Trump-Wende in Davos: Wie Nato-Chef Rutte den US-Präsidenten vom Grönland-Kurs abbrachte

Er polterte, drohte und ruderte dann zurück: Beim Weltwirtschaftsforum in Davos sorgte US-Präsident Donald Trump für eine spektakuläre Wende. Statt Strafzöllen und Grönland-Annexion gibt es plötzlich Verhandlungen. Hinter den Kulissen zog ausgerechnet Nato-Chef Mark Rutte die Fäden.

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Donald Trump überrascht mit Grönland-Wende. (Foto) Suche
Donald Trump überrascht mit Grönland-Wende. Bild: picture alliance/dpa/AP | Evan Vucci
  • Trump überrascht in Davos: Erst Zoll-Drohungen gegen Europa, dann plötzliche Kehrtwende bei Grönland
  • Nato-Chef Mark Rutte als Strippenzieher: Mit Diplomatie verhindert er die Annexion der Arktisinsel
  • Börsen jubeln: Wall Street feiert Trumps Kurswechsel mit kräftigem Plus

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos sorgte US-Präsident Donald Trump für eine überraschende Kehrtwende. Nachdem er zunächst mit scharfer Kritik an Europa und massiven Zolldrohungen aufgetreten war, verkündete der 79-Jährige nur Stunden später über seine Plattform Truth Social einen "Rahmen für ein künftiges Abkommen in Bezug auf Grönland". Die zuvor angedrohten Strafzölle von zehn Prozent gegen acht europäische Länder – darunter auch Deutschland – nahm Trump vorerst zurück. Die Finanzmärkte reagierten mit Begeisterung auf diese überraschende Entwicklung: An der Wall Street legte der Dow Jones um 588 Punkte zu.

Grönland-Wende in Davos: Nato-Chef Mark Rutte überzeugt Donald Trump

Der Tag in Davos glich einer emotionalen Achterbahnfahrt. Was mit harten Forderungen nach einer Übernahme Grönlands begann, endete mit Verhandlungsbereitschaft und der Aussicht auf weitere Gespräche. Hinter dem diplomatischen Durchbruch steckt vor allem ein Name: Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Der 58-jährige Niederländer hatte sich bereits zuvor als geschickter Vermittler im Umgang mit Trump einen Namen gemacht – einmal bezeichnete er den US-Präsidenten sogar öffentlich als "Daddy".

Zwischen beiden Politikern entwickelte sich ein ungewöhnlich enges Verhältnis. Laut "Bild" sagte Rutte dem Präsidenten praktisch alles zu, was dieser verlangte – mit einer entscheidenden Ausnahme: den tatsächlichen Besitz Grönlands. Sein geschicktes Argument überzeugte Trump schließlich: Man müsse die Arktisinsel nicht besitzen, um sie zu kontrollieren. Bei den entscheidenden Gesprächen waren nach "Bild"-Informationen auch WEF-Chef Børge Brende und Blackrock-CEO Larry Fink anwesend.

Der ausgehandelte Kompromiss sieht einen deutlichen Ausbau der amerikanischen Militärpräsenz auf Grönland vor. Besonders im Fokus steht dabei das geplante Raketenabwehrsystem "Golden Dome" mit einem Volumen von 175 Milliarden Dollar. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" könnten die USA sogar Souveränität über bestimmte Militärzonen erhalten. Als Vorbild dient das Zypern-Modell: Dort gehören die britischen Luftwaffenstützpunkte Akrotiri und Dhekelia bis heute zum Staatsgebiet des Vereinigten Königreichs. Zusätzlich wurden offenbar Investitionskontrollen beim Rohstoffabbau auf der Arktisinsel besprochen. Damit sollen China und Russland wirtschaftlich und strategisch von Grönland ferngehalten werden. Im Gegenzug ließ Trump seine ursprüngliche Forderung nach einer formellen Annexion des dänischen Territoriums fallen.

Dänemark zeigt sich vorsichtig optimistisch

Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen bewertete die Entwicklung zurückhaltend positiv: "Der Tag endete besser, als er begonnen hat." Trump selbst sprach von einer Weichenstellung "für alle Ewigkeit", hielt sich mit konkreten Details jedoch bedeckt. Weitere Verhandlungsrunden wurden angekündigt. Ex-Trump-Berater John Bolton erklärte gegenüber "Bild", der Präsident sei mit der festen Überzeugung in die Gespräche gegangen, Europa werde letztlich nachgeben. Tatsächlich rückte jedoch Trump selbst von seinen Maximalforderungen ab. Ein Grund dafür könnte laut Bolton ein drohendes innenpolitisches Erdbeben gewesen sein, das sein kompromissloser Grönland-Kurs in den USA auszulösen drohte. Der republikanische Senator Lindsey Graham kommentierte: "Einer der größten Verlierer dieser Rede könnte Wladimir Putin sein."

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