Heidebad in Halle an der Saale: Strandbad-Einlass nur mit Deutschkenntnissen - das steckt dahinter
Im Heidebad in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) darf künftig nur noch schwimmen, wer ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache besitzt. Die umstrittene neue Einlassregel von Betreiber Mathias Nobel hat einen bedrückenden Hintergrund.
Erstellt von Claudia Löwe - Uhr
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- Strandbad in Sachsen-Anhalt erlässt umstrittene Einlassregel
- Kein Zutritt ohne Deutschkenntnisse im Heidebad in Halle an der Saale
- So rechtfertigt der Betreiber das kontroverse Zutrittsverbot
Im Heidebad in Halle an der Saale gilt seit wenigen Tagen eine ungewöhnliche Einlassregel: Wer nicht ausreichend Deutsch versteht, bekommt keinen Zutritt zum Strandbad. Betreiber Mathias Nobel führte die Maßnahme ein, nachdem er am Wochenende selbst ein Kleinkind aus dem Wasser retten musste.
Heidebad in Halle an der Saale verweigert Badegästen ohne Deutschkenntnisse den Zutritt
Der 46-jährige Geschäftsführer begründet seinen Schritt mit den besonderen Gefahren des Gewässers. "Unser See ist zum Teil 13 Meter tief. Das ist einfach gefährlich", erklärte Nobel gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Das von ihm gerettete Kind habe sich ohne Schwimmhilfe in viel zu tiefem Wasser aufgehalten, während die Eltern nicht reagiert hätten. Für den Strandbad-Betreiber Grund genug für die neue Einlassbeschränkung: Seit dem Zwischenfall prüft das Kassenpersonal, ob Besucher die Baderegeln verstehen können. Bei Verständigungsproblemen wird im Einzelfall entschieden. Vereinzelt seien bereits Menschen abgewiesen worden. Die Entscheidung sorgt für erhebliche Kritik – Nobel hält dennoch daran fest.
Strandbad in Sachsen-Anhalt birgt als Tagebau-Restloch tödliche Risiken
Das Heidebad liegt an einem ehemaligen Braunkohle-Tagebau im Stadtteil Nietleben. Das Gewässer erstreckt sich über 12,5 Hektar und weist eine nahezu senkrechte Uferkante auf – Bedingungen, die Nobel als besonders gefährlich einstuft. Der Vorfall, der sich am Abend des 21. Juni gegen 20.00 Uhr ereignete, verdeutlicht das Problem aus seiner Sicht: Ein Kind spielte ohne Schwimmhilfe in den tiefen Bereichen des Sees. Nobel holte es selbst aus dem Wasser. Die Eltern hätten mit Unverständnis reagiert und ihn nicht richtig verstanden.
Immer wieder beobachte er, dass Badegäste mit mangelnden Sprachkenntnissen auf Ansprachen nur mit "ja, ja" antworteten, ohne tatsächlich etwas begriffen zu haben. Auch Lautsprecherdurchsagen zur Schließzeit würden ignoriert. "Die bleiben einfach sitzen", schildert Nobel gegenüber "Bild". Wer die Haus- und Badeordnung weder lesen noch verstehen könne, stelle ein Sicherheitsrisiko dar. "Tot ist tot", fasst der Betreiber seine Haltung zusammen.
Freibad-Betreiber mit Rassismus-Vorwürfen und Hass-Nachrichten konfrontiert
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Die neue Regelung bringt Nobel heftige Kritik ein. Per E-Mail und WhatsApp erreichen ihn zahlreiche Hass-Nachrichten, in denen er als Rassist beschimpft wird. Manche drohen mit rechtlichen Schritten. Der Betreiber weist die Vorwürfe entschieden zurück: "Dabei weiß jeder, dass ich das komplette Gegenteil bin, überaus ausländerfreundlich", sagte er gegenüber "Bild". Nobel betont, dass seine Maßnahmen nicht auf bestimmte Gruppen abzielten. Auch deutsche Besucher würden abgewiesen, wenn sie für ihre Kleinkinder keine Schwimmhilfen mitbrächten. Der entscheidende Unterschied: Bei deutschsprachigen Gästen gebe es keine Verständigungsbarriere, die meisten verstünden seine Erklärungen und akzeptierten sie auch.
Zusätzlich will er mit der Regelung sein Personal entlasten. Bademeister hätten sich in der Vergangenheit geweigert, Schwimmregeln einzeln in Übersetzungsprogramme zu sprechen. "Mein Personal ist so schon an der Grenze", erklärt der Geschäftsführer.
DLRG bestätigt wachsende Probleme im Badebetrieb
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft in Sachsen-Anhalt kennt die Schwierigkeiten, die Nobel beschreibt. "Unsere Arbeit wird deutlich erschwert, wenn der Badegast nicht versteht – oder verstehen will", erklärt DLRG-Geschäftsführer Holger Friedrich. Allerdings differenziert Friedrich das Problem: Sprachbarrieren seien nur ein Teil der Herausforderung. Immer häufiger träfen die Rettungsschwimmer auf Badegäste, die Regeln schlicht ignorieren wollten. "Das hat dann in erster Linie gar nicht mit der Sprache an sich zu tun. Aber natürlich wird es umso komplizierter, wenn es Sprachbarrieren gibt."
Besonders an beliebten Stellen wie Sprungtürmen oder Rutschen komme es verstärkt zu Regelverstößen. Für Ordnung zu sorgen gehöre eigentlich nicht zu den Aufgaben der DLRG und lenke von der eigentlichen Rettungsarbeit ab, kritisiert Friedrich. Über Einlassregeln entscheiden die Rettungskräfte jedoch nicht – sie können Betreibern lediglich aufzeigen, wo Probleme entstehen.
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loc/news.de/dpa/stg
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