Mega-Stromausfall in Berlin: Kein Strom bis Donnerstag? Warum die Reparatur so lange dauert

Ein gezielter Brandanschlag stürzt den Berliner Südwesten ins Dunkel. Zehntausende sitzen bei Frost ohne Strom, Heizung und warmes Wasser fest – und die Reparatur wird zum Wettlauf gegen Zeit und Kälte.

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Am Samstagmorgen wurde durch eine politisch motivierte Brandstiftung an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal zum Kraftwerk Lichterfelde wichtige Leitungen beschädigt. (Foto) Suche
Am Samstagmorgen wurde durch eine politisch motivierte Brandstiftung an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal zum Kraftwerk Lichterfelde wichtige Leitungen beschädigt. Bild: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow
  • Großflächiger Blackout in Berlin: Bis zu 45.000 Haushalte betroffen
  • Winter-Drama: Kein Licht, keine Heizung, Schulen geschlossen
  • Hochrisiko-Reparatur: Strom erst frühestens am Donnerstag vollständig zurück

Seit dem frühen Samstagmorgen sitzen Zehntausende Menschen im Berliner Südwesten um Dunkeln und in der Kälte. Ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Teltowkanal hat einen der schwersten Stromausfälle in der Geschichte der Hauptstadt ausgelöst. Betroffen sind die Stadtteile Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde.

Ursprünglich waren rund 45.000 Haushalte und mehr als 2.200 Unternehmen ohne Elektrizität. Bis Sonntagabend konnte der Netzbetreiber Stromnetz Berlin etwa 14.000 Haushalte und 500 Gewerbebetriebe wieder ans Netz anschließen. Für die übrigen Betroffenen gibt es jedoch schlechte Nachrichten: Die vollständige Wiederherstellung der Stromversorgung wird voraussichtlich erst am Donnerstagnachmittag abgeschlossen sein.

Bei Minusgraden und Schneefall bedeutet das für viele Bewohner: kein Licht, keine Heizung, kein warmes Wasser. Auch Gasheizungen funktionieren ohne Strom nicht, da die Pumpen elektrisch betrieben werden. Mehrere Schulen bleiben am Montag geschlossen, Eltern müssen auf Notbetreuung in anderen Einrichtungen ausweichen. Auch Kitas sind betroffen. Wer nicht bei Verwandten oder Freunden unterkommen konnte, muss in Notunterkünften ausharren.

Warum die Reparatur nach dem Brandanschlag so kompliziert ist

Der Anschlag richtete massive Schäden an der Infrastruktur an. Fünf Hochspannungskabel mit 110.000 Volt sowie zehn Mittelspannungskabel mit jeweils 10.000 Volt wurden durch die Brandsätze zerstört. Energiesenatorin Franziska Giffey sprach von einem "akuten, sehr, sehr großen Schaden".

Die Reparatur gestaltet sich technisch äußerst anspruchsvoll. An der beschädigten Stelle müssen Fachleute ein Ölkabel mit einem Kunststoffkabel zusammenführen – zwei Leitungstypen, die bisher nicht miteinander verbunden waren. Für diese komplizierte Verbindung werden speziell ausgebildete Experten benötigt.

Der Netzbetreiber arbeitet parallel an zwei Lösungen: Einerseits wird die zerstörte Kabelbrücke direkt repariert, andererseits entsteht ein sogenannter Kabel-Bypass als provisorische Lösung. Das nächste Umspannwerk liegt 14 Kilometer entfernt an der Argentinischen Allee. Dort haben Bauarbeiter am Sonntag mit dem Aushub einer Grube begonnen.

Laut Stromnetz-Sprecher Henrik Beuster sind drei Bagger im Einsatz, um eine 14 Meter lange sowie jeweils vier Meter breite und tiefe Grube auszuheben. Die provisorische Lösung soll schneller fertig sein als die vollständige Reparatur der Kabelbrücke.

Die eisigen Temperaturen von minus zwei Grad erschweren die Reparaturarbeiten erheblich. Die zehn Zentimeter dicken Kabel benötigen Plusgrade, um bearbeitet werden zu können. "Versuchen Sie mal, eines bei Kälte zu biegen", erklärte Stromnetz-Sprecher Beuster gegenüber der "Bild" das Problem. Über der Baugrube wird deshalb ein beheiztes Zelt errichtet. Neben der Wärme ist auch eine staubfreie Umgebung zwingend erforderlich – Sand und Schmutz vertragen die empfindlichen Leitungen nicht.

Unter normalen Umständen würden solche Arbeiten fünf Wochen dauern, wie Senatorin Giffey betonte. Die Teams von Stromnetz Berlin und ihren Partnern arbeiten nun rund um die Uhr, um diese Zeitspanne auf fünf Tage zu verkürzen. Das Vorhaben erfordert zudem umfangreiche Planung und die Beauftragung externer Dienstleister.

Krankenhäuser wieder am Netz, Schulen bleiben geschlossen

Die Auswirkungen des Blackouts treffen besonders sensible Bereiche hart. Aus Pflegeheimen und einer Psychiatrie mussten Bewohner mit Rettungswagen in Einrichtungen mit funktionierender Stromversorgung gebracht werden. Arztpraxen konnten ihre Medikamente nicht mehr kühlen und mussten diese entsorgen.

Inzwischen gibt es erste Erfolge: Alle vier betroffenen Krankenhäuser sind wieder mit Elektrizität versorgt, ebenso 1.500 weitere Haushalte. Das Technische Hilfswerk, die Bundeswehr und Netzbetreiber aus ganz Deutschland haben ihre Unterstützung zugesagt. Die Solidarität sei "sehr groß", so Sprecher Beuster. 2.000 weitere Haushalte konnten laut Betreiber wieder an das Stromnetz angeschlossen werden. Nach Angaben des Berliner Senats haben nunmehr auch die allermeisten Pflegeheime wieder Strom. Dank Notstromaggregaten öffneten etliche Supermärkte, weitere sollen am Dienstag folgen. Handys haben vielfach wieder Netz, weil zahlreiche Mobilfunkmasten wieder in Betrieb sind.

Die Schulen im betroffenen Gebiet bleiben vorerst geschlossen – es fehlt an Heizung und Notstromsystemen. Viele der knapp 2.000 betroffenen Gewerbebetriebe öffneten am Wochenende gar nicht erst, darunter Supermärkte und Tankstellen.

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