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Wirbel um Impfpflicht-Debatte: Jetzt zweifeln sogar unsere Top-Virologen an einer Impfpflicht

Die Infektionszahlen in Deutschland schießen immer weiter in die Höhe. Eine Tatsache, die die Debatte um eine Impfpflicht erneut entfacht. Selbst Deutschlands Top-Virologen hegen nun offenbar Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer allgemeinen Impfpflicht.

Nun mischen auch Deutschlands Top-Virologen bei der Impfpflicht-Debatte mit. Bild: Adobe Stock/gradt

Mit 133.536 registrierten Neuinfektionen an einem Tag erreicht die Corona-Welle in Deutschland bislang unbekannte Höhen. Damit stieg die Inzidenz am Donnerstagmorgen (20.01.2022) auf 638,8 an. Die Bundesregierung rechnet mit einem weiteren Anstieg. Und es soll noch schlimmer werden: Gesundheitsminister Karl Lauterbach rechnet bis Mitte Februar mit mehreren Hunderttausend Corona-Neuinfektionen am Tag. Viele Politiker, allen voran Bundeskanzler Olaf Scholz, fordern daher eine baldige Impfpflicht. Gehalten hat Scholz sein Versprechen bislang jedoch nicht. Stattdessen droht immer mehr Widerstand. Selbst Deutschlands Top-Virologen zweifeln an einer allgemeinen Impfpflicht.

Debatte um Impfpflicht: Selbst Deutschlands-Top-Virologen haben Zweifel

Während die Ampel die Impfpflicht-Debatte erst nächste Woche im Bundestag besprechen will, melden sich Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr, Prof. Alexander Kekulé, Direktor an der Uni Halle-Wittenberg und Prof. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut bereits jetzt zu Wort. Laut "Bild" halten die Experten eine Impfpflicht für wenig sinnvoll. Der Grund: die neue Omikron-Variante, die zwar hochansteckend ist, aber auch deutlich milder ist als sein aggressiver Vorgänger.

Virologen sicher: Impfpflicht habe "sich durch Omikron erledigt"

Auch Virologe Klaus Stöhr hat dazu eine klare Meinung: "Was hilft uns eine Impfpflicht etwa ab März oder April, wenn alle Omikron-Messen schon gesungen sind?", erklärt er im Gespräch mit "Bild". Dann sei das Schlimmste ohnehin vorbei. Weiter ergänzt er: "Wir nähern uns dem Ende der Pandemie." Ähnlich sieht es auch Virologe Alexander Kekulé aus Halle. Auch er ist der Meinung, die Diskussion über eine Impfpflicht habe "sich durch Omikron erledigt". "Im Grunde haben wir es fast mit einem anderen Virus zu tun", so der 63-Jährige. Im Gespräch mit "Bild" offenbart er seine Prognose: "Auch deshalb würde eine allgemeine Impfpflicht, selbst wenn sie zu hundert Prozent durchgesetzt werden könnte, nur einen geringen epidemiologischen Schutz bieten."

Boykott geplant! Auch Kassenärzte stellen sich gegen Lauterbach

Zweifel an einer Impfpflicht hegt auch Virologe Jonas Schmidt-Chanasit. Auch er sieht aktuell nur wenig Sinn in einer Impfpflicht. Erstmal "schauen, wie viele Menschen sind geimpft und genesen" lautet der aktuelle Rat des Experten. Mit ihrer Meinung stehen die Experten nicht allein da. Zuvor hatten bereits die Kassenärzte die geplante Impfpflicht öffentlich kritisiert und zum Boykott aufgerufen: "Wir werden unseren Ärzten nicht zumuten, eine Impfpflicht gegen den Willen der Patienten zu exekutieren", kündigte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Andreas Gassen gegenüber der "Bild"-Zeitung an.

Impfpflicht soll nächste Corona-Welle im Herbst stoppen

Fakt ist jedoch auch, dass doppelt Geimpfte und dreifach Geimpfte deutlich besser vor einem schweren Corona-Verlauf geschützt sind als ungeimpfte Menschen. Das gilt auch bei einer Omikron-Infektion. Lauterbach sprach sich daher für ein schnelles Inkrafttreten einer allgemeinen Impfpflicht aus. Die Impfpflicht müsse schnell kommen. "Wenn wir einen Antrag machen wollen, der noch funktioniert, dann ist das ein Antrag, der die Impfpflicht in Kraft setzt - was weiß ich - im April oder um den April herum, vielleicht im Mai." Bis Ungeimpfte dann drei Impfungen hätten, sei es September oder Oktober. Abgewendet werden solle schließlich eine nächste Corona-Welle im Herbst, wie sie von Virologen ohne eine ausreichende Gesamtimmunisierung erwartet wird.

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sba/loc/news.de/dpa