NSDAP-Karteien: War Ihr Opa ein Nazi? So können Sie es herausfinden
Waren die eigenen Vorfahren vielleicht doch begeisterte Nazis? Diese Frage kann nun mithilfe von vom US-Nationalarchiv veröffentlichten Dokumenten beantwortet werden. Die Recherche ist jedoch nicht so einfach wie gedacht.
Erstellt von Felix Schneider - Uhr
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- Das US-Nationalarchiv hat alle noch erhaltenen NSDAP-Karteien veröffentlicht
- Auf der Webseite des Archivs können Interessierte über die Familie recherchieren
- Die Spurensuche kann sich allerdings schwieriger gestalten als viele vermuten würden
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Mehr als 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs hat das US-Nationalarchiv einen historischen Datenschatz veröffentlicht. Erstmals sind sämtliche überlieferte NSDAP-Mitgliedskarteien vollständig öffentlich zugänglich. Die Sammlung umfasst über 16 Millionen Dokumente.
Jeder fünfte Deutsche war NSDAP-Mitglied
Etwa jeder fünfte Erwachsene Deutsche war 1945 Teil der mehr als 8,5 Millionen NSDAP-Mitglieder, wie das Deutsche Historische Museum erklärt. Es stellt sich also nicht wenigen Menschen die Frage: Waren meine Großeltern oder Urgroßeltern ebenfalls unter den Parteigenossen? Die nun vom US-Nationalarchiv veröffentlichten Dokumente sollen Aufschluss darüber geben - mit Namen, Geburtsdaten und weiteren persönlichen Angaben. Für viele Familien könnte sich das Bild der eigenen Vorfahren damit deutlich ändern.
Der Zugang zum Mitgliederkarteien-Archiv ist kostenlos und erfordert keine Registrierung. Jeder kann sich durch die Millionen Einträge klicken und nach eigenen Vorfahren suchen. Die Nachfrage ist enorm: Seit der Freischaltung ächzt die Website unter den hohen Zugriffszahlen und ist zeitweise nicht erreichbar.
Ungehorsam rettete die Dokumente vor der Vernichtung
Dass diese Dokumente überhaupt noch existieren, ist einem mutigen Akt des Ungehorsams zu verdanken. Kurz vor Kriegsende erhielt Hanns Huber, Geschäftsführer einer Papierfabrik nördlich von München, den Auftrag, 65 Tonnen Papier zu vernichten. Er verzögerte die Zerstörung und wies seine Mitarbeiter an, die Dokumente im Altpapier zu verstecken. Durch Huber konnten schätzungsweise 80 Prozent der ursprünglichen Bestände gerettet werden.
Im Herbst 1945 machte Huber die US-Militärregierung auf die Dokumente aufmerksam. Sie erkannte deren Bedeutung und brachte das Material im neu eingerichteten Berlin Document Center unter. Dort dienten die Karteien zunächst der Entnazifizierung und der Vorbereitung der Nürnberger Prozesse. Erst 1994 gingen die Originale an das deutsche Bundesarchiv zurück.
So gelingt die Suche in der Datenbank
Die Recherche erfordert Geduld und Systematik. Auf der Startseite des US-Nationalarchivs muss zunächst die Suchfunktion aktiviert werden ("Search within this Series"). Für optimale Ergebnisse können Interessierte es so versuchen:
- Eingabe von Namen im Format "Nachname, Vorname" – idealerweise in Anführungszeichen
- Geburtsdaten sollten im Format TT.MM.JJ ohne Jahrhundertangabe eingegeben werden (Beispiel: 10.06.18)
- Kombination mit dem damaligen Wohnort grenzt die Treffer weiter ein
- Bei Namen mit Umlauten wie "Müller" lohnt es sich, Varianten wie "Mueller" oder "Muller" zu testen
Doch selbst ein eindeutiger Treffer bedeutet nicht das Ende der Arbeit. Hinter jedem Dokument verbergen sich oft tausende Seiten digitalisierter Mikrofilme. Der Prozess ist damit deutlich langwieriger als zunächst gedacht. Und auch ein fehlender Eintrag bedeutet keine automatische Entlastung - etwa 20 Prozent der ursprünglichen Dokumente sind verloren gegangen.
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