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Michael Kretschmer, Richard David Precht, Erich Vad: Diese Russland-Experten blamierten sich mit Falsch-Prognosen

Zahlreiche Russland-Experten sprachen der Ukraine immer wieder ab, zu gewinnen. Auch die deutschen Waffenlieferungen verurteilten sie. Dass sie mit ihren Prognosen falsch lagen, bewies nun das ukrainische Militär: Es konnte wichtige Gebiete zurückerobern.

Das ukrainische Militär konnte Gebiete zurückerobern. (Foto) Suche
Das ukrainische Militär konnte Gebiete zurückerobern. Bild: picture alliance/dpa/Rusian Defense Ministry Press Service/AP | Uncredited

Waffenlieferungen als Kriegsantreiber: Genau das betonten zahlreiche selbsternannte Experten, Promis und Politiker seit dem Beginn des Angriffskriegs in der Ukraine. Sie geben immer wieder Prognosen zum Kriegsverlauf ab. Oftmals zeichnen sie damit das Bild vom russischen Sieg und der unterlegenen Ukraine. Ihrer Meinung nach würde so Wladimir Putin nur noch weiter provoziert werden und die Ukraine würde den Krieg nicht gewinnen. Dass sie damit falsch lagen, zeigte sich am Wochenende.

Ukraine gewinnt Gebiete zurück: Russland-Experten liegen mit Prognosen falsch

Kiew konnte wichtige Gebiete zurückerobern. Unter dem Druck ihrer Gegenoffensiven gab Russlands Verteidigungsministerium am Samstag den Abzug eigener Truppen aus dem östlichen Gebiet Charkiw bekannt. Somit erwiesen sich die Aussagen, dass die Ukraine militärisch gar keine Chance haben würde, als falsch. Das verdeutlichen auch die folgenden Fehleinschätzungen.

Bereits am 24. Februar, als Russland die Ukraine angriff, sagte der ehemalige Bundeswehr-General und Ex-Berater von Angela Merkel, Erich Vad, dass die Sache "militärisch" gelaufen sei. "Und meine Bewertung ist, dass es nur um ein paar Tage gehen wird und nicht mehr." Doch der Krieg dauerte an und die Ukraine erhielt Waffen aus dem Ausland. Dass das osteuropäische Land Waffen erhielt, hielt Vad für "militärisch unsinnig", wie er bei "maybrit illner" klarstellte. Er prognostizierte in der Sendung: "Ich denke, Putin wird diesen Krieg gewinnen, weil die russischen Streitkräfte modern sind, gut ausgestattet sind, eine vielfache Überlegenheit haben [...]"

So ähnlich sah es auch der Politikwissenschaftler Johannes Varwick. Er meinte am 7. März auf Twitter, dass Russland den Krieg wahrscheinlich "militärisch gewinnen" werde. In diesem Zusammenhang fragte er sich zwei Tage nach der Invasion auch, wieso der Westen die Ukraine noch nicht alleine gelassen habe. Bei seiner Meinung blieb er. Russland sei "militärisch weiter eskalationsfähig" unddies würde "mit dem Fall der ukrainischen Regierung" enden. Auf seine Einschätzung beharrt Varwick, auch nachdem das ukrainische Militär Gebiete zurückerobert hat. "Es ist nicht so, dass ich mich nicht über die mil. Erfolge der UKR freue. Nur sehe ich das big picture so, dass diese nicht halten werden. Wer redet zudem über die Opferzahlen? Nur ein Waffenstillstand und eine politische Lösung werden Stabilität bringen", schrieb er auf Twitter.

Ukraine-Krieg einfrieren: Kretschmer schockt mit Ukraine-Aussagen

Dass der Krieg enden müsse, erklärte auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und schockte mit seiner Äußerung, den Krieg einzufrieren. Es seien Verhandlungen nötig, so Sachsens Ministerpräsident. Diese Taktik würde nicht zu einem Ende des Krieges führen, vielmehr würde Russland so die Macht erhalten, weiter über die Ukraine zu richten. Ein Waffenstillstand sei die einzige Lösung, erklärte auch Ralf Stegner bei "Markus Lanz". Laut dem SPD-Politiker könne die Ukraine nur mithilfe der Nato den Krieg gewinnen und Waffenlieferungen würden nichts bringen. Für Kompromisse als militärische Lösung sprach sich auch Sahra Wagenknecht aus. "Da die Ukraine den Krieg gegen die Atommacht Russland militärisch nicht gewinnen kann, muss verhandelt werden und es müssen Kompromisse gemacht werden", zitiert "Bild" die Linken-Politikerin.

Richard David Precht fordert indirekt Kapitulation der Ukraine

Immer wieder ertönten auch Rufe von Prominenten, die deutschen Waffenlieferungen zu stoppen. In einem offenen Brief forderten sie Bundeskanzler Olaf Scholz "weder direkt noch indirekt, weitere schwere Waffen an die Ukraine" zu liefern. Gegen Waffenlieferung sprach sich auch Autor Richard David Precht und schockte mit einer indirekten Kapitulationsaufforderung an die Ukraine am 11. März: "Natürlich hat die Ukraine ein Recht auf Selbstverteidigung, aber auch die Pflicht zur Klugheit, einzusehen, wann man sich ergeben muss."

Politiker sicher: Waffenlieferungen können den Ukraine-Krieg beenden

Anders als die selbsternannten Russland-Experten können Waffen dazu beitragen, dass der Krieg enden könnte, erklärte Jamila Schäfer, Außenpolitik-Expertin der Grünen gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Jedes befreite Dorf, jede befreite Stadt in der Ukraine heißt weniger Unrecht. Je entschiedener wir mit Materiallieferungen helfen, desto schneller kann der Krieg beendet werden."

Grünen-Chef Omid Nouripour fordert angesichts der Erfolge der Ukraine gegen die russischen Invasionstruppen mehr deutsche Waffenlieferungen für Kiew. "Wir müssen den Bedarf der Ukraine nach Fähigkeiten in den Mittelpunkt stellen. Gerade jetzt, bevor der Winter kommt, müssen wir die Ukraine dabei unterstützen, in diesem Jahr noch so viel wie möglich von ihrem eigenen Land zu befreien", sagte er der "Augsburger Allgemeinen" (Montag). Beim Ringtausch rüstet Deutschland osteuropäische Nato-Partner mit Leopard-Kampfpanzern und Schützenpanzern Marder aus, die dafür ältere Panzer sowjetischer Bauart an die Ukraine abgeben. Der FDP-Verteidigungsexperte Marcus Faber forderte die direkte Lieferung von Marder-Schützenpanzern. "Mit unseren Panzern würde die Befreiung schneller vorankommen, und weniger Ukrainer müssten sterben", sagte er der "Bild"-Zeitung (Montag). Der Finanzminister, FDP-Chef Christian Lindner, sagte "Bild" angesichts des Etappensiegs der Ukraine: "Wir müssen jeden Tag prüfen, ob wir noch mehr tun können, um ihr in diesem Krieg beizustehen."

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/rad/news.de/dpa

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