Welttierschutztag: Hinter der Kuschelfassade: Die erstaunliche Welt der Koalas
Koalas sind keine Kuscheltiere. Hinter der flauschigen Fassade stecken eigenwillige Spezialisten – und eine Art, die zunehmend unter Druck steht. Zu Besuch im ältesten Koala-Schutzzentrum der Welt.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Maximus ist ein ziemlich imposanter Koala. Zehn Kilo bringt der Bursche auf die Waage, ungewöhnlich viel für seine Spezies - der Name ist Programm. Zudem hat er mit seinen 18 Jahren ein für die australischen Beuteltiere geradezu biblisches Alter erreicht. Mit großen Ohren, Knopfaugen und dichtem Fell sieht er fast wie ein Plüschtier aus. Doch hinter der niedlichen Fassade verbirgt sich eine faszinierende Tierart.
Mit rund 100 Artgenossen lebt Maximus im Lone Pine Koala Sanctuary, dem ältesten Koala-Schutzgebiet der Welt. Die Anlage wurde 1927 in Brisbane gegründet - im kommenden Jahr feiert sie ihr 100-jähriges Bestehen. Damit steht sie sogar im Guinness-Buch der Rekorde.
"Koalas könnten aussterben"
Zwischen Eukalyptusbäumen und Besucherwegen kümmern sich die Mitarbeiter nicht nur um die Tiere in ihrer Obhut. Es geht um eine viel größere Frage: Wie können Koalas trotz wachsender Bedrohungen langfristig überleben? Am Welttierschutztag (4. Oktober) geht es deshalb auch um diese ikonische Spezies, die nicht nur durch den Verlust ihres Lebensraums, sondern auch durch eine gefährliche Infektionskrankheit bedroht ist.
"Wir machen uns große Sorgen, dass Koalas aussterben könnten", sagt Chefveterinärin Galit Tzipori. Sie arbeitet seit 28 Jahren als Tierärztin in dem Schutzzentrum, davor war sie sechs Jahre lang Koala-Pflegerin. Wenn sie von ihren Schützlingen erzählt, kommen erstaunliche Fakten ans Tageslicht.
Von frech bis sanftmütig
Zunächst einmal: Hinter jedem einzelnen Exemplar versteckt sich eine ganz eigene Persönlichkeit. "Sie sind so unterschiedlich", schwärmt Tzipori. Manche seien frech, andere sehr sanft. Eine Koala-Dame namens Tabby wolle ununterbrochen "reden", Akane sei eine hervorragende Mutter und Esmeralda ziemlich vorlaut.
Und dann sei da "Opa" Maximus, ihr Liebling mit Sehschwäche und grauem Star auf einem Auge. "Er ist ein ausgesprochen lieber, gutmütiger Kerl", lächelt Tzipori. Aber um den jährlichen Zahncheck kommt der Koala-Methusalem dennoch nicht herum.
Bis zu 20 Stunden am Tag verbringen Koalas ruhend. Doch das ist Teil ihrer Überlebensstrategie. Sie fressen fast nur Eukalyptusblätter, die kaum Energie liefern und schwer verdauliche Pflanzenfasern enthalten. Also sparen sie bei den Bewegungen, wo es geht. "Die Leute denken oft, sie seien langsam und dumm", sagt Tzipori. Beides stimme nicht. Koalas seien faszinierende Wesen, und könnten im Sprint bis zu 30 Kilometer pro Stunde erreichen. Zudem seien ihr Gehör und Geruchssinn besonders gut entwickelt.
Mamas Kot als Starthilfe
Und der Nachwuchs? Koala-Babys kommen winzig und völlig unterentwickelt zur Welt. Sechs Monate verbringen sie im Beutel, bevor sie allmählich die Welt erkunden. Doch bevor sie Eukalyptusblätter verdauen können, brauchen sie eine Starthilfe: den Kot ihrer Mutter. Das schleimige "Pap" enthält wichtige Mikroorganismen für den Darm. Mehrfach nimmt das Jungtier davon auf, bevor es auf Blattkost umsteigen kann.
Mehr als 700 Eukalyptusarten gibt es. "Generell ernährt sich ein Koala aber nur von den Arten, die in seinem jeweiligen Gebiet vorkommen - das sind meist nicht mehr als zehn", erläutert Tzipori. Ein Koala aus Queensland kann etwa nach einem Buschbrand nicht einfach irgendwo anders in Australien ausgesetzt werden. "Sie können sich zwar anpassen, aber das braucht Zeit."
Wie viele Koalas gibt es noch?
Ihr Lebensraum schrumpft zudem. Wälder werden gerodet und zerschnitten. Straßen, Hunde, Hitze und Buschfeuer werden zur Gefahr. Die Populationen in Queensland, New South Wales und dem Australian Capital Territory gelten seit 2022 als stark gefährdet.
Die Australian Koala Foundation schätzt die Zahl wildlebender Exemplare auf maximal 63.600, möglicherweise liege sie aber auch viel niedriger, heißt es auf der Webseite. Die Experten fordern, Koalas in manchen Gebieten bereits als "vom Aussterben bedroht" einzustufen. "Es gibt derzeit nirgendwo im Land eine Gesetzgebung, die Koalas und ihren Lebensraum in Australien schützen kann", heißt es.
Verheerende Krankheit: Chlamydien
Verheerend ist zudem eine Krankheit, die bei Menschen meist symptomfrei verläuft, für Koalas aber tödlich sein kann: Chlamydien. Die Bakterien können Augen und Harnwege befallen, zur Erblindung führen und Weibchen unfruchtbar machen. In freier Natur gehört die Infektion zu den größten Bedrohungen - die Koalas in Lone Pine sind hingegen Chlamydien-frei. Sie können aber dennoch helfen, Lösungen für ihre wilden Artgenossen zu finden.
Seit rund 25 Jahren arbeitet das Zentrum mit Universitäten an einem Impfstoff. In Lone Pine wurden dafür verschiedene Vakzine getestet und weiterentwickelt. Mittlerweile laufen erste Schutz- und Impfprogramme für wilde Koalas. Für Tzipori ist das genau die Rolle, die Zoos heute spielen können: nicht nur Tiere zu zeigen, sondern dabei zu helfen, ihre Verwandten draußen zu schützen.
Koala-Kuscheln verboten
Auch im ältesten Koala-Sanctuary hat sich derweil in den letzten Jahren etwas verändert. So dürfen Besucher Koalas seit 2024 nicht mehr im Arm halten. Sie können aber einen "Koala Moment" mit einem Pfleger buchen, dabei Fragen stellen und ein Exemplar aus nächster Nähe beobachten. Wichtig: Wenn ein Tier zeigt, dass es genug hat, wird die Begegnung beendet.
"Wir wollen Wissen vermitteln und Wertschätzung für die Tiere fördern - und nicht einfach nur einen Instagram-Moment bieten", sagt Tzipori. Vielleicht ist das die wichtigste Lektion: Koalas sind zwar sehr süß, aber sie sind keine Kuscheltiere. Sie brauchen auch in Zukunft Schutz - und Eukalyptuswälder, in denen sie ungestört leben können.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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