17.05.2017, 16.16 Uhr

"Gift" als Wiederholung online sehen: "Gift" - Ein Film mit gesellschaftspolitischer Dimension

Medikamente werden oft gefälscht - dies stellt ein Gesundheitsrisiko dar. Bild: dpa

Eine Hand wäscht also die andere: Lobbyisten, Banker, Hersteller, Händler, Ermittler - irgendwie hängt alles mit allem zusammen, und alle kommen auf ihre Kosten. Nur für die Patienten gilt das nicht. Das Thema des Filmes hat natürlich eine beträchtliche gesellschaftspolitische Dimension - auch wenn es ganz sicher ehrbare Mitarbeiter in der Pharmaindustrie gibt. Doch zeigt der Film sehr drastisch, dass Intransparenz und Verlogenheit schon erschreckende Ausmaße angenommen haben. Der Autor und Regisseur Daniel Harrich (33) hat mit seinen Filmen zum Oktoberfestattentat ("Der blinde Fleck", 2013) und zum Handel mit Kriegswaffen ("Meister des Todes", 2015) bereits für viel Aufsehen und Denkanstöße gesorgt.

Harrich: Pharmaindustrie braucht einen Urknall

Bei der Vorführung von "Gift" in Hamburg sagte Harrich: "Wir wollen keine Panik machen, aber genau draufschauen müssen wir schon. Das System braucht dringend eine Reinigung, besser noch einen Urknall. Wir wollen Menschen zum (Nach-)Denken und Handeln bringen und Konsequenzen ziehen." Das sollte ihm gelingen, denn er hat das Thema seines Filmes mit viel Emotionalität verpackt, samt Vater-Tochter-Konflikt und einer Hindu-Hochzeit.

"Gift" beraubt einem jeglicher Illusion

Die vielen Schauplätze verwirren schon etwas - es geht nach Genf, Lyon, München und Mumbai. Neben den emotionalen Momenten im Film sind vor allem die fabelhaften Schauspieler sicher für viele ein Grund, sich diesen Film anzusehen. Das ist nicht das schlechteste Motiv. Die Doku im Anschluss nimmt einem dann endgültig jegliche Illusion.

"Pharmaunternehmen kontrollieren die Qualität ihrer Zulieferer im Ausland mindestens nach den gesetzlichen pharmazeutischen Standards, die für Deutschland gelten", sagt Norbert Gerbsch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI). "Pharmaunternehmen, die Arzneimittelbestandteile aus Asien einkaufen oder dort herstellen lassen, werden den Bericht zum Anlass nehmen, auf die Einhaltung vereinbarter Umweltrichtlinien stärker einzuwirken." Die Industrie habe jedoch keinen Einfluss auf die von den jeweiligen Ländern gesetzten Umweltstandards. "Zustände, wie sie vom NDR dokumentiert wurden, sind inakzeptabel."

Das sind sie ganz sicher. Doch ebenso sicher ist, dass sich mit Produktfälschungen von Medikamenten viel Geld verdienen lässt. Zurück bleibt man als Betrachter mit der ernüchternden Erkenntnis, dass Lobbyismus und Profitgier am Ende eben doch obsiegen können. Es ist zu hoffen, dass die Arzneimittel hierzulande wirklich sicher sind und auch das drin ist, was auf der Packung steht.

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gea/kad/news.de/dpa

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