20.04.2021, 08.31 Uhr

Coronavirus News: Zu wenig Obduktionen! Ist die Zahl der Corona-Toten falsch?

Ist die Zahl der Corona-Toten in Deutschland nicht korrekt? "Besonders bei den alten Patienten sind sicher viele Fälle dabei, die nicht an Corona gestorben sind", ist sich ein Rechtsmediziner einem Bericht zufolge sicher.

Ist die Zahl der Corona-Toten zu hoch? Bild: dpa

Ist die Zahl der Corona-Toten in Deutschland niedriger als es offiziell benannt wird? Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge sehen Experten Anzeichen für diese Entwicklung. Das Robert-Koch-Institut gibt täglich die Gesamtzahl der Menschen an, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind. Am Dienstag belief sich die Zahl auf 80.303.

Erst vor wenigen Monaten erklärte Christoph Röcken, der Direktor des Instituts für Pathologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), dass der Großteil der von Kieler Pathologen obduzierten Menschen, die sich vor ihrem Tod mit Corona infiziert hatten, tatsächlich an Covid-19 gestorben ist. "Bei 85 Prozent der Fälle konnten wir wirklich bestätigen, dass sie an Covid-19 verstorben sind", erklärte er. Nur ein kleiner Teil sei mit statt an Covid-19 gestorben, sagte Röcken.

Coronavirus News: Zahl der Corona-Toten könnte falsch sein

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch die in der "Bild" befragten Experten. Prof. Benjamin Ondruschka, Leiter des Instituts für Rechtsmedizin am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). erklärt gegenüber dem Blatt, "mehr als 90 Prozent sind tatsächlich an Corona gestorben. Meist sind es über 80-Jährige, mehr Männer als Frauen." Bei Prof. Gustavo B. Baretton, Direktor des Instituts für Pathologie an der Uniklinik Dresden, werden knapp 20 Prozent der Corona-Toten obduziert. Bisher seien alle Corona-Toten auch an dem Virus gestorben. Bei Prof. Irene Esposito, Direktorin des Instituts für Pathologie an der Uniklinik Düsseldorf sind laut "Bild"-Angaben seit Beginn der Pandemie von 13 Corona-Toten zwei nicht an sondern mit Corona gestorben.

Coronavirus aktuell: Rechtsmediziner zweifelt an Todeszahlen

Dennoch regt Prof. Dr. med. Rüdiger Lessig, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Halle (Saale), an, dass mehr obduziert werden müsse, wenn man korrekte Todeszahlen haben wolle. "Besonders bei den alten Patienten sind sicher viele Fälle dabei, die nicht an Corona gestorben sind", ist er sich sicher. Warum es bisher wenig Interesse an einer detaillierten Aufschlüsselung gab, kann er sich nicht erklären. Man wisse über die Erkrankung "weder, was genau sie im Körper anrichtet, noch wie man sie behandelt und die Toten werden einfach nicht untersucht", ärgert er sich in "Bild".

Bundesländer machen Unterschiede bei Obduktion von Corona-Toten

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern sind hinsichtlich der Obduktion von Corona-Toten enorm. Wie die "Bild" schreibt, entscheiden über eine Obduktion unter anderem die Gesundheitsbehörden in den Kommunen. "Klare Vorgaben gibt es nicht. Die Folge: Während Hamburg jeden Toten untersucht, wurden an der Uniklinik Düsseldorf erst 13 Corona-Verstorbene obduziert – in der ganzen Pandemie", heißt es da. Ob das nur eine Kostenfrage (500 bis 1000 Euro) ist?

Folgen Sie News.de schon bei Facebook und YouTube? Hier finden Sie brandheiße News, aktuelle Videos, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

rut/fka/news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser