01.01.2021, 15.32 Uhr

Erdrutsch in Ask (Norwegen): Erdboden verschlingt Wohnhäuser! Rettungskräfte bergen Todesopfer

In der Nacht lösten sich im Süden Norwegens Erde und Schlamm auf einer Länge von 700 Metern. Hunderte Menschen in dem kleinen Ort Ask wurden in Sicherheit gebracht. Doch es gibt auch Verletzte - und Vermisste.

Ein Erdrutsch hat in der Stadt Ask zahlreiche Häuser beschädigt. Nach dem Erdrutsch im Süden Norwegens sind mehr als 150 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Bild: picture alliance/dpa/NTB/AP | Fredrik Hagen

Ein großer Erdrutsch hat die Bewohner eines kleinen Orts im Süden Norwegens zu nachtschlafender Zeit überrascht und mehrere Gebäude erfasst. Elf Menschen, darunter mehrere Kinder, galten am Mittwochabend in der Ortschaft Ask laut Polizei als vermisst - Berichte über bestätigte Todesfälle gab es bis dahin nicht.

Mindestens 10 Verletzte und mehrere Vermisste nach Erdrutsch in Norwegen

Mindestens zehn Menschen wurden bei dem Abgang am frühen Morgen in Askin der Kommune Gjerdrum rund 40 Kilometer nordöstlich von Oslo verletzt. Neun Häuser stürzten in der Folge des Abgangs bislang ein, andere sind einsturzgefährdet. Sechs der verletzten Personen seien in Krankenhäuser gebracht worden, sagte Einsatzleiter Roger Pettersen. Knapp 1.000 Einwohner wurden als Vorsichtsmaßnahme in Sicherheit gebracht. Die Such- und Rettungsarbeiten sollten über Nacht weitergehen.

Leiche nach Erdrutsch in Norwegen gefunden

Zweieinhalb Tage nach einem großen Erdrutsch im Süden von Norwegen haben Rettungskräfte ein erstes Todesopfer gefunden. Das teilte der polizeiliche Einsatzleiter Roy Alkvist am Freitagnachmittag auf einer Pressekonferenz mit. Zu Alter und Geschlecht des Opfers wollte sich die Polizei zunächst nicht äußern.

Katastrophe in Norwegen: Häuser nach Erdrutsch in die Tiefe gerissen

Norwegens Regierungschefin Erna Solberg und Justizministerin Monica Maeland reisten nach Ask, um sich ein Bild der Lage zu machen. "Ich stimme mit der Polizei überein, dass dies eine Katastrophe ist", sagte Solberg nach Gesprächen mit der Einsatzleitung. Der Erdrutsch dehnte sich auf einer Länge von 700 Metern und einer Breite von 300 Metern aus.

Die genaue Ursache des Abgangs war zunächst nicht klar. Er könne mit der örtlichen Bodenart zusammenhängen, hieß es. Dabei handelt es sich um Quickton, eine wasserreiche Struktur, die instabil ist. In der Gegend um Ask gibt es Hügel, aber keine hohen Berge. In jüngster Zeit hatte es dort viel geregnet.

"Das ist einer der größten Erdrutsche der vergangenen Jahre", sagte Torild Hofshagen von der norwegischen Behörde für Wasser und Energie. Seiner Einschätzung nach könnte die Ursache natürlicher Art oder im Bergbau begründet sein.

Rettungsarbeiten nach massivem Erdrutsch in Norwegen - Ungewissheit zum Schicksal vermisster Personen

Die Polizei war Medienberichten zufolge gegen 4.00 Uhr morgens alarmiert worden und leitete eine große Rettungsaktion ein, die auch das Rote Kreuz einschloss. Hubschrauber waren im Einsatz, um Menschen aus den betroffenen Gebieten zu bringen. Zunächst erschwerte die Dunkelheit die Rettungsarbeiten, später kam noch Schneefall dazu. Auch Geologen trafen in dem 5.000 Einwohner zählenden Ort ein.

Die Vermissten wohnten in dem betroffenen Gebiet, sie könnten aber auch zur Zeit des Erdrutsches außer Haus gewesen sein, sagte Pettersen. Das Haus von Olav Gjerdingen steht nur 150 Meter von dem Ort entfernt, wo sich der Erdrutsch ereignete. Er und seine Frau seien von der Polizei geweckt worden, berichtete er dem staatlichen Sender NRK.

"Ich wachte auf, weil das Haus zitterte", erzählte ein anderer Mann, der sich auch in Sicherheit bringen konnte. "Ich dachte zuerst, das sei ein Planierfahrzeug." Dann aber sei der Strom ausgefallen, Nachbarn seien hereingestürmt und hätten von dem Erdrutsch berichtet. Regierungschefin Solberg zufolge könnten die Bergungs- und Aufräumarbeiten noch mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Zehn Vermisste nach Erdrutsch in Norwegen

Mehr als 24 Stunden nach einem heftigen Erdrutsch in Norwegen gelten zehn Menschen weiterhin als vermisst. Einsatzkräfte suchten in der Nacht zum Donnerstag mit Drohnen und Hubschraubern weiter nach ihnen, sie fanden dabei einen Hund in dem Gebiet, wie die Polizei am Vormittag mitteilte. Zugleich forderte sie die Menschen in der Region auf, vor 23.00 Uhr kein Feuerwerk in der Region zu zünden, um die Helikopter und Drohnen in der Luft nicht zu gefährden.

Berichte über Tote gab es bis zum Donnerstagvormittag nicht. Die Polizei machte bereits am Mittwochabend klar: "Der Fokus des Einsatzes liegt darauf, Leben zu retten." Von dem Gebiet waren auch am Donnerstag Teile weiter so instabil, dass es für die Suchteams zu gefährlich war, sie zu Fuß zu betreten.

Bereits im Sommer war Norwegen von einem ähnlichen Erdrutsch heimgesucht worden. Damals zog der Abgang bei Alta im hohen Norden des Landes mehrere Häuser und Hütten ins Meer hinein. Menschen waren dabei nicht verletzt worden. Wie damals wird auch jetzt damit gerechnet, dass die Bodenbeschaffenheit etwas mit dem Erdrutsch zu tun hat.

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loc/news.de/dpa

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