürokratischen Aufwand unverhältnismäßig stark belastet, heißt es im Strategiepapier. Sören Hartmann, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft, begrüßte "den klaren wirtschaftspolitischen Fokus der Strategie" und bezeichnete sie als "wichtiges Signal für die Branche".

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