Zoff um Arbeitszeit: Söder fordert eine Stunde mehr Arbeit pro Woche - SPD geht auf die Barrikaden
Eine Stunde länger arbeiten pro Woche: Mit diesem Vorstoß hat CSU-Chef Markus Söder einen Koalitionskrach ausgelöst. Während Arbeitgeber applaudieren, kontert die SPD mit einem unbequemen Fakt: Deutsche leisten bereits so viele unbezahlte Überstunden wie nie zuvor.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
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- Söder fordert eine Stunde mehr Arbeit pro Woche
- SPD und Gewerkschaften gehen auf die Barrikaden
- Streit um Wohlstand, Überstunden und Familienleben eskaliert
In der Bundesregierung ist ein heftiger Streit um die Wochenarbeitszeit entbrannt. CSU-Chef Markus Söder fordert, dass Beschäftigte künftig eine Stunde länger pro Woche arbeiten sollen. Dies sei notwendig, um das Rentensystem zu stützen, argumentiert der bayerische Ministerpräsident.
Markus Söder fordert höhere Wochenarbeitszeit - Arbeitgeberverbände stellen sich dahinter
Als Vorbild nennt Söder die Schweiz und andere Länder. "Eine Stunde mehr würde uns allen helfen, das Beispiel Schweiz und andere Länder zeigen es", erklärte er gegenüber "Bild". Tatsächlich liegt die reguläre Vollzeitarbeit in der Schweiz bei 42 Stunden wöchentlich. In Deutschland beträgt sie derzeit durchschnittlich 40,2 Stunden.
Von Seiten der Wirtschaft erhält der CSU-Vorsitzende deutliche Rückendeckung. Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes BDA, betont den Zusammenhang zwischen Arbeitszeit und gesellschaftlichem Wohlergehen. "Mehr Arbeit bedeute mehr Wohlstand und soziale Sicherheit", sagte er. "Da kann man eigentlich nicht dagegen sein."
Auch der CDU-Wirtschaftsrat unterstützt die Initiative. Generalsekretär Wolfgang Steiger erklärte: "Markus Söder hat recht. Mehr Wohlstand erreichen wir vor allem durch mehr Arbeit." Damit formiert sich eine klare Front aus Wirtschaftsvertretern, die längere Arbeitszeiten als Lösung für wirtschaftliche Herausforderungen sehen.
SPD erteilt Söder klare Absage
Die Sozialdemokraten weisen den Vorstoß des CSU-Chefs entschieden zurück. SPD-Wirtschaftsexperte Armand Zorn setzt auf andere Lösungen: Mehr Wirtschaftsleistung entstehe durch neue Technologien, "nicht durch pauschale Arbeitszeitverlängerungen".
SPD-Fraktionsvize Siemtje Möller lenkt den Blick auf die aktuelle Arbeitssituation in Deutschland. Bei der Jahresauftakt-Klausur ihrer Fraktion verwies sie darauf, dass hierzulande bereits Rekordwerte erreicht werden. "Es gibt so viele Überstunden wie noch nie, es gibt auch so viel unbezahlte Überstunden wie noch nie", betonte sie. Die Debatte müsse diese Realität berücksichtigen.
Gewerkschaften warnen vor Folgen für Familien
Die Arbeitnehmerseite lehnt Söders Vorschlag ebenfalls ab. IG-Metall-Chefin Christiane Benner sieht andere Prioritäten: "Unser Industriestandort wird nicht durch mehr Arbeit gerettet, sondern durch Investitionen und gesunde Beschäftigte, die Arbeit und Leben vereinbaren können."
Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung warnt vor negativen Konsequenzen einer verlängerten Arbeitszeit. Besonders betroffen wären demnach Frauen, die neben ihrer Berufstätigkeit Familienaufgaben übernehmen. Eine zusätzliche Wochenstunde würde die ohnehin schwierige Vereinbarkeit von Job und Privatleben weiter erschweren.
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bua/bos/news.de
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