Tierschutz: Qualzucht bei Hunden: Wenn Schönheit krank macht

Kurze Schnauzen, besondere Fellfarben oder Falten: Was für Menschen niedlich aussieht, kann für Hunde zur gesundheitlichen Belastung werden. Solche Äußerlichkeiten sind oft mit Schmerz verbunden.

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Aktuelle Nachrichten rund um das Thema Tiere lesen Sie hier auf news.de (Symbolbild). Bild: Adobe Stock / satori

Hunde gehören zu den beliebtesten Haustieren in Deutschland. Für viele Menschen sind sie Familienmitglieder, Begleiter im Alltag oder Partner beim Sport und in der Freizeit. Bei der Wahl eines Vierbeiners spielt auch das Aussehen eine Rolle: Manche mögen besonders kleine Hunde, auffällige Fellfarben oder kurze Schnauzen.

Doch Merkmale, die Menschen süß oder besonders finden, können für die Tiere gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Wenn Hunde gezielt auf Merkmale gezüchtet werden, die ihrer Gesundheit oder ihrem Wohlbefinden schaden, spricht man laut Tierschutzgesetz von Qualzucht. Ein Überblick zum Welthundetag am 10. Oktober:

Kurze Schnauzen können das Atmen erschweren

Besonders betroffen sind Hunde mit sehr kurzen Schnauzen. Bei Möpsen und Französischen Bulldoggen treten Atemwegserkrankungen vergleichsweise häufig auf. Ihre veränderte Schädel- und Gesichtsform kann die Atemwege verengen. "Der Großteil leidet unter Atemnot und einer Störung der Wärmeregulation", sagt Tierärztin Lisa Hoth-Zimak vom Deutschen Tierschutzbund.

Eine mögliche Folge ist das brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom, kurz BOAS. Betroffene Hunde haben Schwierigkeiten beim Atmen. Ihre Atmung kann laut und geräuschvoll sein. Bei Bewegung und hohen Temperaturen können sie schnell überhitzen. Auch die Belastbarkeit und der Schlaf sind mitunter beeinträchtigt, in schweren Fällen droht eine Operation.

Nicht nur die Schnauze kann zum Problem werden

Der Deutsche Tierschutzbund nennt auch andere mögliche Qualzuchtmerkmale. Dazu gehören bestimmte Formen von Haarlosigkeit und das sogenannte Merle-Gen. Es sorgt für ein Fellmuster mit helleren und dunkleren Bereichen. Bestimmte genetische Kombinationen, insbesondere die Verpaarung zweier Merle-Träger, können mit Augen- und Hörschäden verbunden sein. "Jedes Merkmal, das vererbbar ist und zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führt, ist zu vermeiden", sagt Hoth-Zimak.

Der Tierschutzbund kritisiert, dass bei der Zucht teilweise das Aussehen wichtiger sei als die Gesundheit. Menschen züchteten oder kauften Hunde, weil sie ihnen besonders süß oder schön erschienen. Die Tiere würden dadurch nach den optischen Vorstellungen der Menschen "designt", so der Verband.

Bei anderen Hunderassen gibt es ebenfalls erbliche Gesundheitsrisiken. Bei großen Tieren etwa können Hüftgelenksdysplasien und andere Gelenkerkrankungen auftreten.

Zucht und Gesundheit: Kann das funktionieren?

Auch Zuchtverbände beschäftigen sich mit den Problemen. Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) stellt nach eigenen Angaben die Gesundheit der Hunde in den Mittelpunkt. Typische Merkmale einer Rasse seien grundsätzlich erwünscht, dürften aber nicht zu gesundheitlichen Problemen führen.

Für Möpse und Französische Bulldoggen gelten besondere Anforderungen. Der VDH setzt dabei auf den wissenschaftlich geprüften Cambridge-Test. Damit soll die Atemfunktion von Hunden mit kurzer Schnauze beurteilt werden.

Die Hunde werden kontrolliert körperlich belastet. Danach wird geprüft, ob sie Atemgeräusche oder andere auffällige Probleme beim Atmen machen. Die Cambridge-Arbeitsgruppe empfiehlt den Test vor dem ersten Einsatz in der Zucht und eine Wiederholung spätestens nach zwei Jahren.

Der Tierschutzbund fordert strengere Regeln

Der Deutsche Tierschutzbund hält die bisherigen Regeln gegen Qualzucht für nicht ausreichend. Er fordert unter anderem eine verbindliche Regelung. Darin soll genauer festgelegt werden, welche Merkmale als Qualzucht gelten. Auch Zucht, Haltung und Import solcher Tiere sollen nach Vorstellung des Verbands stärker geregelt werden.

Das Tierschutzgesetz verbietet zwar Züchtungen, wenn vererbte Merkmale bei Tieren zu Schmerzen, Leiden oder gesundheitlichen Schäden führen. "Dieser sogenannte Qualzuchtparagraph ist jedoch in seiner Formulierung unkonkret und bleibt in der Umsetzung vage und individuell", sagt Hoth-Zimak vom Tierschutzbund.

Wie groß das Risiko bei kurznasigen Hunden ist

Wie häufig Atemwegsprobleme bei kurznasigen Hunden auftreten, zeigt eine im Februar 2026 veröffentlichte Untersuchung der University of Cambridge. Dafür wurden knapp 900 erwachsene Hunde aus 14 Rassen untersucht. Besonders häufig stellten die Forschenden das Atemwegssyndrom BOAS bei Pekinesen (89 Prozent der Tiere betroffen) und Japan Chins (82 Prozent) fest. Damit lagen die Werte in einer ähnlichen Größenordnung wie bei Möpsen, Französischen Bulldoggen und Englischen Bulldoggen.

Bei weiteren Hunderassen wie King Charles Spaniel, Shih Tzu und Boston Terrier stellten die Forschenden ein mittleres Risiko fest. Auch Griffon Bruxellois und Dogue de Bordeaux wurden dieser Gruppe zugeordnet. Bei Staffordshire Bullterriern, Cavalier King Charles Spaniels, Chihuahuas, Boxern und Affenpinschern war das Risiko geringer, klinisch relevante Erkrankungen traten dort nur bei wenigen Tieren auf.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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