Würgende Monsterreptilien: Auch Urzeitechsen war manchmal zum Kotzen
Plesiosaurier hatten Flossen und einen sehr langen Hals. Durch den würgten sie wohl immer wieder mal Reste ihrer Mahlzeiten aus - die bis heute als Versteinerungen erhalten blieben.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Tiere übergeben sich nicht nur, wenn ihnen schlecht ist. Eulen, Katzen und andere Geschöpfe werden so auch sogenannte Gewölle los, Sammlungen unverdaulicher Reste ihrer Opfer. Das ist keine Erfindung der Neuzeit, wie der Paläontologe Dirk Knaust berichtet: Auch reptilienähnlichen Urzeittieren war demnach wahrscheinlich öfter mal zum Kotzen. Sie hätten sich so etwa der Schalen gemampfter Muscheln entledigt.
Knaust ist Spezialist für fossile Spuren und analysierte in den vergangenen drei Jahrzehnten mehrere Tausend Meter Bohrkernproben aus den Nordsee-Bohrlöchern seines Arbeitgebers, des norwegischen Energieunternehmens Equinor. Für die aktuelle Analyse studierte er mehr als 20 Walnuss- bis Mango-große Klumpen aus versteinertem Erbrochenem, von Fachleuten Regurgitalithe genannt. Über verschiedene Vergleiche schloss er auf die ausgestorbenen Meeresreptilien als Verursacher.
Ran an die Küste und losgewürgt
"Plesiosaurier könnten sich nach der Jagd zur Erholung oder zum Schlafen der Küste genähert haben, und wahrscheinlich haben sie sich dann erbrochen", meint Knaust. "Wir beobachten heute bei Robben und Salzwasserkrokodilen ein ähnliches Verhalten, doch während diese an Land gehen, blieben Plesiosaurier aufgrund ihres Gewichts und ihrer Körperform wahrscheinlich unter Wasser."
Plesiosaurier wurden bis zu gut einem Dutzend Meter lang, hatten vier paddelförmige Flossen und oft einen langen Hals. Dieses Konzept erwies sich als sehr erfolgreich: Die Meeresmonster überlebten der University of Cambridge zufolge mehr als 140 Millionen Jahre lang verschiedene Massensterben. Die Brocken von Erbrochenem führt Knaust in der im "Geological Magazine" vorgestellten Studie auf sogenannte Kryptoklididen zurück - diese mittelgroßen Plesiosaurier lebten vor etwa 175 bis 100 Millionen Jahren.
Aus früheren Untersuchungen ist der Universität zufolge bekannt, dass Plesiosaurier wahrscheinlich mit nach unten geneigtem Kopf Muscheln und andere Dinge vom Meeresboden verschlangen. Mit den Zähnen zerkleinern konnten sie sie demnach wohl nicht, sondern schluckten sie ganz - und spuckten die Schalen später als komprimierte Ballen aus, so wie Eulen das heute mit Haaren und Knochen ihrer Beute tun.
In Höhlen gekullert und versteinert
Die Klumpen enthielten zudem Behausungen von Röhrenwürmern, Seelilien und Belemniten (tintenfischartige Kopffüßer). Diese Mischung und die Größe der Brocken deute auf Plesiosaurier als Verursacher, heißt es in der Studie. Das Erbrochene blieb demnach unter anderem deshalb erhalten, weil es stark verdichtet und mit Schleim überzogen war. Zudem seien einige Klumpen schnell von Sedimenten bedeckt worden und andere in von Krebstieren am Meeresboden hinterlassene, schützende Höhlen gelangt und dort versteinert.
"In den letzten zehn Jahren gab es zahlreiche Untersuchungen zu versteinerten Erbrochenen, doch die meisten davon konzentrierten sich auf Wirbeltiere, die andere Wirbeltiere fressen", erklärte Knaust. "Dies ist das erste Mal, dass Erbrochenes von Plesiosauriern und die darin enthaltenen Schalentiere identifiziert wurden, und diese Lebewesen verraten uns eine Menge."
Die untersuchten Fossilien stammen hauptsächlich aus dem Bau einer Unterwasser-CO2-Speicherstätte in der Nähe des Gas- und Ölfelds Troll. Sie liegt in den ehemaligen seichten Gewässern von Flussdeltas etwa 50 Kilometer vor der norwegischen Küste.
"Durchforsten, was ausgestorbene Tiere ausgespuckt haben"
Skelette von Plesiosauriern wurden aber weltweit gefunden - Knaust nimmt darum an, dass auch an vielen anderen Küsten Erbrochenes der Meeresriesen zu finden wäre. Und auch das sei nur ein Anfang. "Wir können noch so viel mehr lernen, wenn wir das durchforsten, was ausgestorbene Tiere nach dem Abendessen wieder ausgespuckt haben."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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