Emden: Taalke Middents steuert Containerschiffe um die halbe Welt
Die 35-Jährige ist die jüngste Kapitänin bei Hapag-Lloyd. Hier erzählt sie von ihrer Faszination für Containerschiffe, Delfinen am Horizont und warum sie mehr Frauen für die Seefahrt ermutigen möchte.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
Suche
Für Taalke Middents ist das Meer nie weit entfernt – und doch ist der Ostfriesin lange Zeit nicht klar gewesen, dass die See einmal ihr Arbeitsplatz sein würde. Gerade ist die 35-Jährige mit dem Containerschiff "Linah" mit Platz für knapp 15.000 Container sechs Monate lang um die halbe Welt gefahren – zum ersten Mal als Kapitänin. Denn Middents ist die jüngste Kapitänin bei Deutschlands größter Containerreederei Hapag-Lloyd. "Ich bereue es bis heute nicht", sagt die Emderin zu ihrer Berufswahl. "Die Seefahrt ist super vielseitig und macht einfach sehr viel Spaß."
Ihre erste Reise als Kapitänin führte sie von Slowenien nach Ägypten um Afrika herum bis nach China und zurück. An ihrem Job schätze sie die Vielseitigkeit, die die Schifffahrt von jedem Bürojob unterscheide, erzählt Middents während einer Auszeit in ihrer Heimatstadt. "Jeden Tag wird man mit seinem Wissen und seinen Fähigkeiten neu gefordert. Mal ist wirklich Entendeich, blauer Himmel und die Delfine springen am Horizont, und dann gibt es Tage, wo man auf besondere Wettersituationen oder veränderte Hafeneinläufe reagieren muss."
Erster Seefahrer-Kontakt auf Borkum
Dass sie mal das Kommando und die Verantwortung für einen mehr als 300 Meter langen Containerfrachter haben wird, kam der Ostfriesin lange nicht in den Sinn. "Ich war schon immer viel am Wasser", berichtet Middents, die sich in ihrer Freizeit als Rettungsschwimmerin bei der DLRG engagiert. Während ihrer Arbeit auf Borkum sei sie in Kontakt mit den Seenotrettern und früheren Schiffskapitänen gekommen, die von ihren Fahrten berichtet hätten. "Ich habe lange nicht realisiert, dass das mein Beruf sein wird", sagt die Kapitänin.
Nach dem Abitur las sie sich in verschiedene Studiengänge ein und blieb beim Fach Wirtschaftsingenieurwesen und der Seefahrt "kleben". "Ich habe das gelesen und mir gedacht: Das ist es, das will ich machen", erinntert sich Middents.
An Bord eines Mehrzweckfrachters in der Karibik absolvierte sie 2009 ein halbes Jahr lang für ein Praxissemester ihre erste Fahrt. "Dadurch, dass es eine sehr kleine Besatzung war, mit mir neun Leute an Bord, wurde ich direkt voll miteingespannt und ich durfte von Anfang an direkt viel mit anpacken", erzählt sich Middents. Später fuhr sie auch auf einem Kreuzfahrtschiff und einem Containerschiff. "Da habe ich mir gedacht: Container, da geht die Reise hin."
Nikolaus an Bord
Ihre Leidenschaft für den Transport der Stahlboxen ist bis heute geblieben: Jedes Schiff, jede Ladung und jede Besatzung müsse sicher von einem Hafen zum Nächsten gebracht werden – das sei immer ein kleines Projekt, erzählt die Kapitänin. "Und es ist jedes Mal ein Erfolgserlebnis, wenn man weiß: Das hat man jetzt sicher und richtig geschafft." Das sei natürlich Teamarbeit.
Als Kapitänin hat die 35-Jährige nun die Verantwortung über Schiff, Ladung und die internationale Besatzung. Entsprechend wichtig seien auch Teamevents an Bord wie Grill- oder Karaoke-Partys oder ein Tischtennis-Turnier. Auch als Nikolaus war die Kapitänin schon gefragt. "Ich wusste, dass ich über Weihnachten unterwegs bin und hatte daher schon zu Hause genügend Schokolade eingepackt", erzählt Middents. Am Abend vor Nikolaus habe sie dann an das Whiteboard geschrieben: "Deutsche Tradition, saubere Schuhe vor die Tür stellen – dann kommt vielleicht der Nikolaus." So ließen sich auch auf einem internationalen Schiff eigene Traditionen und Bräuche teilen, sagt sie.
Frauenanteil auf See steigt langsam
Frauen, die als Offizierin, Schiffsmechanikerin oder gar als Kapitänin auf einem Seeschiff arbeiten, sind nach wie vor eine Ausnahme. Bei Hapag-Lloyd mit seinen mehr als 300 Containerschiffen fahren vier Kapitäninnen.
In Deutschland stieg der Anteil von Frauen an Bord der deutschen Handelsflotte nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) in den vergangenen Jahren zwar langsam, er liegt aber noch immer im einstelligen Bereich, zuletzt bei rund 7 Prozent. Bei Hapag-Lloyd betrug der Frauenanteil zuletzt 5,7 Prozent. International liegt der Durchschnitt laut VDR bei rund 2 Prozent.
Middents kennt es, als einzige Frau an Bord zu sein. Das sei etwa bei ihrer ersten Fahrt auf dem Mehrzweckfrachter so gewesen. Als Unteroffizierin sei sie später meistens mit mindestens einer anderen Frau zusammengefahren. "Wenn man als Frau allein an Bord ist, dann ist man die Frau", sagt Middents. "Aber wenn mehrere Frauen an Bord sind, dann ist man die Offizierin oder die Ingenieurin und nicht mehr nur "die Frau". Das normalisiert vieles."
Außerdem haben jeder und jede an Bord eine zugewiesene Aufgabe. "Solang man seine Aufgaben vernünftig erfüllt, wird man dafür auch respektiert, wie man arbeitet", sagt Middents. "Da spielt es dann keine Rolle, wie man aussieht oder welches Geschlecht man hat."
Hapag-Lloyd möchte den Anteil von Frauen in der Seeschifffahrt nachhaltig erhöhen. Dazu setzt die Reederei nach eigenen Angaben etwa auf eine gezielte Nachwuchsgewinnung und mehr Sichtbarkeit weiblicher Vorbilder. Außerdem hat Hapag-Lloyd Schiffe, auf denen bewusst mehrere Frauen Teil der Crew sind. "Ziel ist, dass Frauen an Bord nicht als Ausnahme wahrgenommen werden, sondern als selbstverständlicher Teil der Crew – ob als Kapitänin, Offizierin, Ingenieurin, Kadettin oder in anderen Funktionen", teilt eine Unternehmenssprecherin mit.
Dass sich beim Frauenanteil auf den Schiffen etwas bewege, sei ein wichtiges Signal, sagte kürzlich Gaby Bornheim, Präsidentin des Verbands Deutscher Reeder (VDR), anlässlich des Internationalen Tages der Frauen in der Seeschifffahrt am 18. Mai. Vielfalt sei auch ein entscheidender Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte. "Je offener und attraktiver wir als Branche sind, desto besser können wir Talente gewinnen und langfristig binden."
"Wir Seeleute sind unsichtbar"
Middents wünscht sich mehr Frauen in der Seeschifffahrt und wirbt für mehr Nachwuchs für die Branche insgesamt. "Viele sehen gar nicht, wie vielfältig die maritime Welt ist", sagt die junge Kapitänin. Die Häfen etwa in Wilhelmshaven, Bremerhaven oder Rotterdam lägen so weit außerhalb der Städte, dass viele Menschen gar nicht mitbekämen, wer dort arbeite und was dort passiere.
Für Schiffsbesatzungen seien Landgänge verkürzt worden. "Man trifft daher auch kaum noch Seeleute in den Kneipen", sagt Middents. "Wir Seeleute sind unsichtbar. Wir schmeißen die Leinen im Hafen los und dann sind wir weg aus dem Bewusstsein. Dass Menschen diese Schiffe fahren, ist vielleicht gar nicht mehr so präsent." Auch für Jobs an Land suche die maritime Branche nach Nachwuchs, betont Middents – in den Reedereibüros etwa oder bei den Lotsenbrüderschaften. "Wenn man sich für die Seefahrt interessiert, sollte man es in jedem Fall ausprobieren", gibt Middents anderen jungen Frauen, die vor ihrer Berufswahl stehen, als Rat.
Ob sie ihr ganzes Leben lang Kapitänin bleibe, wisse sie noch nicht, sagt die 35-Jährige. "Im Moment macht es mir sehr viel Spaß." Ihre nächste Fahrt steht schon an. "Ich gehe auf die "Hongkong Express"", sagt Middents. Von New York aus fährt sie das Schiff mit bis zu 13.000 Containern an der US-Ostküste entlang nach Sri Lanka, China, Vietnam, Malaysia und wieder zurück.
Weitere aktuelle News aus dem Ressort "Panorama":
- Sarah Connor: "Was du wirst 46?" Im Bikini verschlägt die Sängerin ihren Fans den Atem
- Lena Meyer-Landrut: Bald zwei Jahre Funkstille - Fans geben die Hoffnung nicht auf
- GZUZ auf Tour 2026/2027: Wann und wo seine nächsten Auftritte stattfinden
- Ikkimel auf Tour 2026/2027: Die Termine für ihre Live-Auftritte im Überblick
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
kns/roj/news.de
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.