Donald Trump: Machtkampf um Grönland spitzt sich zu – Europa schickt Soldaten

Nur Stunden nach dem ergebnislosen Grönland-Gipfel in Washington setzt Europa ein deutliches Zeichen. Militärmaschinen landen nachts auf der Arktisinsel – und weitere Truppen sind bereits unterwegs.

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Donald Trump greift nach Grönland. (Foto) Suche
Donald Trump greift nach Grönland. Bild: picture alliance/dpa/AP | Alex Brandon
  • Nächtliche Militärlandung: Dänische und französische Soldaten treffen wenige Stunden nach dem Krisengipfel auf Grönland ein
  • Trump bleibt hart: US-Präsident will Grönland unter US-Kontrolle – Europa widerspricht
  • Bundeswehr rückt an: 13 deutsche Soldaten sollen Lage für möglichen Einsatz sondieren

Nur sieben Stunden nach dem ergebnislosen Krisengipfel in Washington sind in der Nacht die ersten europäischen Soldaten auf Grönland eingetroffen. Eine Hercules-Transportmaschine der dänischen Luftwaffe landete auf dem Zivilflughafen der Hauptstadt Nuuk – an Bord befanden sich neben dänischen auch französische Militärangehörige. Nahezu zeitgleich setzte eine zweite dänische Maschine auf dem Stützpunkt Kangerlussuaq auf. Beide Flugzeuge waren laut "Bild" mit deaktivierter Kennung und Ortung unterwegs.

Am Donnerstag (15.01.2026) werden auch 13 Bundeswehrsoldaten erwartet. Ein Airbus A400M soll das Erkundungsteam nach Nuuk bringen. Das Verteidigungsministerium bestätigte die Entsendung auf Einladung Dänemarks. Die Soldaten sollen bis Samstag vor Ort bleiben und die Rahmenbedingungen für mögliche militärische Unterstützung erkunden – etwa für Fähigkeiten zur Seeraumüberwachung.

Fundamentale Differenzen nach 50-Minuten-Gespräch

Der Krisengipfel im Eisenhower-Gebäude nahe des Weißen Hauses dauerte gerade einmal 50 Minuten. US-Vizepräsident J.D. Vance und Außenminister Marco Rubio trafen dort auf die Chefdiplomaten aus Dänemark und Grönland. US-Präsident Donald Trump nahm nicht persönlich teil. Das Ergebnis: tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten. Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen erklärte nach dem Treffen, dass amerikanische Sicherheitsinteressen und die territoriale Integrität Dänemarks durchaus vereinbar seien. Washington sehe das jedoch anders. "Mir ist bewusst, dass es Trumps Wunsch ist, Grönland zu erobern", sagte Rasmussen.

Trump hatte bereits vor dem Gespräch seine Position unmissverständlich gemacht: Alles andere als ein Grönland unter US-Kontrolle sei "inakzeptabel". Für ihn komme ausschließlich ein Anschluss der Arktisinsel infrage. Weder Trump noch Vance oder Rubio äußerten sich bislang zum Ausgang des Treffens.

Europäische Allianz koordiniert Einsatz ohne Washington

Die nächtliche Landung markiert den Beginn einer breiter angelegten europäischen Militärpräsenz auf der Arktisinsel. Neben den bereits eingetroffenen dänischen und französischen Soldaten befinden sich weitere Truppen auf dem Weg nach Grönland. Erwartet werden Militärangehörige aus den Niederlanden, Kanada, Schweden, Großbritannien und Norwegen. "Weitere werden folgen", bestätigte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Entsendung auf der Plattform X. Die gemeinsamen Übungen laufen unter dem Namen "Operation Arctic Endurance".

Bemerkenswert ist die Kommandostruktur: Der Einsatz wird von Kopenhagen aus gesteuert – bewusst nicht über die Nato-Strukturen im niederländischen Brunssum. Der Grund liegt in der Zuständigkeit: Die nordischen Nato-Staaten unterstehen normalerweise dem Kommando in Norfolk, USA. Die europäischen Partner wollen den Einsatz jedoch ohne amerikanische Beteiligung durchführen. In Deutschland sind das Verteidigungsministerium und federführend das Kanzleramt eingebunden.

Trumps strategisches Kalkül hinter dem Grönland-Druck

Washington verfolgt mit dem Griff nach Grönland handfeste militärische Ziele. Die 2,17 Millionen Quadratkilometer große Insel soll als strategischer Puffer dienen und einen zentralen Standort für die geplante Raketenabwehr "Golden Dome" bilden. Trump will damit Rivalen wie Russland und China aus der Arktis fernhalten und die amerikanische Dominanz in der Region sichern. Die Rohstoffvorkommen der Insel gelten als zusätzlicher Anreiz. Laut NBC soll Außenminister Rubio beim Gipfel ein Kaufangebot von bis zu 700 Milliarden Dollar unterbreitet haben. Doch weder Geld noch diplomatischer Druck zeigten Wirkung. Grönlands Top-Diplomatin Vivian Motzfeldt stellte nach dem Treffen unmissverständlich klar: "Wir wollen nicht Amerikaner werden!" Die bestehende US-Militärbasis Pituffik Space Base auf Grönland reicht Trump nicht aus. Er erklärte, selbst die Nato-Mitgliedschaft biete keinen ausreichenden Schutz für die Insel.

Arbeitsgruppe soll Kompromiss suchen – Trump schweigt

Als einziges konkretes Ergebnis des Gipfels vereinbarten beide Seiten die Bildung einer Arbeitsgruppe auf höherer Ebene. Diese soll innerhalb weniger Wochen erstmals zusammenkommen und ausloten, ob ein gemeinsamer Weg möglich ist. Der dänische Außenminister Rasmussen fasste die Lage mit einer englischen Redewendung zusammen: "Wir stimmen überein, nicht übereinzustimmen."

Trumps aggressive Grönland-Politik stößt in der eigenen Bevölkerung auf breite Ablehnung. Laut einer Quinnipiac-Umfrage sprechen sich 86 Prozent der Amerikaner gegen eine militärische Übernahme aus. Auch einen Kauf der Insel lehnen 55 Prozent ab. CDU-Außenpolitiker Peter Beyer begrüßte zwar die direkten Gespräche, zeigte sich aber enttäuscht: "Es gab offenbar keine Einigung, ja nicht einmal eine gemeinsame Gesprächsbasis." Trump selbst hat sich zum Ausgang des Treffens bislang nicht geäußert.

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/fka/news.de/dpa/stg

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